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Liebesgrüße vom Ex-Chef: Gutes Arbeitszeugnis? Von wegen!

Laut Bundesarbeitsgericht muss ein Arbeitszeugnis wahr, wohlwollend und vollständig sein. Doch Arbeitgeber verwenden gerne Formulierungen, um auch Negatives über Mitarbeiter zum Ausdruck zu bringen. Diese sollten die Codes entschlüsseln können.

Leistungen die besser als "befriedigend" gewesen sein sollen, müssen auch  bewiesen werden können.
Leistungen die besser als "befriedigend" gewesen sein sollen, müssen auch bewiesen werden können.

Egal ob freiwillig oder gekündigt: Scheidet ein Arbeitnehmer aus dem Beschäftigungsverhältnis aus, hat er Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieses muss der Arbeitgeber seinem ehemaligen Mitarbeiter innerhalb von vier bis zehn Monaten nach Beschäftigungsende ausstellen. Verlangen können dies Arbeitnehmer, freiwillige Mitarbeiter und Auszubildende. Gekündigte können bereits ein Zeugnis verlangen, wenn ihnen die Kündigung ausgesprochen wird. 

Doch Arbeitgeber sind durch die Arbeitsgerichte angehalten, scheidenden Mitarbeitern keine Steine in den beruflichen Weg zu legen. Laut Bundesarbeitsgericht muss ein Arbeitszeugnis wahr, wohlwollend und vollständig sein. Oder anders formuliert, es muss gut klingen. In der Konsequenz sind daher auch mehr als 80 Prozent aller finalen Bewertungen "sehr gut" oder "gut".  Chefs haben deshalb untereinander ihre eigenen Codes entwickelt, um auch Negatives zum Ausdruck bringen zu können. "Finanztest" hat sich gängige Formulierungen angeschaut und festgestellt, hinter oft freundlichen und positiv klingenden Bewertungen verstecken sich oft für den Arbeitnehmer verheerende Aussagen.

Ein Auswahl:

"Sie zeigte stets Verständnis für ihre Arbeit." Bedeutet tatsächlich: Sie war faul und hat nichts geleistet.

"Er hatte Gelegenheit sich das notwendige Fachwissen anzueignen." Bedeutet tatsächlich: Er nutzte die Gelegenheit jedoch nicht.

"Er war stets ein geschätzter Mitarbeiter." Bedeutet tatsächlich: Er war geschwätzig und führte lange Privatgespräche im Dienst.

"Er ist mit Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangegangen." Bedeutet tatsächlich: Ihm fehlte die fachliche Qualifikation.

"Sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war stets vorbildlich." Bedeutet tatsächlich: Er hatte Probleme mit seinen Vorgesetzten, Sie werden deshalb erst nach den Kollegen erwähnt.

"Er arbeitete mit größter Genauigkeit." Bedeutet tatsächlich: Er war ein langsamer und unflexibler Erbsenzähler.

"Durch ihre Geselligkeit trug sie zur Verbesserung des Betriebsklimas bei." Bedeutet tatsächlich: Sie neigt zu übertriebenen Alkoholkonsum.

"Er hat alle Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst." Bedeutet tatsächlich: Er beging Diebstahl und/oder andere schwere Fehler.

"Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter". Bedeutet tatsächlich: Er war nicht durchsetzungsfähig und besaß keine Autorität.

Wer derartige Formulierungen in seinem Arbeitszeugnis findet, sollte zunächst das Gespräch mit seinem Arbeitgeber suchen und um Korrektur bitten. Kommt dieser dem nicht nach, bleibt nur der Gang vor das Arbeitsgericht, um mit einer Korrekturklage eine bessere Bewertung zu erreichen. Allerdings weisen Arbeitsrechtler darauf hin, dass der scheidende Mitarbeiter Leistungen die besser als "befriedigend" gewesen sein sollen, auch beweisen können muss.

Quelle: n-tv.de

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