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Produkttests bei Stiftung Warentest: Hersteller konnten manipulieren

Die Versuchung ist groß: Wer vorher weiß, was Stiftung Warentest untersuchen will, kann seine Produkte noch verbessern. Jetzt kam heraus, dass es solche Fälle wirklich gab. Ein Informationsleck machte es möglich. Inzwischen ist es aber geschlossen.

Hersteller von Wasch- und Nahrungsmitteln haben mehrmals versucht, mit kurzfristigen Änderungen am Produkt die Bewertungen der Stiftung Warentest zu manipulieren. Sie hätten offensichtlich aus dem Kuratorium der Stiftung vorab Informationen über Tests erhalten, sagte der Leiter der Untersuchungsabteilung, Holger Brackemann. Die bekannten Fälle lägen allerdings schon "einige Jahre" zurück. Ob und wie oft Produkte dadurch tatsächlich bei Tests bessere Noten erzielt hätten, wisse er nicht. "Das ist grundsätzlich möglich", räumte Brackemann ein. Zuvor hatte die Internetplattform "populeaks.org" das Thema aufgegriffen.

Die Stiftung habe bereits vor vier oder fünf Jahren reagiert und ihr Vorgehen verändert, sagte Brackemann. Seitdem würden die Themen im Kuratorium, das die Stiftung berät, "nur sehr allgemein" besprochen, "zum Beispiel reden wir von einem Test von Säften, ohne das konkrete Segment Apfel- oder Orangensaft zu benennen".

"Wir kaufen ja unsere Produkte anonym im Handel ein wie jeder andere Verbraucher auch", erläuterte Brackemann. "Wenn allerdings ein Anbieter relativ frühzeitig weiß, was und wann wir das testen, dann kann er natürlich die Produktqualität auf dem Markt insgesamt verändern. Das ist nicht bei allen Produkten möglich, aber zum Beispiel bei Wasch- und Reinigungsmitteln oder bei Lebensmitteln." Aus der Vergangenheit seien etwa Fälle bekannt, in denen Waschmittelhersteller ihre Rezepturen kurzfristig verändert hätten. Nach dem Test seien sie dann allerdings zur alten Zusammensetzung zurückgekehrt, heißt es bei "Populeaks".

Der Vorher-nachher-Vergleich

Ob Unternehmen nach einem Test die Produktqualität wieder verschlechterten überprüft die Stiftung dadurch, dass sie Erzeugnisse nach Veröffentlichung des Tests noch einmal kauft und ihre Qualität überprüft. In jüngerer Vergangenheit sei etwa ein Matratzenhersteller aufgefallen, der nach dem Test schlechtere Ware angeboten habe, sagt Brackemann. Stiftung Warentest mache solche Fälle öffentlich. "Das ist natürlich für den Anbieter ausgesprochen peinlich und auch für die Verbraucher ein klares Signal", sagte der Cheftester.

Die Warentester müssten in den Branchen immer "Augen und Ohren offenhalten". Es sei klar, dass ihre Ergebnisse einen großen Einfluss auf die Verkaufszahlen hätten. "Insofern müssen wir immer davon ausgehen, dass versucht wird, irgendwo Einfluss zu nehmen, zu manipulieren", sagte Brackemann.

Quelle: n-tv.de

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