Ratgeber

Wenn der Nachlass teuer wird: Fünf Fragen zum Erben

Von Isabell Noé

Das Vermögen würde man gern übernehmen, die Schulden nur ungern. Doch beim Erben gilt das Prinzip "ganz oder gar nicht", zum Nachlass gehören auch die Verbindlichkeiten des Verstorbenen. Doch welche Schulden sind überhaupt vererbbar? Wer haftet, wenn es mehrere Erben gibt? Und was passiert, wenn niemand das Erbe antreten will?

Wenn Minderjährige erben, bekommen beide Eltern eine Ausschlagungsfrist von sechs Wochen.
Wenn Minderjährige erben, bekommen beide Eltern eine Ausschlagungsfrist von sechs Wochen.

Mietrückstände, nicht ausgeführte Schönheitsreparaturen und Räumungskosten – knapp 8000 Euro wollte ein Vermieter nun vor dem Bundesgerichthof (BGH) einklagen. Allerdings nicht von dem Mieter selbst, denn der war schon 2008 verstorben. Stattdessen sollte die Tochter als Erbin des Mannes zahlen.

Doch die Bundesrichter gaben der Frau nun recht: Erben eines verstorbenen Mieters müssen offene Forderungen des Vermieters laut dem Urteil nur soweit begleichen, wie das geerbte Vermögen dazu ausreicht. Werde der Mietvertrag innerhalb eines Monats nach dem Tod gekündigt, könne der Erbe die Haftung auf den Nachlass beschränken. Dann hafte er nicht mit seinem eigenen Vermögen.  

Genau das kann Erben in anderen Fällen aber passieren. Denn nicht jeder Nachlass macht automatisch reicher. Wer erbt, sollte sich auch mit seinen Pflichten befassen:

Erbt man immer alles oder nichts?

Die Aktienfonds und die Antiquitäten nimmt man gerne, doch leider stand der Verstorbene beim Finanzamt in der Kreide und das Auto war auch noch nicht ganz abbezahlt. Doch Erben können sich nicht nur die Rosinen herauspicken: Wer an die Vermögenswerte heranwill, der muss auch für die Schulden geradestehen. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Dabei gilt das "alles oder nichts"-Prinzip: Wenn man verzichtet, dann auf die ganze Erbschaft. Eine Teil-Ausschlagung ist nicht möglich und auch der Pflichtteil ist futsch. Um herauszufinden, ob es sich überhaupt lohnt, das Erbe anzutreten, bleibt nicht viel Zeit. Die Ausschlagungsfrist endet sechs Wochen, nachdem man vom Erbe erfahren hat.

Was passiert, wenn niemand erben will?

Wenn man das Erbe ausschlägt, dann fällt es an den Nächsten in der gesetzlichen Erbfolge: Will die Gattin nicht für die Schulden ihres verstorbenen Mannes geradestehen, sind als nächstes die Kinder und dann deren Kinder an der Reihe. Danach die Eltern und Geschwister des Verstorbenen, dann die Nichten und Neffen. Verzichten schließlich auch Onkel, Tanten und Cousins auf das Erbe, fällt der gesamte Nachlass an den Staat. Der versucht, das Hab und Gut zu Geld zu machen und tilgt mit dem Erlös - soweit möglich - die Schulden. Ist die Erbmasse aufgebraucht, gehen die Gläubiger leer aus. 

Welche Schulden sind vererbbar?

Die sogenannten "Nachlassverbindlichkeiten" lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Zum einen gibt es die Schulden, die der Verstorbene schon zu Lebzeiten hatte, die Erblasserschulden. Zum anderen gibt es die unvermeidlichen Erbfallschulden, die erst durch den Tod des Erblassers entstehen. Dazu gehören etwa die Kosten für die Beerdigung, die Testamentseröffnung oder die Nachlassverwaltung, aber auch die Erbschaftssteuer, gegebenenfalls auch Verbindlichkeiten für Pflichtteilsansprüche.

Zu den Erblasserschulden zählen etwa Verpflichtungen aus Kauf- oder Mietverträgen, Schadensersatzansprüche und natürlich auch Steuerschulden. Auch wenn der Verstorbene zu Lebzeiten Unterhalt gezahlt hat, müssen unter Umständen die Erben einspringen.

Übrigens: Für Mietverträge gilt im Todesfall ein Sonderkündigungsrecht, auch Telefonverträge lassen sich sofort stilllegen. Die Krankenversicherung endet automatisch mit dem Tod, das Gleiche gilt für die Haftpflichtpolice, sofern keine anderen Personen mitversichert sind. Autoversicherungen gehen hingegen auf die Erben über. Bei Abos für Zeitungen oder Fernsehsender gibt es kein gesetzliches Kündigungsrecht im Todesfall.    

Haftet man auch mit dem eigenen Vermögen?

Grundsätzlich müssen Erben für die gesamten Schulden geradestehen – auch mit dem eigenen Vermögen. Es gibt aber Möglichkeiten, das Risiko zu begrenzen und die Haftung auf die Erbmasse zu beschränken. Zunächst ist es sinnvoll, die sogenannte Dreimonatseinrede zu stellen. Dann hat man drei Monate Zeit, um sich einen Überblich zu verschaffen, ohne dass die Gläubiger Forderungen stellen könnten.

Ist absehbar, dass der Schuldenberg höher sein könnte als das Erbe, kann man einen Antrag auf Nachlassverwaltung stellen. Die Erben haben dann so lange keinen Zugriff auf die Erbmasse, bis die Schulden bezahlt sind. Im Gegenzug können die Gläubiger nicht die Erben haftbar machen, wenn der Nachlass nicht ausreicht.

Wer lediglich vermeiden will, dass unerwartete Forderungen gestellt werden, kann ein sogenanntes Aufgebotsverfahren beantragen. Dann müssen alle Gläubiger ihre Ausstände innerhalb einer bestimmten Frist anmelden. Melden sich Gläubiger erst später, dann lässt sich die Haftung auf den Nachlass begrenzen.   

Wer haftet für die Schulden, wenn es mehrere Erben gibt?

Der Sohn erbt die Eigentumswohnung, die Tochter bekommt das Bankdepot – aber wer von beiden muss für die Schulden der verstorbenen Mutter geradestehen? Grundsätzlich beide, und zwar zunächst einmal unabhängig davon, wie hoch der jeweilige Erbteil ist. Gegenüber den Gläubigern haftet die Erbengemeinschaft nämlich als Gesamtschuldner. Die Gläubiger können ihre Forderungen also entweder bei allen Erben geltend machen oder einen von ihnen in die Pflicht nehmen, was sehr viel bequemer ist. Der Betroffene muss dann erstmal zahlen, kann dann aber von den Miterben verlangen, dass sie sich gemäß ihrer jeweiligen Erbquote beteiligen.  

Nun gehört nicht jeder, der im Testament erwähnt wird, automatisch zur Erbengemeinschaft. Wenn der Verstorbene einer Person einen bestimmten Betrag oder Gegenstand zukommen lässt, spricht man von einem Vermächtnis. Ob auf dem sonstigen Erbe Schulden lasten, kann dem Vermächtnisnehmer egal sein. Verfügt etwa die Oma, dass ihr Auto an den Enkel fallen soll, dann muss dieser die laufende Kfz-Versicherung bezahlen, nicht aber die offenen Versandhausrechnungen seiner Großmutter.  

Quelle: n-tv.de

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