Ratgeber

Mineralöl in der Tofuwurst: Fleischersatzprodukte kaum zu empfehlen

Früher hat man als Vegetarier das Fleisch einfach weggelassen. Heute gibt es in vielen Kühlregalen eigene Abteilungen für Lupinenschnitzel, Tofuwurst oder Gemüsebuletten. Doch auch wenn "bio" draufsteht, sind die noch lange nicht gesund, warnt "Öko-Test".

Vom Boom der Ersatzprodukte profitieren auch Fleischhersteller wie Rügenwalder.
Vom Boom der Ersatzprodukte profitieren auch Fleischhersteller wie Rügenwalder.(Foto: imago/epd)

Die Zeit, als Vegetarier mitleidig als Spinner mit chronischem Eisenmangel belächelt wurden, ist noch gar nicht so lange her. Restaurants mit deutscher Küche hatten als einzige fleischfreie Alternative gebackenen Camembert auf der Speisekarte und Tofu bekam man nur im Biomarkt oder im Reformhaus. Inzwischen hat sich einiges getan. Über vier Prozent der Bevölkerung leben dem Vegetarierbund Deutschland zufolge konsequent vegan, fast sechs Prozent bezeichnen sich als Flexi-Vegetarier (oder Flexitarier), also solche, die nur selten Fleisch essen. Die Lebensmittelbranche will sich diese Zielgruppe natürlich nicht entgehen lassen. Wursthersteller produzieren vegetarische Mortadella, Discounter schaffen im Kühlregal Platz für Gemüsebuletten und fleischfreies Schnitzel. Doch wer glaubt, sich mit Fleischersatzprodukten besonders gesund zu ernähren, ist auf dem Holzweg. "Öko-Test"  hat 22 vegetarische oder vegane Fleischalternativen ins Labor geschickt. Nur ein Produkt kann das Magazin empfehlen. Der Rest fiel als mangelhaft oder ungenügend durch.

Der wichtigste Kritikpunkt der Tester: gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOSH. Sie können sich im Körper anreichern und dann wohl auch die Organe schädigen. In 16 Produkten fanden sich zu hohe MOSH-Konzentrationen, in den meisten Fällen sogar stark erhöhte. Womöglich stammen die Schadstoffe aus den Kunststoffverpackungen. Mit Bio-Produkten ist man keineswegs auf der sicheren Seite. Egal, ob Edens Vegetarische Fleischwurst, die Veggie-Bratwurst von Taifun oder das Wheaty Veganbratenstück – überall  fanden sich stark erhöhte MOSH-Werte. Penny hat sehr schnell reagiert und das Naturgut Bio-Veggie-Schnitzel aus dem Regal genommen. Auch Aldi Süd hat den Druck auf seine Lieferanten erhöht. Künftig sollen keinerlei Mineralölrückstände mehr in den Lebensmitteln vorhanden sein.

Reichlich Zusatzstoffe

Im Test brachte eine starke Verunreinigung mit Mineralölen ganze vier Noten Abzug. Viele ansonsten gute oder sehr gute Produkte fielen deshalb durch. Punktabzug gab es aber auch für die Rezepturen. Um Schnitzeln, Burgern und Co den typischen Fleischgeschmack zu geben, kommt häufig viel Salz zum Einsatz. Das treibt den Blutdruck nach oben. Außerdem verwenden viele Hersteller glutamathaltigen Hefeextrakt. Bei empfindlichen Menschen kann das unter anderem für Kopfschmerzen sorgen. Dass es auch ohne geht, zeigt unter anderem der Testsieger vom Discounter: Das Gut Bio Soja-Schnitzel von Aldi-Nord schmeckt kräftig würzig, auch ohne eine Überdosis Salz oder Glutamat.

Fleischersatzprodukte gibt es auf unterschiedlicher Basis. Verbreitet sind unter anderem Tofu, das Weizeneiweiß Seitan oder Lupine, eine eiweißreiche Hülsenfrucht. Recht neu auf dem Markt ist Quorn, ein Mykoprotein, das aus Pilzkulturen gewonnen wird. Um aus diesen Grundstoffen etwas herzustellen, das in Geschmack und Konsistenz an Fleisch erinnert, sind meist viele Zusatzstoffe nötig. Gängig sind Verdickungsmittel wie Guarkernmehl, Carrageen oder modifizierte Stärke, Füllstoffe sorgen für Stabilität. Zuckerlikör und Carotin verleihen braune oder rosa Farbe, damit der Fleischersatz auch optisch etwas hermacht. Bei Bio-Produkten ist die Liste der Zusatzstoffe meistens etwas kürzer.  

Magere Wurst und fettes Schnitzel

Tatsächlich kommen einige Produkte laut "Öko-Test" den Fleischvorbildern erstaunlich nahe, zumindest im Geschmack. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Konsistenz. Oft ist die weicher und breiiger als bei echtem Fleisch. Bestes Schnitzel im Test war das erwähnte Soja-Schnitzel von Aldi-Nord, das einzige Produkt, das die Gesamtwertung "gut" erhielt. Beim Wurstersatz kamen der Vegetarische Aufschnitt von Alnatura und von Gut Bartenhof am besten weg, auch der vegetarische Schinken Spicker vorn Rügenwalder war insgesamt befriedigend. In der Hack- und Bulettenkategorie gab es am Veggie Life Power Hacksteak am wenigsten auszusetzen.

Wer sich von vegetarischer Lebensweise auch einen Gewichtsverlust verspricht, streicht Fleisch besser ersatzlos von der Speisekarte. Gerade Veggie-Schnitzel enthalten kaum weniger Fett als das Original. Nur beim Aufschnitt kann man normalerweise Kalorien sparen.   

Quelle: n-tv.de

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