Ratgeber

Steigender Zusatzbeitrag : Diese Kassen sind jetzt teurer

Von Isabell Noé

Für manche Kassenpatienten beginnt das Jahr mit einem Beitragsschock: 59 von 88 allgemein geöffneten Krankenkassen haben ihre Beiträge erhöht, manche um 0,5 Prozent oder mehr. Wer bleibt billig, wer wird teurer?

Der Techniker sind in den letzten Jahren scharenweise Kunden zugelaufen. Preislich bleibt sie im Mittelfeld.
Der Techniker sind in den letzten Jahren scharenweise Kunden zugelaufen. Preislich bleibt sie im Mittelfeld.(Foto: imago/STPP)

Zwei Drittel der bundesweit offenen Krankenkassen haben zum Anfang des Jahres ihre Zusatzbeiträge erhöht. Überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Schon länger warnen Kassenchefs vor der raschen Erosion ihrer Rücklagen. "Es wird teurer, das ist die Wahrheit", prophezeite Jens Baas, der Vorstand der Techniker Krankenkasse, bereits Ende 2014, als die Kassen zum ersten Mal ihre Zusatzbeiträge verkündeten. Für die 7 Millionen zahlenden TK-Mitglieder geht es 2016 um 0,2 Prozent nach oben, mit 15,6 Prozent liegt der Beitragssatz aber immer noch 0,1 Prozentpunkte unter dem neuen Durchschnitt.

Den größten Satz macht mit 0,7 Prozentpunkten die BKK Euregio – allerdings startet sie auch auf niedrigstem Niveau. Im letzten Jahr hatte die Kasse, die in Hamburg und NRW agiert, komplett auf den Zusatzbeitrag verzichtet. Nun zahlen die Kunden 15,3 Prozent. Die Metzinger BKK ist nun die einzige Kasse, die ohne Zusatzbeitrag auskommt. Sie steht allerdings nur Kunden aus Baden-Württemberg offen. Drei weitere Kassen bleiben unter der 15 Prozent-Marke. Die AOK Plus (Sachsen, Thüringen), die AOK Sachsen Anhalt und die BKK MEM (Thüringen) rufen weiterhin 14,9 Prozent auf. Die HKK hat ihren Beitrag um 0,19 Prozentpunkte erhöht, bleibt mit nunmehr 15,19 Prozent aber die günstigste Kasse, die bundesweit Mitglieder aufnimmt.

Sieben haben die 16 vorm Komma

Fünf Kassen sind in diesem Jahr bei 16 Prozent angekommen: Kunden der IKK Classic spüren den Sprung besonders deutlich, sie zahlen satte 0,6 Prozent mehr, bei der AOK Rheinland/Hamburg und der Bahn BKK geht es um 0,5 Prozent nach oben. Die BKK Pfalz und die BKK Braun-Gillette gehörten schon vorher zu den teureren Kassen, sie haben den Beitrag um 0,2 Punkte erhöht und liegen nun ebenfalls bei 16,0 Prozent. Zwei Kassen sind noch teurer: Spitzenreiter ist die Viactiv Krankenkasse, die von ihren rund 770.000 Mitgliedern ab diesem Jahr 16,3 Prozent kassiert. Die DAK-Gesundheit schlägt 0,6 Punkte drauf und ist nun bei 16,1 Prozent angekommen.

Damit ist die DAK nun mit Abstand die Teuerste unter den Großen der Branche. Die Techniker als mitgliederstärkste Kasse spielt mit einem Beitrag von 15,6 Prozent im Beitrags-Mittelfeld, die Barmer GEK erhöht um 0,2 Punkte auf 15,7 Prozent. Genauso viel zahlen die Mitglieder der AOK Bayern, der AOK Hessen und der AOK NordWest, bei der AOK Baden-Würtemberg sind es 15,6 Prozent. Die AOK Niedersachsen bleibt konstant bei 15,4 Prozent. Die Knappschaft verlangt von ihren knapp 1.710.000 Mitgliedern künftig 15,9 Prozent und die Kaufmännische Krankenkasse KKH nimmt 15,8 Prozent.

Sind teure Kassen selbst schuld?

Wenn eine Kasse einen hohen Zusatzbeitrag verlangt, heißt das nicht unbedingt, dass sie ineffizient wirtschaftet. Zusatzbeiträge sind vielmehr ein Ergebnis des Gesundheitsfonds, der die Beitragseinnahmen aller Kassen einzieht und nach einem komplizierten Verfahren umverteilt. Das System ist umstritten: "Einzelne Krankenkassen schwimmen im Geld und können Zusatzleistungen bei gleichzeitig unterdurchschnittlichen Beiträgen anbieten", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml im Dezember. Krankenkassen mit Versicherten in Hochlohn- und Hochpreisregionen seien dagegen benachteiligt.

Bis zum Jahr 2020 rechnet das Kieler Institut für Weltwirtschaft sogar mit einem Anwachsen des Zusatzbeitrags auf durchschnittlich 1,8 Prozent. Der Gesamtbeitrag läge dann bei 16,4 Prozent, 9,1 Prozent davon müssten die Arbeitnehmer tragen. Derzeit sind die Bedingungen eigentlich noch günstig, erläutert Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft im RBB Inforadio: "Die Arbeitsmarktlage ist sehr, sehr positiv. Die Beschäftigung entwickelt sich glänzend, ebenso die Beitragseinnahmen. Und zugleich wird der Bundeszuschuss in den Gesundheitsfonds im kommenden Jahr erhöht."

Arbeitnehmer tragen die Last

An mangelnden Einnahmen kann die Beitragsentwicklung also nicht liegen. Es ist vielmehr die Ausgabenseite, die Anlass zur Besorgnis gibt: Teure Medikamente und eine höhere Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen schlagen zu Buche, der größte Preistreiber ist aber die demografische Entwicklung: Die Lebenserwartung steigt, doch je älter die Menschen werden, desto höher sind auch ihre Gesundheitskosten. Nun erreichen die Babyboomer-Jahrgänge das Rentenalter, was die Situation noch verschärfen dürfte. Noch können viele Kassen die Beiträge durch Rücklagen puffern, doch wenn die verbraucht sind, werden wohl auch die bisher günstigen Kassen dem Preisdruck nicht  mehr widerstehen können.    

Inzwischen mehren sich deshalb die Stimmen, die eine paritätische Aufteilung fordern. Auf Druck der CDU wurde der Arbeitgeberbeitrag Anfang 2015 bei 7,3 Prozent des Bruttolohns eingefroren, um die Lohnnebenkosten konstant zu halten. Nun wollen SPD, Grüne und Linke im Bundestag auch die Arbeitgeber am Zusatzbeitrag beteiligen. Auch der Arbeitnehmerflügel befürwortet eine gleichmäßige Verteilung.

Quelle: n-tv.de

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