Ratgeber
Wer mehr als 60 Euro im Jahr - die Kosten für die Kreditkarte nicht eingerechnet - für sein Girokonto ausgibt, sollte sich ein neues suchen, meinen Verbraucherschützer.
Wer mehr als 60 Euro im Jahr - die Kosten für die Kreditkarte nicht eingerechnet - für sein Girokonto ausgibt, sollte sich ein neues suchen, meinen Verbraucherschützer.(Foto: imago/photothek)
Donnerstag, 14. September 2017

Das richtige Girokonto finden: Gretchenfrage: Gratis- oder Komfortkonto?

Von Max Herbst

Das Girokonto: Jeder braucht es. Fast alle haben es. Und die meisten sind unzufrieden damit. Denn viele entscheiden sich für den falschen Kontotypen. Wie Kunden ein Produkt finden, das wirklich zu ihnen passt.

Das kostenlose Girokonto galt jahrelang als Selbstverständlichkeit. In Zeiten niedriger Zinsen (und wegbrechender Geschäfte mit Zinsdifferenzen) erinnern sich aber immer mehr Geldhäuser daran, dass sich auch mit Kontogebühren gut verdienen lässt. Soweit die schlechte Nachricht.

Die gute: Nicht alle Banken rechnen für alle Leistungen gleich viel ab. Preisbewusste Kunden sollten daher ihre Kontonutzung analysieren und dann ein Angebot aussuchen, bei dem sie (wenn überhaupt) nur für solche Services zahlen, die sie auch wirklich nutzen.

Onliner oder Traditionalist?

Wer seine Bankgeschäfte stets am PC erledigt und viel mit Kreditkarte oder GiroCard bezahlt, findet immer noch einige Angebote, meist von Direktbanken, die völlig kostenfrei sind.

Zum Beispiel ist es für solche Kunden unwichtig, wenn die Bank sich die Nutzung des Kontoauszugsdruckers vergüten lässt. Denn diesen Service nehmen sie ja gerade nicht in Anspruch, Gedanken machen sollten sich passionierte Onliner aber über die Bargeldversorgung. Verlangt die eigene Bank auch fürs Geldziehen am eigenen Automaten eine Gebühr? Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Kunden steigen auf ein Angebot um, bei dem sie mit der Kreditkarte kostenlos Geld ziehen können – oder sie gehen dazu über, beim Bezahlen im Supermarkt auch gleich Bargeld abzuheben. Die Zahl der Märkte, die diesen kostenlosen Service anbieten, steigt konstant. Das wiederum führt dazu, dass das Kriterium der Bargeldversorgung durch die Bank selbst immer unwichtiger wird.

Vom Wert einer Transaktion

Eine weitere wichtige Frage bei der Wahl des passenden Girokontos: Verlangen die Banken Geld für jede einzelne Überweisung? Und wenn ja: wie viel?

Der Markt präsentiert sich hier nicht einheitlich: Einige Banken wie die Norisbank oder Volkswagen Bank sind inzwischen dazu übergegangen, für die Übermittlung einer SMS-TAN etwa zehn Cent zu verlangen – oft, ohne das klar zu kommunizieren. Das ist zwar lästig, lässt sich finanziell aber meist verkraften. Zumindest für den normalen (Online)-Girokunden.

Teurer werden kann es hingegen für Traditionalisten. Wer nach wie vor gerne Überweisungsträger aus Papier in den Briefkasten der Bank einwirft oder sich seine Kontoauszüge in der Filiale ausdrucken will, muss damit rechnen, dass die Bank ihn dafür zur Kasse bittet. Zum Beispiel kostet das AltivKonto der Deutschen Bank im Monat 4,99 Euro, die Kreditkarte im Jahr 39 Euro und jeder Überweisungsträger 1,50 Euro. Dagegen kostet das BestKonto nur 9,99 Euro im Monat, aber ohne Extrakosten für beleghafte Überweisungen oder die Kreditkarte. Wer eine pauschale Kontoführungsgebühr akzeptiert, sollte genau rechnen (lassen), welches Konto für ihn günstiger ist: Der Giro-Vergleich der FMH ermittelt in der Detail-Analyse exakt die anfallenden Kosten je persönlicher Kontonutzung.

Rabatte auf Restaurantbesuche

Eine Alternative für Kunden, die Wert auf Bequemlichkeit legen und bereit sind, sich ihren Komfort etwas kosten zu lassen, sind die (noch recht neuen) Komfort-Konten der Banken: Sie beinhalten oft eine goldene Kreditkarte und Kunden können zumindest außerhalb des Euro-Raums kostenfrei jeden Geldautomaten nutzen, um Bargeld zu ziehen. So viel Service ist meist für 10 bis 15 Euro pro Monat zu haben. Einige Banken bieten für diesen Kurs sogar noch weitere Schmankerl. Die regionale BW-Bank (Kontoentgelt 11,90 Euro) offeriert ein zweites Girokonto kostenfrei, ermöglicht vergünstigte Nahverkehrstickets oder Rabatte bei unterschiedlichen Partnershops. Die Hamburger Sparkasse will fürs Premiumkonto sogar stolze 16,90 Euro pro Monat, versüßt diesen Preis aber mit der Goldkreditkarte, einer Handyversicherung bis 800 Euro Policenwert und bis zu 15 Prozent Rabatt bei rund 80 Restaurants im Haspa-Gebiet.

Blenden lassen sollte sich von klangvollen Offerten aber niemand. Im Gegenteil. Bei allen Zusatzleistungen heißt es: genau rechnen, ob die Angebote wirklich einen Mehrwert liefern und ob sie eigenen Nutzungsverhalten entsprechen. Schließlich nützen auch die üppigsten Rabatte nichts, wenn sie nur in Restaurants oder Läden zu haben sind, die der Kunde nie oder nur selten besucht.

Quelle: n-tv.de

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