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Dienstag, 15. Dezember 2015

Festgeld anlegen: Diesen Banken kann man trauen

1,75 Prozent für einjähriges Festgeld? Besser geht's derzeit nicht. Trotzdem sollten Anleger genau überlegen, ob sie ihr Geld zur kroatischen Banka Kovanica tragen wollen. Die Stiftung Warentest kennt die Stolperfallen bei Zinsschnäppchen im Ausland.

Aus 10.000 Euro können in einem Jahr 10.175 Euro werden - oder auch nur 10.010 Euro, je nachdem, welcher Bank man sein Geld anvertraut. Institute an der Spitze der Zinstabelle garantieren für einjähriges Festgeld derzeit zwischen 1,60 und 1,75 Prozent. Trotzdem ist es nicht unbedingt eine gute Idee, sein Geld hierhin zu tragen. Denn die besten Zinsen helfen wenig, wenn man im Falle einer Bankenpleite um seine Ersparnisse bangen muss. Im aktuellen Festgeld-Ranking der Stiftung Warentest kommen Angebote aus Ländern wie Portugal, Tschechien oder Kroatien trotz guter Zinsen nicht gut weg.

Gute Zinsen findet man nicht unbedingt bei der Hausbank.
Gute Zinsen findet man nicht unbedingt bei der Hausbank.(Foto: imago stock&people)

Theoretisch ist das Risiko für Kleinanleger sehr überschaubar. Für Länder innerhalb der EU gelten die europäischen Vorschriften zur Einlagensicherung. Bis zu 100.000 Euro pro Kunde sind im Falle einer Bankenpleite durch die nationale Einlagensicherung garantiert. Das Geld sollte innerhalb von 20 Tagen ausgezahlt werden. Inwieweit das auch in der Praxis funktionieren würde, ist ungewiss. Notfalls müsste der Staat einspringen. "Bei Ländern mit geringer Wirtschaftskraft und schwacher Einlagensicherung droht dann eine langwierige Zitterpartie", warnt "Finanztest" und rät, grundsätzlich nur bei Banken aus Ländern mit Top-Ratings zu investieren. Das sind neben Deutschland und Österreich auch die Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg und Schweden.

Skeptisch sind die Finanztester dagegen bei EU-Staaten, die keine Top-Noten für ihre Wirtschaftskraft bekommen: Bulgarien, Estland, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Malta, Polen, Portugal und Tschechien. Angebote aus diesen Ländern stehen beim Zinsvergleich derzeit an der Spitze. 1,75 Prozent bietet beispielsweise die kroatische Banka Kovanica für zwölfmonatige Einlagen ab 10.000 Euro. Angebote mit 1,60 Prozent kommen von der tschechischen J&T Banka, der portugiesischen Atlantica Europa und der Bulgarian-American Credit Bank AD.

Diese Faktoren schmälern die Rendite

Die Letztgenannten fallen auch aus einem anderen Grund durchs "Finanztest"-Raster: Bei längerfristigen Anlagezeiträumen werden die Zinsen erst am Ende der Laufzeit gesammelt ausgezahlt. Das kann steuerlich ungünstig sein. Legt man beispielsweise 50.000 Euro für zwei Jahre fest, kommt man bei Atlantico auf 908 Euro Zinsen. Der Sparerfreibetrag liegt aber nur bei 801 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, wird mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt. Einige Banken schmälern zudem durch die Art der Zinsverrechnung den Ertrag von mehrjährigen Anlagen. Wenn Zinsen nicht am Ende des Jahres gutgeschrieben werden sondern erst zum Ende der Laufzeit, entfällt der Zinseszins-Effekt. Bei der Bulgarian-American Credit Bank etwas ergeben sich bei 50.000 Euro auf zwei Jahre schon 17 Euro Unterschied. In Polen, Bulgarien und Lettland bringt die Quellensteuer zusätzlichen Aufwand für Sparer. Die einbehaltenen Zinsen muss man sich über die Steuererklärung zurückholen und nicht immer bekommt man sie komplett zurück.  

Es geht auch gut und sicher

Anleger, die es gern unkompliziert und sicher mögen, müssen nicht im Niedrigzinstal darben. Für einjähriges Festgeld empfiehlt sich beispielsweise die britische Firstsave Euro. Sie verzinst Beträge zwischen 5000 und 100.000 Euro mit 1,5 Prozent. Der Abschluss ist über die Zinsplattform Weltsparen.de möglich, die Konten in Ländern verwaltet, die so sonst schwer für Ausländer zugänglich sind. Ein Währungsrisiko trägt der Kunde nicht, denn das Konto wird in Euro geführt. Bei der Credit Agricole kann man sich den kleinen Umweg sparen, hier kann man sich auf der deutschen Website 1,3 Prozent fürs Festgeld sichern.    

Wem solche Erträge zu mager sind, der muss sich länger binden. 1,7 Prozent bietet die französische Großbank bei dreijähriger Laufzeit, 1,8 Prozent bei vierjähriger. Besser ist auf lange Sicht nur die VTB Direktbank. Die österreichische Tochter der russischen VTB Bank zahlt bei vier Jahren 1,9 Prozent, und das sogar auf Summen bis zu 10.000.000 Euro. Wer in die Verlegenheit kommt, so viel Geld anlegen zu müssen, sollte dennoch lieber streuen. Über die österreichische Einlagensicherung sind nur 100.000 Euro garantiert.  

Bei höheren Anlagebeträgen empfiehlt  "Finanztest" eine "Treppenstrategie". Statt die komplette Summe auf einem Konto festzulegen, verteilt man sie auf Konten mit verschiedenen Laufzeiten. So bleibt man einigermaßen beweglich, wenn sich die Zinsen weiter aufwärts entwickeln.

Tagesgeld: Erst Top, dann hop

Volle Flexibilität sichert man sich nur über ein Tagesgeldkonto. Nennenswerte Zinsen findet man nur online, bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Filialbanken dümpeln die Zinsen oft bei unter 0,1 Prozent. Um die ein Prozent sind derzeit ohne weiteres drin, Volkswagen Bank und Audi Bank werben derzeit sogar mit 1,25 Prozent um neue Kunden. Das Problem hier: nach vier Monaten sackt der Zins auf magere 0,3 Prozent ab. Ähnlich verhält es sich bei der Wüsenrot direct, bei der es von  1,11 Prozent auf 0,15 Prozent runtergeht.

Gute Angebote ohne Befristung kommen derzeit beispielsweise von der Yapi Kredit und der Leaseplan Bank aus den Niederlanden mit 1,0 bzw. 1,05 Prozent. Am empfehlenswertesten ist aber vielleicht die Renault Bank direkt. Sie zahlt in den ersten drei Monaten sogar 1,1 Prozent und danach immer noch 1,0 Prozent. In den letzten zwei Jahren gehörte die französische Autobank immer zu den Top-Anbietern im Ranking, Sparer dürfen also hoffen, dass die Zinsen hier so bald nicht in den Keller rauschen. Weitere Anbieter, die sich konstant oben halten, sind unter anderem Cosmos Direkt, NIBC Direct und MoneYou. Für alle, die nicht alle paar Monate das Konto wechseln wollen, dürften diese Banken eine gute Alternative sein.   

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Quelle: n-tv.de

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