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Gericht: In der heutigen Zeit sind auch Formen des räumlich getrennten Zusammenlebens üblich.
Gericht: In der heutigen Zeit sind auch Formen des räumlich getrennten Zusammenlebens üblich.(Foto: imago/Westend61)
Donnerstag, 16. März 2017

Persönlich und geistig ein Paar: Getrennt wohnen, vereint Steuern sparen?

Wer verheiratet ist, kann Steuern sparen. Doch müssen Eheleute auch zusammen wohnen, um in den Genuss der Vergünstigung zu kommen? Oder ist vielleicht auch eine alternatives Miteinander möglich? Finanzamt und Steuerpflichtige streiten.

Ehepaare haben die Wahl - für einen vor dem Gesetz festen Partner. Und im Gegensatz zu nichtverheirateten Paaren können sie auch unter mehreren Kombination von Steuerklassen auswählen und sich steuerlich gemeinsam veranlagen lassen. Derart kann bei einem gemeinsamen Jahreseinkommen von 70.000 Euro eine Verringerung der Steuerlast im Vergleich zu unverheirateten Paaren um rund 1000 Euro erreicht werden. Immerhin.

Nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere sich von solchen Anreizen motivieren lässt, vor den Traualtar zu treten. Vielleicht aber auch deshalb, weil die Entscheidung, wie die Ehe dann tatsächlich zu führen ist, ja jedem selbst überlassen ist. Was das Finanzamt bisweilen anders sieht. Vor allem dann, wenn es für die Behörde um Mehreinnahmen geht. Und so musste sich das Finanzgericht (FG) Münster mit der Frage befassen, ob Eheleute auch zusammen wohnen müssen, um gemeinsam veranlagt zu werden (Az.: 7 K 2441/15).

Die Entscheidung dürfte Paaren mit alternativen Lebensentwürfen gefallen, denn laut FG-Urteil können auch langjährig getrennt lebende Ehegatten zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden.

In dem Streitfall war das Paar seit 1991 verheiratet, zehn Jahre später zog die Ehefrau mit dem gemeinsamen Sohn aus. Ein Jahr später gelangte das Finanzamt zu der Ansicht, dass die Eheleute fortan einzeln zur Einkommensteuer veranlagt werden müssten. Wogegen sich das Paar mit einer Klage wehrte.

Erfolgreich. Das Gericht folgte der Argumentation der Eheleute, es lebe nur räumlich, nicht aber persönlich und geistig getrennt. Der Auszug sei durch die schwierige familiäre Situation mit der im selben Haus lebenden pflegebedürftigen Mutter des Ehemannes begründet gewesen. Schließlich hätte sich das Ehepaar weiterhin regelmäßig abends und an Wochenenden getroffen und gemeinsame Ausflüge, Urlaube und sonntägliche Kirchenbesuche gemacht. Die Kosten hierfür sowie den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes hätten beide stets gemeinsam getragen. Andere Partnerschaften habe es demnach nicht gegeben und für die Zukunft sei geplant, wieder zusammenzuziehen.

Das reichte dem FG, zu urteilen, dass das Paar nicht dauernd getrennt lebe. Denn in der heutigen Zeit seien auch Formen des räumlich getrennten Zusammenlebens üblich, ohne dass dadurch per se auch eine tatsächliche Trennung angenommen werden kann. 

Quelle: n-tv.de

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