Ratgeber
Wer sein Rad weit oben anschließt, bietet weniger Auflagenfläche für Bolzenschneider und anderes Werkzeug.
Wer sein Rad weit oben anschließt, bietet weniger Auflagenfläche für Bolzenschneider und anderes Werkzeug.(Foto: imago/Olaf Döring)
Mittwoch, 26. Juli 2017

Viele Falt-Modelle versagen: Diese Schlösser lassen Diebe verzweifeln

Faltschlösser nach dem Zollstock-Prinzip sind beliebt, weil sie handlich, flexibel und ziemlich leicht sind. Doch leider oft auch leicht aufzubrechen, wie sich im Test herausstellt. Wer eine sichere und leichte Alternative sucht, wird bei den Bügelschlössern fündig.

Das neue Fahrrad: schön, schnell und leicht. Die Crux: Um langfristig daran Freude zu haben, braucht der Käufer ein gutes Schloss. Und das ist leider nicht in Leichtbauweise zu haben. Diese alte Erkenntnis bestätigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Von 20 Schlössern konnten nur fünf überzeugen, vier davon brachten mehr als 1,5 Kilogramm auf die Waage. Alle Kandidaten mit weniger als einem Kilogramm Gewicht fielen durch.     

Im Test wurden die Schlösser mit mehreren Werkzeugen bearbeitet. Außerdem mussten sie den Aufbruchsversuchen eines Lockpicking-Experten standhalten. Drei Minuten hatten die Prüfpersonen für jeden Versuch - je länger sie brauchten, desto besser die Bewertung. Unknackbar ist kein Schloss, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Mit ausreichend Zeit und in einer gut ausgestatteten Werkstatt bekommen Fahrraddiebe alles auf. Umso wichtiger ist es, das Rad stets an einem festen Gegenstand zu befestigen, damit es nicht einfach weggetragen werden kann.

Bei Bügelschlössern ist das nicht so einfach. Sie passen um Fahrradständer und oft auch Straßenschilder, aber beispielsweise nicht um dicke Baumstämme. Trotzdem sind sie für die Tester erste Wahl. Drei von sechs geprüften Modelle schnitten bei der Aufbruchssicherheit "sehr gut" ab, zwei immerhin "gut". Empfehlenswert und günstig war das BTwin 920 des Sportartikelhändlers Decathlon für 30 Euro. Die Testsieger von Trelock und Kryptonite waren mehr als doppelt so teuer, aber auch etwas besser in der Handhabung. Ein Tipp für Radfahrer, die Gewicht sparen möchten, ist das Granit Plus 640 von Abus. Es bietet "gute" Aufbruchssicherheit und wiegt nur ein Kilo. Das Prophete-Modell im Test verdankt seine schlanken 1,2 Kilo vor allem dem Einsatz von viel Kunststoff um den dünnen Metallkern. Dem Bolzenschneider bot es wenig Widerstand.

Gewichtig und sicher

Wer sein Rad nicht nur sicher, sondern auch flexibel abschließen möchte, sollte sich bei den Kettenschlössern umsehen. "Sehr gut" waren neben dem teuren Abus Granit City-Chain X Plus auch das Axa Linq 100 und das PowerLoc von Contec. Die letzten beiden fielen allerdings durch den Schadstoff-Test und wurden deshalb auf "mangelhaft" abgewertet. Auf viele Radfahrer dürfte auch das Gewicht von weit über 2,5 Kilo abschreckend wirken.

Auch Panzerkabelschlösser bieten viele Möglichkeiten, das Rad anzuketten. Mit ihrer dicken Stahl-Ummantelung machen sie einen robusten Eindruck, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Nicht einmal das Abus-Granit-Modell für über 100 Euro kam bei der Aufbruchssicherheit über ein "befriedigend" hinaus.

Noch verheerender war das Bild bei den Faltschlössern, die nach dem Zollstock-Prinzip funktionieren. Vier von fünf Modellen im Test erwiesen sich bei den Aufbruchversuchen als mangelhaft, nur das Axa Toucan kam "befriedigend" davon. Die Leichtbau-Schlösser von Fischer und Prophete mit ihren jeweils 700 Gramm ließen sich sogar dann problemlos mit dem Bolzenschneider öffnen, wenn dieser keine Auflagefläche auf dem Boden oder Fahrrad hatte. Wer ein sicheres Faltschloss sucht, sollte sich an das Abus Bordo Granit X Plus halten, empfehlen die Warentester. Beim letzten Test vor zwei Jahren schnitt es "gut" ab. Inzwischen ist es oft auch weit unter den empfohlenen 130 Euro zu haben.

Am besten zwei Schlösser nehmen

Will man den Dieben gründlich die Suppe versalzen, sichert man sein Rad am besten mit zwei verschiedenen Schlössern unterschiedlicher Fabrikate. Das müssen dann auch nicht einmal die besten Modelle sein. Oft haben die Aufbrecher nämlich nur eine Art von Werkzeug dabei, Lockpicker sind meist auf einen Hersteller spezialisiert. Außerdem sollten die Schlösser laut Warentest möglichst weit oben am Rahmen angebracht werden, denn Langfinger hantieren gern am Boden. Dort können sie ihre Werkzeuge abstützen und besser in Deckung gehen.

Wer sich nicht nur aufs Schloss verlassen will, lässt sein Rad zusätzlich von der Polizei codieren. Mit dem Code lässt sich ganz einfach herausfinden, wer der Eigentümer eines Rades ist. Das macht den Weiterverkauf deutlich schwerer. Die Aufklärungsquoten bei Fahrraddiebstahl liegen in vielen Städten zwar nur im einstelligen Prozentbereich. Doch falls das Rad irgendwann wieder auftaucht, kann man so wenigstens hoffen, dass es leichter wieder zum Besitzer zurückfindet.  

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen