Ratgeber

Kfz-Versicherung wechselnDieses Jahr wird's interessant

29.10.2011, 06:26 Uhr
imagevon Isabell Noé

Die Autoversicherung kann man nur einmal im Jahr wechseln, und das auch nur zu einem bestimmten Datum: Bis zum 30. November muss die Kündigung beim bisherigen Versicherer einlaufen. Die Wahl des neuen Anbieters könnte in diesem Jahr aber komplizierter werden: Einige Gesellschaften haben ihr Rabattsystem umgestellt.

Mit Kfz-Policen verdienen die wenigsten Versicherer Geld. Im Gegenteil: Im letzten Jahr lag die Schadenquote in der Haftpflicht bei knapp 104 Prozent, das heißt, die Versicherungen mussten mehr Schäden regulieren als sie durch Beiträge eingenommen haben. In der Vollkaskoversicherung lief es letztes Jahr auf ein Nullsummenspiel heraus, einzig die Teilkasko bescherte den Versicherungen Gewinne. Neu ist das alles nicht. Schon vor 30 Jahren brachte die Kfz-Sparte den Versicherern kaum Erträge – aber dafür neue Kunden. Weil jeder, der ein Auto hat, auch eine Autoversicherung braucht, gilt eine günstige Kfz-Police immer noch als beste Werbemaßnahme.

Dass der Trend zum "immer billiger" seine Grenzen hat, zeigte im Sommer 2010 die Pleite der Ineas-Versicherung. Und tatsächlich scheint sich die Preisschraube in diesem Jahr zumindest nicht noch weiter abwärts zu drehen. Eine Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" zeigt im Marktdurchschnitt eine Erhöhung von 3 bis 4 Prozent. Die betrifft aber nicht alle Versicherten gleichermaßen. Es sind vor allem die "schlechten Risiken", die bei einigen Gesellschaften stärker zur Kasse gebeten werden, etwa Vielfahrer oder Familien mit Kindern im führerscheinfähigen Alter. Doch auch für sie lohnt sich alle Jahre wieder der Preisvergleich.

Lohnt sich der Aufwand?

Denn nachdem die Versicherer – auch anhand neuer Typ- und Regionalklassen - ihre Tarife neu berechnet haben, können sich die Kunden wie jedes Jahr neu entscheiden: Bleiben oder gehen? Ende Dezember läuft das reguläre Versicherungsjahr ab, bis zum 30. November muss die Kündigung bei der Versicherung eintreffen, ansonsten verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr. Früher raus kommt man nur bei einem Schaden, wenn die Versicherung unterjährig die Beiträge erhöht oder natürlich dann, wenn man den Wagen abmeldet.

Einen neuen Vertrag muss man zum Kündigungszeitpunkt noch nicht unterschrieben haben, dafür bleibt bis Ende des Jahres Zeit. Man sollte sich aber zumindest vergewissert haben, dass es überhaupt günstigere Anbieter gibt. Das ist in aller Regel aber der Fall, wie auch "Finanztest" festgestellt hat: Zwischen günstigstem und teuerstem Angebot liegen immer mehrere hundert Euro, auch wer preislich bisher im Mittelfeld liegt, hat also noch deutlich Spielraum. Zumal Bestandskunden nicht selten mehr bezahlen als Neukunden.

Rabatte werden neu geordnet

Für Verwirrung beim Wechsel könnte allerdings die neue Rabattstaffel sorgen, die einige Anbieter zum nächsten Jahr einführen. Bis jetzt war Schadenfreiheitsklasse (SF) 25 das höchste, was Autohalter mit langjähriger Unfallfreiheit herausfahren konnten. Bei den meisten Versicherungen entspricht das 30 Prozent des Grundbeitrags. Die neue Staffel sieht nun als Optimum SF 35 vor, was auf 20 bis 25 Prozent des Grundbeitrags hinausläuft. Der Rabattretter, mit dem Fahrer im Schadensfall ihre hohe SF-Klasse erhalten können, ist im neuen System allerdings nicht mehr vorgesehen.

Fahranfänger starten regulär in SF-Klasse 0, was laut alter Regelung einem Prämiensatz von 230 Prozent entspricht. Laut neuer Staffel liegt die Einstiegsbasis bei nur noch 95 Prozent. Davon dürften viele Versicherungs-Neulinge profitieren. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Versicherung für alle günstiger wird. Schließlich beziehen sich all die Prozentzahlen auf eine fixe Größe: den Grundbeitrag. Fällt der entsprechend höher aus, nutzen die besseren Rabatte auch nichts. Das neue Rabattsystem macht den Vergleich schwieriger, ist aber auch noch nicht sehr weit verbreitet. Bisher haben aber erst wenige Anbieter auf die neue Staffel gewechselt: Neben Allianz und HUK-Coburg beispielsweise die Itzehoer, AdmiralDirekt, die ÖSA und die VGH.

Einige Gesellschaften sind "Finanztest" durch ihr solides Preis-Leistungs-Verhältnis aufgefallen. Vor allem die Direktversicherer glänzen: Direct Line und HDI Direkt schnitten beispielsweise sowohl bei der reinen Haftpflicht als auch bei Kaskotarifen gut ab, günstigen Haftpflichtschutz gibt es außerdem bei OVAG und deutsche internet. Einen ausführlichen Vergleich sollte man trotzdem wagen – vielleicht stellt sich der bisherige Tarif ja auch als die beste Variante heraus.

Autoversicherungen im Vergleich