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Unzureichende Aufklärung : Haare weg nach Chemo - Schmerzensgeld?

Eine Krebserkrankung geht in den meisten Fällen mit einer Chemotherapie einher - oft mit erheblichen Nebenwirkungen. Eine davon ist Haarausfall. Zumeist wachsen die Haare aber nach Beendigung der Behandlung wieder. Wenn nicht, kann es für die Ärzte teuer werden.

Über das Risiko eines dauerhaften Haarverlusts ist auch dann aufzuklären, wenn es sich selten verwirklicht.
Über das Risiko eines dauerhaften Haarverlusts ist auch dann aufzuklären, wenn es sich selten verwirklicht.(Foto: imago/Westend61)

Bei einer Krebserkrankung geht es um Leben oder Tod. Entsprechend drastisch fällt meist die Behandlung aus. Oft in Form einer Chemotherapie. Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist hierbei Haarausfall. Handelt es sich um eine nicht nur vorübergehende Erscheinung, sondern um dauerhaften Haarverlust, kann das Krankenhaus zu Schadensersatz verpflichtet werden. Der Grund für die Ersatzpflicht der Klinik ist aber nicht ein Behandlungsfehler, sondern die unzureichende Aufklärung durch die Klinikärzte über die Risiken des verwandten Krebsmedikamentes. Dies hat das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschieden.

In dem verhandelten Fall hatte sich eine Patientin wegen Brustkrebs im Krankenhaus operieren lassen. Die anschließende Chemotherapie führten die behandelnden Ärzte mit einem damals neuen und besonders wirksamen Medikament durch. Nach der Behandlung trat bei der Frau ein dauerhafter Haarverlust auf. Körperbehaarung, Wimpern und Augenbrauen fehlen seitdem fast vollständig. Das Kopfhaar wächst nur teilweise nach. Über dieses Risiko hatten die Ärzte ihre Patientin nicht aufgeklärt. Diese forderte daraufhin Schadensersatz.

Das Landgericht Köln wies die Klage ab. Das Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht hatte indes Erfolg. Demnach war in den vom Hersteller zum Behandlungszeitpunkt veröffentlichten Fachinformationen für Ärzte zu entnehmen, dass infolge des Medikaments ein dauerhafter Haarausfall eintreten könnte. Im Rahmen einer Studie hätte sich dieser bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 55 Monaten bei 3,2 Prozent der Patientinnen eingestellt. Auf dieser Grundlage sei die Klägerin vor Einleitung der Chemotherapie fehlerhaft aufgeklärt worden.

Laut Urteil müssten Patienten vor einer ärztlichen Behandlungsmaßnahme "im Großen und Ganzen" wissen, worauf sie sich einlassen. Über das Risiko eines dauerhaften Haarverlusts ist auch dann aufzuklären, wenn es sich selten verwirklicht. Die Komplikation würde, sofern sie eintritt, Patienten meist schwer belasten und daher für die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung von Bedeutung sein.

Bei der Höhe des Schmerzensgeldes von 20.000 Euro hat das Gericht insbesondere berücksichtigt, dass es bei der Frau zu erheblichen und nachhaltigen psychischen Folgen und seelischen Belastungen aufgrund des Haarverlustes gekommen ist.

Quelle: n-tv.de

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