Warum erst mit 67?Früher in Rente
Die Rente mit 67 kommt. Bislang arbeiten die meisten Menschen aber nicht einmal bis 65. Doch wer früher aufhört, hat mit Abschlägen zu rechnen. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, trotzdem die volle Rente zu bekommen.
Ab 2012 geht es los. Schrittweise wird dann die Rente mit 67 eingeführt. Bislang arbeiten die Meisten nicht einmal bis 65. Doch wer früher aufhört, hat mit Abschlägen zu rechnen. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, trotzdem die volle Rente zu bekommen. Dazu gehören Regelungen wie die Altersteilzeit oder auch die immer populärer werdenden Langzeitarbeitskonten.
Normalerweise kostet jeder Monat des vorzeitigen Ruhestands den Arbeitnehmer 0,3 Prozent Abschlag auf die lebenslange Rente. Für jedes Jahr Frührente ergibt sich somit eine Minderung um 3,6 Prozent.
Sogenannte Zeitwert- oder Langzeitarbeitskonten können diesen Abschlag ausgleichen. Sie sind ein flexibles Mittel der Arbeitszeitgestaltung, das inzwischen auch von Gewerkschaftsseite grundsätzlich anerkannt wird: "Mit solchen Instrumenten kann man das Problem branchenspezifisch lösen", sagt Hartmut Klein-Schneider vom gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Institut in Düsseldorf.
Heute Zeit für später sparen
Laut einer Studie im Auftrag der Gothaer Lebensversicherung würden 84 Prozent der deutschen Arbeitnehmer gerne früher als mit 67 in Rente gehen. Allerdings verfügt nur etwa jeder Fünfte von ihnen über ein Zeitwertkonto. Es gibt unterschiedliche Modelle für solche Arbeitszeitkonten. Manche sollen nur kurzfristig Mehrarbeit ausgleichen und sind für den vorzeitigen Ausstieg aus dem Job nicht geeignet. Dafür bieten sich langfristige Zeitwertkonten an. Hier kann entweder zusätzliche Mehrarbeit, ein Teil des eigenen Gehalts oder beides auf ein Konto eingezahlt werden. "Allerdings wird es schwierig, nur mit dem Faktor Zeit genügend anzusparen, um damit später vorzeitig in Rente zu gehen", erklärt Marc Danlowski, Mitarbeiter beim Zeitbüro Nordrhein-Westfalen in Dortmund.
Auch Experte Klein-Schneider vom Hans-Böckler-Institut sieht kritische Punkte bei Zeitwertkonten. So hat eine Studie seines Instituts ergeben, dass in einem Viertel der Unternehmen mit Langzeitkonten die Guthaben der Mitarbeiter nicht gegen Insolvenz gesichert sind. Geht der Arbeitgeber pleite, kann auch das angesparte Geld des Zeitwertkontos verloren sein.
Branchen mit Altersteilzeit
Neben Langzeitarbeitskonten bietet in einigen Branchen weiterhin die Altersteilzeit eine Möglichkeit, vorzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen. Bislang hat die Bundesagentur für Arbeit dafür eine Förderung gezahlt. Diese Regelung läuft zwar Ende 2009 aus. Aber die Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie haben sich bereits auf einen Tarifvertrag geeinigt, der eine Nachfolgeregelung vorsieht.
Auch in der Chemie-Industrie wird es die Altersteilzeit weiterhin geben. Hier sind die Tarifparteien sogar noch weiter gegangen: Der Tarifvertrag "Lebensarbeitszeit und Demographie" geht über die Altersteilzeit hinaus, wie Sebastian Kautzky, Sprecher des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC), erläutert: "Alle Firmen müssen eine Demographie-Analyse bis 2009 durchführen." Ab 2010 werden die Unternehmen dann pro Tarifbeschäftigtem jährlich 300 Euro in einen firmeneigenen Demographie-Fonds einzahlen.
Mit dem so angesammelten Geld müssen die Arbeitgeber dann ein oder mehrere Instrumente zur Arbeitszeitgestaltung einrichten. Neben Langzeitarbeitskonten und Altersteilzeit sind auch die Einführung einer tariflichen Altersvorsorge, einer betrieblichen Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Teilrente möglich.