Ratgeber

Immer undurchschaubarerFondsanbieter kassieren ab

08.02.2010, 14:49 Uhr

Wenn Anleger ein Viertel ihres Investments verlieren, fühlen sie sich mit Sicherheit nicht als Gewinner. Fondsgesellschaften sehen das teilweise anders und kassieren trotzdem eine Erfolgsprämie - und freuen sich über frisches Kapital.

Ausgabeaufschläge, Managementgebühren, Depotgebühren und jetzt immer häufiger auch Erfolgsgebühren – die Fondsgesellschaften streichen Geld ein, wo es nur geht. Bereits die Hälfte der in Deutschland aufgelegten Aktienfonds verlangt laut Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) inzwischen eine Erfolgsgebühr. Vor einem Jahr haben Anleger nur bei gut einem Viertel (22 Prozent) solche Kosten zahlen müssen, vor acht Jahren nur bei rund drei Prozent.

Grund für die steigenden Gebühren sei, dass viele Fondsanbieter in den vergangenen Jahren die Provisionen für Banken erhöht hätten, die ihre Fonds weiterverkauften, erklärt die SdK. Diese gestiegenen Provisionen müssten durch die Erfolgsgebühren eingespielt werden. Mit den höheren Provisionen versuchen die Fondsanbieter demnach zu erreichen, dass Bankberater verstärkt ihre Produkte verkaufen. Hintergrund der Entwicklung sei, dass Anleger immer weniger Geld in klassische Investmentfonds steckten und verstärkt auf andere Geldanlagen mit niedrigeren Gebühren setzten. Hinzu komme der wachsende Wettbewerb in der Branche.

Auf Kritik bei den Anlegerschützern stößt auch, dass ein Teil der Fonds Erfolgsgebühren verlangt, selbst wenn die Anleger wegen fallender Kurse Geld verlieren. So verlangten Fondsgesellschaften teils Gebühren, wenn ein Fonds weniger stark abstürze als ein Börsenindex, an dem er orientiert sei. Kein großer institutioneller Anleger wie etwa eine Versicherung oder eine Pensionskasse würden sich so etwas gefallen lassen, erklärte die SdK. "Beim Privatanleger kann man sich diese Abzocke offenbar leisten."

Branche freut sich über Mittelzufluss

Die deutsche Fondsbranche hingegen startet selbstbewusst ins Jahr 2010. Nach dem Einbruch 2008 verzeichnete man im vergangenen Jahr wieder knapp 52 Milliarden Euro Nettomittelzuflüsse, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) mitteilte. "Die Zuflüsse zeigen: Das Vertrauen der Anleger in die Fondsanlage ist wieder gewachsen", bilanzierte der scheidende BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld. Allerdings stammt der Löwenanteil der Zuwächse von institutionellen Anlegern. Privatleute trauen sich nur langsam wieder an die Märkte.

Bei Publikumsfonds gab es unter dem Strich nur ein Plus von 2,1 Milliarden Euro. So legten etwa Aktienfonds (plus 14,6 Milliarden Euro) stark zu, hingegen flüchteten Investoren aus Geldmarktfonds. Aus diesem Segment wurden mehr als 30 Milliarden Euro abgezogen. "Das ist ein Reflex auf die hohen Zuflüsse, die wir 2006/2007 hatten - im Zusammenhang mit den jetzt niedrigen Zinsen", erklärte Mansfeld. Geldmarktfonds investieren zum Beispiel in Termingelder und Anleihen mit sehr kurzer Laufzeit.

Insgesamt verwaltete die Branche Ende 2009 das Rekordvermögen von etwas über 1,7 Billionen Euro - knapp 200 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Aufgeholt haben Fonds auch, weil die Märkte wieder anzogen und viele Papiere wieder an Wert gewannen.

Außerdem will sich der BVI für eine bessere Vergleichbarkeit von Gebühren aller Anlageprodukte einsetzen. Neiße räumte allerdings ein: "Darauf kann man als Verband nur hinarbeiten, das liegt natürlich auch sehr stark in der Verantwortung der einzelnen Gesellschaften."

Quelle: akl/dpa/AFP