Ratgeber

Neue Rentenversicherungen: Finger weg von diesen Policen

Die klassische Rentenversicherung lohnt sich kaum noch. Mit Indexpolicen und Versicherungen ohne festen Garantiezins versucht die Branche, das wegbrechende Geschäft zu kompensieren. "Öko-Test" hat sich die Angebote angesehen, das Urteil ist vernichtend.

In Zeiten von Magerzinsen fürs Alter vorzusorgen, ist kein leichtes Unterfangen.
In Zeiten von Magerzinsen fürs Alter vorzusorgen, ist kein leichtes Unterfangen.(Foto: imago/Westend61)

Die klassische Rentenversicherung hat ein Problem: Sie rechnet sich kaum noch, weder für die Kunden noch für die Versicherer. Die reagieren, indem sie neue, flexiblere Versicherungsprodukte auf den Markt werfen. Sie sollen deutlich höhere Ertragschancen bieten als die klassischen Rentenpolicen. Doch laut einer Analyse des "Öko-Test"-Magazins nutzen die neuen Produkte vor allem den Anbietern. Für die Kunden dagegen sind sie vor allem eins: undurchsichtig.

Beliebt bei den Vertrieblern sind vor allem Indexpolicen, 21 dieser Tarife hat "Öko-Test" in jeweils zwei Modellfällen unter die Lupe genommen. Außerdem im Test: 20 neue Klassiktarife, deren Garantieleistungen während der Laufzeit verändert werden können. Das Urteil fällt - gerade bei den Indexpolicen - vernichtend aus: "Übelste Verbrauchertäuschung" wirft das Magazin den Versicherern vor, gerade mal vier Tarife gehen als akzeptabel durch.  

Schwer durchschaubare Indexpolicen

Mit Indexpolicen sollen die Kunden quasi ohne Risiko von positiven Börsenentwicklungen profitieren. Wer bei dem Namen jedoch erwartet, dass die Beiträge einfach in Indexzertifikate oder Indexfonds investiert werden, der wird getäuscht. Wie bei der konventionellen Rentenversicherung, fließt das Geld zunächst in Bundesanleihen und andere sichere, aber auch wenig ertragreiche Anlageformen. Nur die Überschüsse, die dort erwirtschaftet werden – und das sind bekanntlich immer weniger -, können zur sogenannten "Indexpartizipation" eingesetzt werden. Allerdings nicht direkt, sondern über den Umweg von außerbörslichen Optionsgeschäften, also schwer durchschaubaren Finanzderivaten. Was und wie da investiert werde, bleibe komplett im Dunkeln, kritisiert "Öko-Test".

Damit nicht genug: Die Erträge aus den Optionsgeschäften werden durch einen sogenannten "Cap" gedeckelt. Je niedriger die zur Verfügung stehende Überschussbeteiligung ist, desto niedriger ist auch der Cap. Die möglichen Verluste werden dagegen komplett an die Kunden weitergereicht. Unterm Strich könne das Auf und Ab an den Börsen dazu führen, dass vom Indexertrag nichts für die Kunden übrig bleibe, warnt das Magazin. Sprich: Es besteht die Gefahr, dass die Überschussbeteiligung draufgeht.

Überdies wälzen die Versicherer auch das Kontrahentenrisiko auf die Kunden ab: Die Optionsgeschäfte laufen meist über Investmentbanken. Geht eine von ihnen Pleite, sind die Optionen wertlos, die Indexbeteiligung fällt flach.

"Aufs Übelste getäuscht"

Die Indexpolicen werden dennoch als sichere Geldanlagen beworben, bei denen die Anleger vor Verlusten geschützt seien. Tatsächlich ist im besten Fall der Kapitalerhalt gesichert, also die eingezahlten Beiträge ohne Zinsen. Selbst wenn die Inflationsrate weiterhin nur bei 0,3 Prozent läge, wäre das für einen heute 30-Jährigen ein Kaufkraftverlust von über zehn Prozent. Er müsste schon über 90 Jahre alt werden, damit er über die garantierte Mindestrente sein Geld wieder herausbekommt. Nur die LV von 1871 Liechtenstein sichert Anlegern eine Mindestverzinsung zu. Der Tarif ist einer der wenigen, der mit einem "3. Rang" bewertet wurde, dem "Öko-Test"-Äquivalent zum "Befriedigend". Beim 55-jährigen Musterkunden wurden außerdem die Tarife von Condor, R+V und Stuttgarter als annehmbar erachtet.           

Im Schnitt liege die garantierte Mindestrente bei den Indexpolicen aber noch 25 Prozent unter der von klassischen Rentenpolicen, bilanziert "Öko-Test". Dazu kommt dann natürlich gegebenenfalls noch der Index-Anteil, doch wegen der intransparenten Anlagestrategie können Kunden ihre Hoffnungen hier keineswegs auf Indexentwicklungen der Vergangenheit stützen. "Die Verbraucher werden über die Ertragschancen bei diesen Policen auf das Übelste getäuscht", sagt Axel Kleinlein, der Vorstand des Bundes der Versicherten.

Klassik-Tarife mit flexiblen Garantien

Ein bisschen besser, aber keineswegs gut, ist das "Öko-Test"-Urteil über die neuen Klassik-Tarife. Anders als bei den konventionellen Rentenversicherungen gibt es hier keinen einheitlichen Garantiezins über die gesamte Laufzeit mehr. Oft  kann die Garantie selbst zu Rentenbeginn neu kalkuliert werden. Das gestiegene Risiko soll mit höheren Ertragschancen kompensiert werden. Dafür legen die Versicherer in börsennotierten Fonds an, insbesondere in Indexfonds. Auch hier seien die Renditeaussichten kaum abzuschätzen, so "Öko-Test". Aber anders als bei den Indexpolicen sei die Anlage hier wenigstens durchschaubar.  

Die prognostizierten Renten der Versicherer lösten bei den Testern allerdings keine Begeisterungsstürme aus. Beim 30-jährigen Beispielkunden lag die mögliche Rente im Schnitt gerade mal zwei Euro im Monat über der von herkömmlichen Klassiktarifen. Die garantierte Rente fiel dagegen um zehn Euro niedriger aus. Die Chancen auf ein kleines Plus sind also teuer erkauft. Im Test landete dann auch nur ein Tarif von der Allianz auf dem dritten Rang, und auch nur in der Beispielrechnung für einen 55-jährigen Mann. Für den jüngeren Anleger gab es keinen einzigen brauchbaren Tarif.

Einen Überblick über die getesteten Tarife gibt es unter diesem Link.        

Quelle: n-tv.de

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