Ratgeber

Von "krisensicher" bis "hochriskant": Geld anlegen in der Krise

Euro-Krise, Kursrutsch, Börsencrash - so bedrohlich die Nachrichten von den weltweiten Finanzmärkten auch klingen, für viele Menschen scheinen Staatsanleihen, Wertpapiere und Aktien weit weg. Doch die Risiken liegen näher, als mancher denkt.

Wie sicher ist Ihre Geldanlage?
Wie sicher ist Ihre Geldanlage?(Foto: tommyS, pixelio.de)

Nach den Sorgen um Italien und der Diskussion um die finanzielle Lage der Vereinigten Staaten herrscht große Nervosität. Doch wen betrifft es überhaupt, wenn Ratingnoten herabgesetzt werden - wie zuletzt bei den USA?

Natürlich die Anleger, die ihr Geld direkt in Staatsanleihen investiert haben. Doch viele wissen gar nicht, dass sie davon indirekt betroffen sind. Lebensversicherungen, Rentenfonds oder betriebliche Rentenkassen legen die Gelder ihrer Kunden in der Regel ebenfalls in Staatsanleihen an. Gerade hier sollte man schauen, wie und wo genau.

Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten - wie sicher sind die verschiedenen Geldanlagen?

Staatsanleihen

Wer eine Staatsanleihe zeichnet, gibt einem Staat Kredit. Nach Ablauf der Laufzeit bekommt der Käufer die bezahlte Summe sowie Zinsen zurück. Falls das Land pleitegeht, kann die Rückzahlung komplett oder zumindest zum Teil ausfallen. Geldanlagen beim Bund gelten trotz Euro-Krise nach wie vor als sehr sicher. Ein Zahlungsausfall der Bundesrepublik ist - anders als im Fall Griechenland - extrem unwahrscheinlich. Anders als früher müssen Anleger bei der Bundesfinanzagentur ihr Geld nicht mehr unbedingt auf Jahre festlegen. Bei der Tagesanleihe ist das Kapital täglich verfügbar, gemessen am Niveau von Tagesgeldkonten bleibt der Zins aber niedrig. Daneben gibt es auch Finanzierungsschätze (Laufzeit zwei Jahre), Bundesobligationen (fünf Jahre), Bundesschatzbriefe (sechs und sieben Jahre) und Bundesanleihen (zehn Jahre).

Tagesgeld

Dies ist die einfachste und flexibelste Geldanlage. Anleger können ihr Erspartes hier jederzeit parken und auch wieder abziehen. Genauso kann die Bank aber ohne Frist ihre Zinsen ändern. Die Zinsen sind zuletzt gestiegen, sie orientieren sich grob an den Leitzinsen und liegen meist leicht über der aktuellen Inflationsrate. Das Geld ist relativ sicher: Bei deutschen Instituten sind die Spareinlagen durch Entschädigungseinrichtung und Einlagensicherungsfonds der Banken in großem Umfang abgesichert. Banken in der EU müssen einen Anlagebetrag bis mindestens 100.000 Euro sichern. Anleger mit größeren Vermögen sollten ihr Geld für alle Fälle auf mehrere Geldinstitute verteilen.

Festgeld

Hier dürfen Anleger an ihr Geld für einen bestimmten Zeitraum nicht heran, im Gegenzug garantiert die Bank für diesen Zeitraum einen festen Zins. Die besten Angebote liegen derzeit über den Tagesgeld-Zinssätzen. Für die Absicherung gelten die gleichen Regeln wie bei Tagesgeldkonten.

Sparbuch

Für die Absicherung gelten die gleichen Regeln wie bei Fest- und Tagesgeldkonten. Niedrige Zinsen und Beschränkungen und Sperrfristen für Auszahlungen machen das Sparbuch aber wenig attraktiv. 

Aktien

Anleger setzen hier ihr Geld dem Risiko der Entwicklung eines einzelnen Unternehmens und der Kapitalmärkte aus. Einzelaktien locken unter Umständen mit ansehnlichen Dividenden. Anleger, die in Aktien und Fonds investieren, brauchen insgesamt starke Nerven, da sie das volle Verlustrisiko tragen. Über längere Zeiträume angelegt, versprechen Aktienanlagen allerdings sehr gute Renditechancen. Kurzfristige Anlagen sind fast immer spekulativ und nur etwas für Profis.

Aktienfonds

Mit Investmentfonds streuen Anleger das Risiko breiter als mit einzelnen Aktien, weil sie nicht nur in Aktien einzelner Unternehmen investieren. Die Fonds kaufen eine Vielzahl von Papieren und investieren damit in verschiedene Branchen oder bilden Börsenindizes ab. Rauscht jedoch eine ganze Branche in den Keller oder der gesamte Markt, dann verlieren auch die Fonds entsprechend an Wert.

