ReingelegtFettnäpfchen für Verbraucher
Wenn Rechnungen von unbekannten Absendern ins Haus flattern, kann man schon mal stutzig werden. Einfach ignorieren ist allerdings der falsche Weg.
Stellen sie sich vor, Sie öffnen ahnungslos ihren Briefkasten und darin befindet sich eine Rechnung von einem dubiosen Anbieter. Er fordert von Ihnen die sofortige Überweisung eines Betrages. Sie sind irritiert und beginnen zu zweifeln: Sollte ich vielleicht einfach zahlen? Doch genau darauf spekulieren viele halbseidene Unternehmen.
Rechnungen flattern bei der Familie Schmitz wie am Fließband in den Briefkasten. Dabei wollte Sohn Felix eigentlich nur ein kostenloses Programm im Internet herunterladen. Bei der Anmeldung stand noch "alles kostenlos" - da zögerte Felix nicht mehr lange.
Verbraucherschützerin Iwona Gromek kennt diese Fälle: "Man geht auf eine Internetseite und denkt, man könne ein kostenloses Programm runterladen oder eine kostenlose Dienstleistung in Anspruch nehmen. Kurze Zeit später flattert ein Brief ins Haus, dass man einen 24-Monatsvertrag abgeschlossen hat." Doch zahlen muss Felix Schmitz nicht. Denn erstens ist er minderjährig und generell gilt: Wenn beim Runterladen des Programms nicht eindeutig klar wird, dass es sich um ein kostenpflichtiges Angebot handelt, kommt kein Vertrag zustande. Wird trotzdem eine Rechnung geschickt, kann der Vertrag innerhalb von zwei Wochen schriftlich gekündigt werden. Das hat auch Familie Schmitz gemacht und reagiert auf weitere Briefe nicht mehr.
Das Gratisangebot
Christiane Nivelstein versuchte ihr Glück und machte bei einem angeblich kostenlosen Preisausschreiben im Internet mit. Der Anbieter fragte viele private Daten ab und Christiane Nivelsteine gab diese freiwillig preis. Prompt erhielt sie eine Rechnung des Gewinnspielanbieters. "Das sind diese typischen Internetabzocke-Fälle. Der Kunde wird ganz bewusst mit einem vermeintlichen Gratisangebot gelockt. Hier gilt: Wenn ich glaube, dass der Vertrag kostenlos ist und ich wurde nicht prägnant darüber informiert, dass es doch was kostet, kommt auch kein kostenpflichtiger Vertrag zustande", erklärt Gromek. Christiane Nivelstein ließ sich ausführlich in der Verbraucherzantrale beraten und legte Einspruch gegen die Rechnung ein.
Die Inkasso-Drohung
Als bei der 100-jährigen Anni Nipp Rechnungen für Schönheitsmittelchen ins Haus flatterten, war sie sich sicher: Hier will mich jemand abzocken. "Hörn se mal: Mit 100 Jahren helfen mir doch keine Schönheitsmittel mehr", empört sich die alte Dame. Sie ignorierte die Rechnungen und erhielt daraufhin Post von einem Inkasso-Unternehmen, das eingeschaltet wurde, um Geld einzutreiben. "Das Inkasso-Büro schickt in diesen Abzocke-Fällen ganz gehäuft Rechnungen und Mahnungen, um den Druck auf den Nutzer zu erhöhen", schildert Gromek die Vorgehensweise.
Anni Nipp erhob keinen Widerspruch gegen die zahlreichen Mahnungen des Inkasso- Unternehmens. "Wenn man einen Mahnbescheid gegen sich wirksam werden lässt, dann kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass man den Betrag tatsächlich zahlen muss, denn es wird nicht überprüft, ob diese Forderung zu Recht besteht", so Gromek. Hier sollte man also auf der Hut sein und den Forderungen gegenüber dem Inkassobüro oder dem Rechnungsversender schriftlich widersprechen.
Bei Anni Nipp hat sich nun das Gericht gemeldet und sie muss den Betrag von inzwischen 230 Euro wohl zahlen. Sonst droht der Besuch vom Gerichtsvollzieher. Dank ihres hohen Alters nimmt sie die Ankündigung gelassen: "Ich sag immer, warten sie doch, bis ich tot bin, dann können sie pfänden, was sie wollen."
Fazit
Die Tricks, mit denen Verbraucher abgezockt werden sollen, werden immer vielfältiger und undurchsichtiger. Sollte man selbst einmal unseriöse Rechnungen erhalten, empfiehlt Verbraucherschützerin Iwonna Gromek, auf die Rechnung zu reagieren und dem Absender mitzuteilen, dass man diese nicht bereit ist zu zahlen, da kein Vertrag zustande gekommen ist. Wenn dann weitere Mahnungen ins Haus flattern, muss man Widerspruch einlegen, wenn das Gericht sich meldet. Generell sollte man mit seinen persönlichen Daten sparsam umgehen.