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Bis zu 30 Prozent: Haushaltsgeräte verbrauchen viel mehr Strom

Wer gerade eine hohe Stromrechnung erhalten hat, fragt sich vielleicht: Was verbraucht im Haushalt eigentlich große Mengen Strom? Es könnte am Kühlschrank, den Lampen und am Staubsauger liegen - denn diese sind oft weit weniger sparsam als angegeben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Haushaltsgeräte verbrauchen nach einer Untersuchung europäischer Verbraucherverbände oftmals mehr Energie als von den Herstellen angegeben. Einige der getesteten Geräte benötigten bis zu 30 Prozent mehr Strom, teilten der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Dienstag mit. Beide Verbände waren für Deutschland an der Untersuchung beteiligt.

Getestet wurden demnach 20 Gerätegruppen wie Kühlschränke, Lampen und Staubsauger. 18 von 100 Geräten hätten die EU-Effizienzvorgaben nicht eingehalten, teilten die beiden Verbände mit. Die Stichprobe mache deutlich, dass viele Hersteller gesetzliche Vorgaben zum Energieverbrauch missachteten oder umgingen.

Erhebliche Mängel wurden vor allem bei vernetzten Produkten mit WLAN-Funktion und beim Standby-Verbrauch festgestellt. So sei der Standby-Verbrauch von drei getesteten Digitalradios doppelt bis dreifach so hoch gewesen wie erlaubt.

Durch die falsche Kennzeichnung gehen den europäischen Haushalten nach Angaben der Verbraucherschützer jedes Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an möglichen Einsparungen verloren. Würden die Geräte mindestens die Effizienz erreichen, mit der die Hersteller werben, könnte jeder Haushalt in der EU ab 2020 jährlich im Schnitt 465 Euro Stromkosten einsparen, erklärte BUND-Energieexperte Robert Pörschmann.

Die Untersuchung der europäischen Verbraucherschützer erfolgte im Rahmen des von der EU geförderten Projekts "MarktChecker". Über drei Jahre hinweg testeten die Verbände Haushaltsgeräte. Die Tests zielten demnach nicht nur auf den Energieverbrauch der Produkte ab, sondern schlossen weitere Kriterien mit ein. Die getesteten Geräte wurden unter anderem nach Hinweisen von Verbrauchern für die Tests ausgewählt.

Generell dürfen in der EU zwar nur Geräte verkauft werden, die die EU-Vorschriften beim Verbrauch erfüllen. Ffür die Richtigkeit der Angaben sind aber die Hersteller selbst verantwortlich. Eine EU-Überprüfungsstelle gibt es nicht.

Die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn (Grüne), forderte deshalb ein Zulassungsverfahren, das nicht auf Herstellerangaben beruht. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagausgaben) sagte sie: "Früher oder später machen alle Hersteller falsche Angaben, um keine Wettbewerbsnachteile zu haben. Gefragt ist ein unabhängiges oder staatliches Prüfsystem, bei dem neue Produkte nach einem realistischen Verfahren getestet werden."

Quelle: n-tv.de

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