Rentenfonds

Am Rentenmarkt wird das Geld in Anleihen von Staaten und/oder Unternehmen angelegt. Gerade hier sollte geschaut werden, wie und wo das Geld investiert wird. Steckt das Geld zum Beispiel vorwiegend in deutschen Staatsanleihen, dann gilt dies derzeit als sicher.

Zertifikate

Mit Zertifikaten spekulieren Anleger auf die Entwicklung bestimmter Aktien, Finanzprodukte oder Börsenindizes. Rechtlich gesehen handelt es sich um Schuldverschreibungen, die von bestimmten Banken herausgegeben werden. Die Verlustrisiken werden in der Regel von den Sicherungseinrichtungen der Banken nicht getragen. Der Anleger haftet meist in vollem Umfang. Zertifikate gelten als besonders komplizierte und risikoreiche Geldanlage.

Devisen

Spekulationen in Währungen sind bestenfalls als Depot-Beimischungen sinnvoll. Selbst für Experten ist schwer absehbar, wie sich einzelne Währungen gegeneinander entwickeln. Wer sein Geld in einer ausländischen Währung anlegt, profitiert von einem Wertanstieg dieser Währung und trägt das Risiko von Währungsverlusten.

Gold

Der Goldpreis steigt von Rekordhoch zu Rekordhoch - wie kommt das? Gold gilt als der sichere Hafen in turbulenten Wirtschaftszeiten. Seit die Finanzmarktkrise nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte, haben viele Anleger Gold als die richtige Zuflucht für sich gesehen. Nun werden schwindelerregende Preise für eine Feinunze Gold gezahlt. Doch ob und wie lange dieser Trend noch anhält, kann heute niemand sagen. Außerdem bringt Gold keine Zinsen und wird in US-Dollar gehandelt, was ein zusätzliches Währungsrisiko mit sich bringt.

Immobilien

Immobilien gelten als sichere Anlage. Wie bei allen Investitionen gibt es aber auch hier Risiken - angefangen vom Zustand des Gebäudes bis hin zur alles entscheidenden Frage nach der Lage. Sie entscheidet am Ende maßgeblich darüber, ob der Wert des Hauses oder der Wohnung steigt, oder zumindest stabil bleibt.

Aber auch Immobilien sind nicht ohne Risiko, denn die meisten Häuser und Wohnungen sind über Kredite finanziert. Und die müssen auch in schlechten Zeiten weiter bedient werden. Das kann in Krisenzeiten zum Problem werden.

Immobilienfonds

Auch Immobilienfonds können im Wert schwanken. Sie investieren in der Regel in gewerbliche Immobilien, etwa Bürohäuser. Der Ertrag hängt von den Mieten und der Wertentwicklung der Objekte ab. Gerät ein Fonds in Schwierigkeiten, kann er geschlossen werden. Anleger können ihre Anteile in dieser Zeit nur über die Börse verkaufen - oft mit Verlust.

Lebensversicherungen

Klassische Lebensversicherungen sind beliebt - vor allem als Ergänzung zur Rente. Versicherer legen die Beiträge an, um später zumindest den festgelegten Garantiezins leisten zu können - im Idealfall eine noch höhere Rendite zu zahlen. Die Versicherer sind verpflichtet, das Geld ihrer Kunden möglichst vorsichtig anzulegen, auch wenn es ganz ohne Risiko nicht geht.

Dennoch: Nach aktuellen Angaben der deutschen Versicherungswirtschaft haben die Lebensversicherer gerade einmal 3,2 Prozent der Kundengelder in Aktien angelegt. Der Großteil der Kundengelder liegt in festverzinslichen Wertpapieren oder Staatsanleihen. Das Engagement in Staaten wie Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien - den sogenannten "PIIGS-Staaten" - haben die Versicherer deutlich verringert. Bei einem Ausfall könne das eine Versicherung in Schwierigkeiten bringen.  Im Insolvenzfall übernimmt die Auffanggesellschaft der Lebensversicherer die Verträge.

Fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen

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Hier sieht es anders aus: Dort sind die Gelder etwa in Aktienfonds investiert, die direkt von den Kursschwankungen an der Börse betroffen sind. Und längst nicht alle dieser Produkte bieten einen Garantiezins, der am Ende fällig wird. Anleger können die Verluste also unmittelbar zu spüren bekommen. Sie können aber auch von der Talfahrt der Kurse profitieren, vor allem wenn die Laufzeit ihrer Verträge noch viele Jahre dauert. Denn für den monatlichen Beitrag gibt es derzeit mehr Aktien für einen derzeit niedrigen Preis, so dass wieder steigende Kurse später durchaus für Gewinne sorgen können.

Riester-Rente

Bei der Riester-Rente müssen die Anbieter garantieren, dass zu Beginn der Rentenphase alle eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen – unabhängig von der gewählten Anlageform des Vertrages.

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Quelle: n-tv.de

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