Ratgeber

Burnout-WarnzeichenGefährlicher Ehrgeiz

23.12.2008, 11:48 Uhr

Ein Burnout-Syndrom ist nur die letzte Phase einer Entwicklung, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. Es ist ein Tief, in das man sich lange hineingearbeitet hat, sagt Nicole Truckenbrodt, Beraterin aus Feldkirchen in Bayern.

Ein Burnout-Syndrom ist nur die letzte Phase einer Entwicklung, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. "Es ist ein Tief, in das man sich lange hineingearbeitet hat", sagt Nicole Truckenbrodt, Beraterin aus Feldkirchen.

Der Weg zum Burnout kann unterschiedlich verlaufen. Es lassen sich der Expertin zufolge aber Phasen unterscheiden, die typisch sind:

Phase 1: Der Erfolg befeuert den Leistungswillen

Ganz am Anfang steht der Erfolg: Die Karriere kommt voran, Partner und Vorgesetzte reagieren positiv. Die eigene Leistungsbereitschaft zahlt sich aus. Es stellt sich das Gefühl ein "Ich habe es geschafft!". Für Regeneration oder Entschleunigung ist keine Zeit und scheinbar kein Bedarf.

Phase2: Der Stress macht sich erstmals bemerkbar

Die Energiereserven werden verbraucht, der "Akku" nicht wieder aufgeladen. Schleichend beginnt die Tiefen-Erschöpfung. Der Stress macht sich in Rückenschmerzen, Schlafproblemen oder Muskelverspannungen bemerkbar. Der Spaß an der Arbeit lässt nach, das eigene Perfektionsstreben nicht. Die Erwartungen an sich selbst werden dadurch immer weniger realistisch.

Phase 3: Härte gegen sich selbst soll die alte Leistung wiederbringen

Versuche scheitern, dem Stress mit mehr Sport oder gesünderem Essen beizukommen. Der innere Druck steigt. Noch mehr Härte gegen sich selbst soll dann helfen, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ratschläge von Freunden und Kollegen, doch kürzerzutreten, werden als Kritik empfunden und abgelehnt. Die Devise lautet "Augen zu und durch!".

Phase 4: Das Tempo im Hamsterrad nimmt noch einmal zu

Ohne entsprechende Korrektur der Entwicklung nimmt das Tempo im Hamsterrad noch einmal zu. Der Betroffene arbeitet noch länger, übernimmt noch mehr Projekte, nimmt Arbeit mit nach Hause. Er mobilisiert die letzten Energiereserven, doch seine Konzentration lässt bereits nach. Er macht immer häufiger Fehler, die ihm früher nicht passiert wären. Seine Versagensängste nehmen zu, sein Selbstwertgefühl sinkt. Erschöpfungssymptome wie Herzrasen, Schlafprobleme oder Tinnitus können die Folge sein.

Phase 5: Psyche und Körper machen nicht mehr mit

Der Endpunkt ist das Burnout-Syndrom. Die Leistungsfähigkeit bricht zusammen. Die Arbeitsfähigkeit kann für Monate eingeschränkt sein. Oft ist eine Behandlung im Krankenhaus unverzichtbar. Psychopharmaka können die Symptome meistens schnell behandeln. Aber die Muster, die zum Zusammenbruch geführt haben, sind damit noch nicht überwunden. Die Patienten fühlen sich häufig "wie gelähmt". Depressionen und Suizidgefährdung sind nicht auszuschließen.

Risikogruppen

Um das Problem auf einer tieferen Ebene anzugehen, muss geklärt werden, was die eigentliche Ursache der Überforderung ist. Denn zu viel Arbeit allein führt nicht automatisch zum Burnout. Vielmehr steckt oft die Angst dahinter, andere zu enttäuschen. Auch der starke Wunsch, Karriere zu machen, ist ein Risikofaktor. "Ausgeprägtes Perfektionsstreben erhöht die Burnout-Gefahr", sagt Dirk Windemuth von der Deutschen Unfallversicherung. "Wer immer alles ganz richtig machen will, der muss fast zwangsläufig häufiger das Gefühl haben, das nicht zu schaffen." Die beste Prävention gegen die Ausbildung eines Burnout-Syndroms ist Windemuth zufolge funktionierende soziale Unterstützung im Job. Wer dort Freunde und Kollegen hat, die einem unter die Arme greifen, wenn es stressig wird, kann manches wegstecken, was andere umwirft.