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"Wir haben viel dazugelernt": E-Postbrief läuft schleppend an

Eineinhalb Jahre nach der Einführung des E-Postbriefs fällt die Zwischenbilanz ziemlich ernüchternd aus. Offenbar ist es schwieriger als erwartet, den Bürgern klarzumachen, was den virtuellen Brief von einer gewöhnlichen E-Mail unterscheidet - und warum sie dafür 55 Cent bezahlen sollen.

Wer E-Post-Briefe senden und empfangen will, muss sich erst registrieren.
Wer E-Post-Briefe senden und empfangen will, muss sich erst registrieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Sommer 2010 startete die Deutsche Post ihren E-Postbrief. Für 55 Cent sollen Bürger und Behörden elektronische Nachrichten verschicken können, laut Eigenwerbung "genauso verbindlich, vertraulich und verlässlich" wie ein Brief aus Papier. Der Dienst läuft allerdings nur schleppend an. "Wir haben am Anfang gesagt, dass es etwa drei bis fünf Jahre benötigt", sagte der Brief-Vorstand der Deutschen Post, Jürgen Gerdes, der "Financial Times Deutschland". Es könnten aber auch sechs Jahre werden, bis sich der Online-Brief durchsetze. Die Umsetzung eines solch anspruchsvollen Projektes gehe nicht schneller.

Bislang seien "einige Millionen" der sogenannten E-Postbriefe zugestellt worden, sagte Gerdes der Zeitung. Briefe auf Papier befördert die Post werktäglich rund 66 Millionen Stück. Die Menge sei jedoch im Moment nicht entscheidend, sagte Gerdes. Bislang nutzten rund einhundert Großkunden den Online-Briefservice und etwa 4000 mittelständische Unternehmen.

Die Post habe seit dem Projektstart viel dazugelernt, sagte Gerdes. Beim Online-Brief gehe es nicht nur um sicheren Versand. Als Anbieter müsse die Post darüber hinaus noch viele weitere Anforderungen der Kunden erfüllen, die Technik müsse weiterentwickelt werden. Im zweiten Halbjahr solle das E-Postbrief-Portal um eine Online-Bezahlfunktion erweitert werden. Schon in der ersten Jahreshälfte soll die Plattform demnach auch eine einfache Identitäts-Prüfung ermöglichen.

Weniger Briefe verschickt

Die Deutsche Post hat den E-Postbrief vor gut eineinhalb Jahren eingeführt, weil das traditionelle Geschäft mit Briefen auf Papier seit Jahren schrumpft. Statt herkömmlicher Briefe werden immer mehr E-Mails geschrieben. Bei unverschlüsselten E-Mails ist jedoch die Vertraulichkeit nicht gewährleistet, worin die Post die Chance ihres Online-Briefes sieht. Dieser wird verschlüsselt über das Internet übertragen. Zudem soll der Online-Brief mehr Verbindlichkeit gewährleisten, weil Empfänger und Absender immer genau wissen, mit wem sie kommunizieren.

Während die Post noch versucht, potenzielle Kunden vom Sinn des E-Postbriefs zu überzeugen, bekommt sie demnächst auch noch Konkurrenz: Die Deutsche Telekom und United Internet arbeiten an De-Mail-zertifizierten Diensten, die demnächst erscheinen sollen.

Quelle: n-tv.de

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