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Vermögenswirksame Leistungen: Geldgeschenk wird oft verschmäht

Mit Vermögenswirksamen Leistungen (VL) können sich Arbeitnehmer mit Hilfe ihres Chefs ein finanzielles Polster aufbauen. Dennoch machen viele davon keinen Gebrauch - wohl auch, weil sie gar nicht wissen, was ihnen zusteht. Dabei ist Anlegen mit VL einfach.

VL sind im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt.
VL sind im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Viele Deutsche verschmähen dennoch ein Geschenk von vornherein - oft wohl aus reiner Unwissenheit. Die Rede ist von Vermögenswirksamen Leistungen (VL). Die können viele Mitarbeiter vom Arbeitgeber bekommen. Vom Staat gibt es oft noch eine Zulage. Doch nur jeder sechste Haushalt in Deutschland nimmt VL in Anspruch, wie gerade erst wieder eine Studie ergeben hat.

Das liegt vor allem an Unwissenheit: Die meisten Arbeitnehmer wissen offenbar gar nicht,  worum es geht, hat Frank Tammen, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen festgestellt: "Wenn ich in der Beratung von Vermögenswirksamen Leistungen spreche, dann schaue ich häufig in leere Augen."

Banker bekommen 40 Euro

Tatsächlich haben nicht alle Arbeitnehmer Anspruch. Nur wenn es ausdrücklich im Tarif- oder Arbeitsvertrag geregelt ist, gibt es Vermögenswirksame Leistungen. Laut Stiftung Warentest bekommen Beamte etwa 6,65 Euro im Monat, Mitarbeiter der Eisen- und Stahlindustrie sowie im Kraftfahrzeug-Gewerbe 26,59 Euro und Banker stolze 40 Euro.

"Das ist ein Geschenk vom Arbeitgeber", erklärt Tammen. Und das sollte man seiner Meinung nach unbedingt annehmen, da die Zahlung nicht etwa an bestimmte Einkommensgrenzen gebunden ist, wie viele Arbeitnehmer fälschlicherweise glauben. Diese Einkommensgrenzen gelten lediglich für die staatlichen Zulagen, die es bei der Anlage in bestimmten Anlagearten noch obendrauf gibt, erklärt Tammen: "Die staatliche Förderung ist sozusagen das Sahnehäubchen."

Allerdings zahlt längst nicht jeder Arbeitgeber Vermögenswirksame Leistungen. Manche geben den Zuschuss nur noch dann, wenn die VL in eine betriebliche Altersversorgung gesteckt werden. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, auch ein solches Angebot anzunehmen: "Mit der betrieblichen Altersvorsorge erhöhen die Verbraucher ihr Einkommen im Alter." Die Alternative, auf das Geld zu verzichten, habe in der Regel keinen Sinn. "Allerdings sollten sich die Verbraucher die Vertragsmodalitäten genau anschauen und gegebenenfalls Zusatzleistungen vereinbaren, beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung."

Der Staat legt noch was drauf

Die wichtigste Förderung vom Staat, die Arbeitnehmersparzulage, wird dann gezahlt, wenn Ledige nicht mehr als 17.900 Euro oder Verheiratete nicht mehr als 35.800 Euro im Jahr verdienen. Allerdings nur, wenn man das Geld in einen Bausparvertrag steckt oder davon einen Baukredit tilgt. Beim alternativen Aktienfondssparen liegt die Grenze für Alleinstehende bei 20.000 Euro beziehungsweise für Ehepaare bei 40.000 Euro.

Verbraucherschützer Tammen rät Geringverdienern, die staatliche Förderung auf jeden Fall mitzunehmen und zu einem der geförderten Produkte zu greifen. Für welches man sich entscheidet, hängt von der persönlichen Risikobereitschaft ab. "Der Risikobewusste investiert eher in einen Aktienfonds, der andere eher in einen Bausparvertrag." Laut "Finanztest" können sich Sparer beim besten Bauspar-Angebot über eine Rendite von 3,35 Prozent freuen.

Anlegern, die keinen Anspruch auf staatliche Zulagen haben, rät Verbraucherschützer Tammen, in einen VL-Banksparplan zu investieren. Laut Stiftung Warentest können Anleger hier beim besten Anbieter nach sieben Jahren eine Rendite von 3,48 Prozent erwarten. Von Aktienfonds rät der Experte bei Arbeitnehmern, die nicht zulageberechtigt sind, eher ab, weil der Anleger hier nur auf eine beschränkte Anzahl von Produkten zugreifen kann, die für Vermögenswirksame Leistungen zugelassen sind. "Wenn ich in Aktienfonds investieren möchte, dann würde ich das in diesem Fall außerhalb der Vermögenswirksamen Leistungen machen."

Jedes Jahr neu beantragen

Egal, für welche Anlageform man sich auch entscheidet: Der Arbeitgeber zahlt das Geld direkt auf ein von dem Mitarbeiter benanntes Sparvertragskonto ein. Sieben Jahre läuft ein VL-Vertrag. "Allerdings werden nur sechs Jahre Beiträge eingezahlt, ein Jahr ruht der Vertrag", sagt Annabel Oelmann: "Verbraucher sollten sich daher frühzeitig um einen neuen Vertrag kümmern."

Alle Zulagenberechtigten müssen beachten, dass die Arbeitnehmersparzulage nicht automatisch kommt, wie Oelmann erklärt: "Sie muss jedes Jahr mit der Steuererklärung beantragt werden. Das Geldinstitut gibt den Kunden dazu eine nötige Bescheinigung, die der Steuererklärung hinzugefügt werden muss."

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Quelle: n-tv.de

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