Ratgeber

Der Countdown läuft: Geld zurück von der Steuer

Kaum ist Ostern vorbei, wird es Zeit, die Einkommenssteuererklärung für das zurückliegende Jahr zu erstellen. Vor allem Arbeitnehmer können sich mit überschaubarem Aufwand wertvolle Euro vom Fiskus erstatten lassen. Steuerexperte Michael Bormann erläutert, worauf dabei unbedingt geachtet werden sollte.

Bisweilen lästig, aber lohnend - die Steuerklärung.
Bisweilen lästig, aber lohnend - die Steuerklärung.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Steuer, die jeden Monat vom Gehalt abgezogen wird, beruht lediglich auf einer Schätzung, insofern sollten Steuerzahler die Möglichkeit nutzen, zu viel gezahlte Steuern zurückzuholen. Bis Ende Mai müssen sie ihre Steuerklärung und die entsprechenden Unterlagen beim Finanzamt einreichen. Die Frist für die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung beträgt vier Jahre.

Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen

Bei Leistungen von Handwerkern beteiligt sich der Fiskus mit 20 Prozent an den Lohnkosten. Die Kosten für Material sind hiervon ausgenommen. Außerdem gibt es eine Obergrenze von 6.000 Euro. Die Steuerschuld vermindert sich also um maximal 1.200 Euro.

Beispiel: Der Steuerpflichtige lässt die Wohnung streichen. Der Maler stellt seine Arbeitsleistung mit 2.000 Euro in Rechnung. Davon übernimmt der Fiskus 20 Prozent, also 400 Euro. Damit bleiben noch 4.000 Euro Luft, um Rechnungen anderer Handwerker geltend zu machen. Bei haushaltsnahen Dienstleistungen rechnet das Finanzamt sogar Lohnkosten von bis zu 20.000 Euro pro Jahr an. Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen Tätigkeiten wie Putzen, Waschen oder Gartenpflege, aber auch Pflege- und Betreuungsleistungen. Bei Minijobbern beläuft sich die Obergrenze auf 2.550 Euro.

Dabei ist unbedingt zu beachten: Kosten, die Steuerzahler beim Fiskus einreichen, müssen per Rechnung nachgewiesen und per Banküberweisung beglichen werden. Barzahlungen erkennt das Finanzamt dagegen nicht an.

Pendlerpauschale

Fast jeder Steuerzahler kann die Fahrtkosten zwischen Wohnung oder Haus und seiner Arbeitsstätte geltend machen. Die so genannte Pendlerpauschale beläuft sich auf 30 Eurocent je Entfernungskilometer. Sie fällt unter die Werbungskosten und mindert das zu versteuernde Einkommen. Bei mehreren Arbeitsstätten entstehen zusätzliche Reisekosten, die ebenfalls geltend gemacht werden können. Die Pendlerpauschale gilt sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige. Sie kann zudem unabhängig vom Verkehrsmittel und von den tatsächlichen Aufwendungen in Anspruch genommen werden. Es ist also gleichgültig, ob der Weg zur Arbeit zu Fuß, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird.

Kinderbetreuung

Seit 2012 ist die Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten neu und vereinfacht geregelt. Es ist mittlerweile unerheblich, ob ein oder zwei Elternteile arbeiten oder beispielsweise krank sind. Generell können Kosten für Kindergarten, Tagesstätte, Tagesmutter, Hort, Babysitter, aber auch Au-pair angesetzt werden. Wie bei der Pendlerpauschale mindern die entsprechenden Kosten das zu versteuernde Einkommen. Konkret zieht der Fiskus zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten von den steuerpflichtigen Einkünften und Bezügen ab. Nicht begünstigt sind jedoch die Verpflegungskosten.

Dr. Michael Bormann ist Gründungspartner und Steuerexperte der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.
Dr. Michael Bormann ist Gründungspartner und Steuerexperte der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Beispiel: Ein Kind wird in der Kita betreut. Dafür fallen jeden Monat 225 Euro an, macht im Jahr 2.700 Euro. Davon können 1.800 Euro (2/3) vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden.

Bei Au-pairs gilt folgende Regelung: Die eine Hälfte der Entlohnung kann als Kinderbetreuungskosten, die andere als haushaltsnahe Dienstleistung in Ansatz gebracht werden. Aber auch hier sind Rechnung und Banküberweisung unbedingt notwendig.

Außergewöhnliche Belastungen

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen Aufwendungen, die aufgrund von Krankheit und Behinderung entstehen – zum Beispiel Pflege- und Arztkosten oder die Kosten einer Kur. Auch die Kosten für eine Bestattung oder für einen Gutachter können bei einem Todesfall in Ansatz gebracht werden. Schließlich zählen zu den außergewöhnlichen Belastungen auch Aufwendungen für den Unterhalt.

Dabei wird häufig übersehen, dass Steuerpflichtige auch ihre Unterstützungsleistungen an ihre Kinder beim Finanzamt geltend machen können. Tragen Eltern die Kosten für Unterhalt, Berufsausbildung, Semester- oder Versicherungsgebühren etc. können die Aufwendungen bis zu 8.004 Euro pro Jahr berücksichtigt und vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Voraussetzung ist aber, dass die Eltern weder Kindergeld noch Kinderfreibetrag erhalten. Diese entfallen in der Regel ab dem 25 Lebensjahr – die genannten Aufwendungen können also meistens nur für ältere Kinder steuerlich genutzt werden. Arbeitet das Kind nebenbei, vermindern zudem diese Einkünfte anteilig die steuerliche Berücksichtigung der Unterstützungsleistungen.

Quelle: n-tv.de

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