Ratgeber
Donnerstag, 01. November 2007

Beratung bei der Geldanlage: EU-Richtlinie MIFID in Kraft

Kostenkontrolle und detaillierte Fragebögen - darauf können sich europäische Anleger ab heute einstellen. Mit der EU-Richtlinie MIFID will Brüssel Anlegern helfen, sich besser im Investmentdschungel zurechtzufinden.

Doch statt mehr Transparenz und Schutz befürchten Experten, dass Auskunftspflichten für Banken und Anleger noch mehr Bürokratie nach sich ziehen. Einige Experten sprechen von einer Entmündigung des Anlegers, der in Zukunft umfangreich über seine Vorkenntnisse Auskunft erteilen muss, bevor ihm ein Finanzprodukt verkauft wird.

Ziele der Richtlinie MIFID - "Markets in Financial Instruments Directive" - sind mehr Schutz für den Anleger und ein stärkerer Wettbewerb. Vor allem soll sie Anlegern mehr Transparenz bringen. In Deutschland sollen die Regelungen zum 1. November in Kraft treten.

Mit Hilfe der MIFID sollen professionelle Investoren, aber auch Kleinanleger über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus leichter investieren können, denn die Wettbewerbsbedingungen sollen angeglichen werden. So sollen bei der Auswahl von Anlagen künftig Einkommen, Beruf und Bildung der Kunden berücksichtigt werden. Den Finanzhäusern kommen umfassende Informations- und Warnpflichten zu.

Haftungsansprüche bei Falschberatung

Außerdem werden Anbieter verpflichtet, Interessenkonflikte, Gebühren und Provisionen offen zu legen. Berater müssen sich künftig einen umfassenden Eindruck von der Situation des Kunden verschaffen - Haftungsansprüche bei Falschberatung sollen so leichter nachweisbar werden. Bei den Erkundigungspflichten muss der Privatanleger viel über sich preisgeben, um überhaupt Anlageberatung in Anspruch nehmen zu können. Die MIFID hat das Ziel, dem Kunden eine eigenständige Entscheidung auf informierter Grundlage zu ermöglichen.

Kritisiert wird auch die Ungleichbehandlung der verschiedenen Anlageformen: So sind geschlossene Fonds von der Richtlinie ausgenommen. Besonders im Visier hat Brüssel dagegen die als undurchsichtig geltenden Hedge-Fonds und Zertifikate. "Die Herausnahme von geschlossenen Fonds ist sicher nicht im Interesse des Anlegerschutzes", sagt Finanzexperte Peter König vom Berufsverband der Investment Professionals DVFA in Dreieich bei Offenbach.

Beweislast beim Anleger

Auch mit MIFID gilt weiterhin: Wenn der Anleger sich falsch beraten fühlt, muss er das beweisen. Das ist nach Einschätzung von Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, ein Makel im Konzept. Einen Protokollzwang bei der Wertpapierberatung wird es durch MIFID nicht geben.

Dennoch bringt die MIFID auch Vorteile: Die Berater sind verpflichtet, nachweisbar die Order des Kunden am günstigsten Handelsplatz abzuwickeln. Außerdem werden die Wertpapierfirmen zur kundengünstigsten Auftragsausführung verpflichtet. Auch die Offenlegung von Provisionen dürfte auf breite Zustimmung stoßen.

Quelle: n-tv.de

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