Ratgeber

Barclays macht in Tagesgeld: Guter Deal für Wechselfaule

von Isabell Noé

Die Barclays Bank kennt man hierzulande vor allem als Kreditkarten-Institut. Jetzt wollen sich die Briten weitere Kundenkreise in Deutschland erschließen. Dazu machen sie ein Tagesgeld-Angebot, das es so noch nicht gibt: Die Bank zahlt den Leitzins plus einem festgelegten Aufschlag. Das dürfte sich auch längerfristig lohnen.

Steigt der Leitzins, zieht der Tagesgeldzins nach. Umgekehrt gilt das natürlich auch.
Steigt der Leitzins, zieht der Tagesgeldzins nach. Umgekehrt gilt das natürlich auch.(Foto: picture alliance / dpa)

Tagesgeldkonten sind sehr flexibel. Das ist für die Kunden von Vorteil, denn so kommen sie jederzeit an ihr Geld. Bedauerlicherweise gilt die Flexibilität auch für Banken, denn diese können Zinsen nach Belieben variieren. Und auch wenn die vorzeigbaren Neukunden-Konditionen für drei, sechs oder gar acht Monate gelten – danach ist oft Schluss mit der Großzügigkeit und der Zins sinkt deutlich unter zwei Prozent. Dabei profitieren Banken von der Trägheit der meisten Kunden, die berüchtigten Tagesgeld-Hopper sind jedenfalls die Ausnahme.

Wer sich längerfristig binden will, sollte sich nach einem Anbieter umsehen, der nicht nur mit Lockzinsen ködert, sondern allen Kunden die gleichen Konditionen bietet, und das möglichst auf Dauer. Die Bank of Scotland ist so eine Kandidatin, aber auch die niederländischen Banken NIBC Direct und MoneYou setzen keine zeitlichen Limits für ihre guten Zinsen. Das einzige Problem: Zwar halten sich diese und weitere gute Tagesgeld-Anbieter ziemlich zuverlässig im oberen Bereich der Tabelle, garantiert sind die Konditionen aber nicht.

Aufschlag kann sich sehen lassen

Eine Lösung präsentiert jetzt die Barclays Bank mit ihrem Tagesgeld LeitzinsPlus. Das Prinzip ist einfach: Barclays zahlt den aktuellen Leitzins der Europäischen Zentralbank plus einem Aufschlag von 1,75 Prozent. Aktuell liegt der Leitzins bei einem Prozentpunkt, also gibt es insgesamt 2,75 Prozent. Macht die EZB einen Zinsschritt – nach oben oder unten –, folgt der Tagesgeld-Zins innerhalb der nächsten 21 Tage.

Selbst wenn die EZB ihren Zins irgendwann auf null senken würde, bekäme man noch 1,75 Prozent heraus. Kein schlechter Deal: Als der Leitzins zwischen Mai 2009 und April 2011 bei einem Prozent stagnierte,  wurde Tagesgeld im Schnitt mit 1,26 Prozent verzinst, wie der Zins-Index der Finanzberatung FMH verrät. Inzwischen sind die Banken wieder freigiebiger. Bessere Konditionen als die Barclays Bank bietet derzeit aber nur die NIBC Direct mit ihren 2,85 Prozent.

Das Beste an dem Angebot: Die Leitzins-Kopplung gilt nach Kontoeröffnung drei Jahre lang. Auf so langfristige Versprechen lässt sich kein anderer Tagesgeld-Anbieter ein. Kündigen kann man jederzeit, wie das bei Tagesgeld eben üblich ist. Ein weiterer Pluspunkt: Die Offerte gilt nicht nur für Neukunden.

Die übrigen Konditionen findet man so auch bei vielen anderen guten Anbietern: Zinsen gibt es ab dem ersten Euro, die Anlagesumme ist auf 500.000 Euro begrenzt. Etwa 100.000 Euro sind durch den britischen Sicherungsfonds garantiert. Die genaue Summe hängt vom aktuellen Wechselkurs ab, maßgeblich ist der Betrag von 85.000 britischen Pfund. Darüber hinaus deckt der deutsche Einlagensicherungsfonds der privaten Banken bis zu 240 Millionen Euro ab. Die Zinsgutschrift erfolgt erst am Jahresende – ungünstig für den Zinseszinseffekt.

Das Konto wird ausschließlich online geführt. Weil Barclays auf das mobile TAN-Verfahren setzt, ist ein Mobiltelefon Voraussetzung. Außerdem müssen Kunden seit mindestens sechs Monaten in Deutschland wohnen und hier auch ein Girokonto führen.    

Neukunden brauchen Geduld     

Ein Wermutstropfen: Dass das Angebot gut ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Neukunden müssten derzeit "einige Tage warten", bis das Konto eröffnet ist, heißt es auf der Barclays-Homepage.

Anleger, die auch nach ethischen Kriterien entscheiden, könnte zudem eine unrühmliche Auszeichnung abschrecken: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekam Barclays unlängst den "Public Eye Award" verliehen. Trägerorganisationen wie Greenpeace rügen mit dem Schmähpreis Unternehmen, die durch soziale und ökologische Verantwortungslosigkeit auffallen. Barclays erhielt die zweifelhafte Ehrung, weil die Bank als schnellstwachsende Nahrungsmittelspekulantin die Nahrungsmittelpreise in der Dritten Welt in die Höhe treibt.

Wer sein Geld ohnehin etwas längerfristiger parken möchte, kann sich derweil auch nach Alternativen auf dem Festgeld-Markt umsehen. Für dreijähriges Festgeld zahlt etwa die österreichische VTB Direktbank derzeit 4 Prozent. Um diesen Wert mit dem Tagesgeld-Konto zu erreichen, müsste der Leitzins schon auf 2,25 Prozent klettern.   

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Quelle: n-tv.de

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