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Für 3 Jahre sind beim Festgeld 1,2 Prozent Zinsen drin.
Für 3 Jahre sind beim Festgeld 1,2 Prozent Zinsen drin.(Foto: imago/McPHOTO)
Mittwoch, 06. September 2017

Tenhagens Tipps: Hier gibt's die besten Zinsen

Die Angebote für Sparer sind in letzter Zeit nicht besser geworden - gleichzeitig steigt aber die Inflation. Der Realzins ist also gesunken - und guter Rat teuer. Genau den hat Finanztip-Chefredakteuer Tenhagen. 

n-tv.de: Immer noch Saure-Gurken-Zeit für Sparer, Herr Tenhagen?

Hermann-Josef Tenhagen: Ja, eigentlich sogar mehr Saure-Gurken-Zeit als vor ein oder anderthalb Jahren. Denn damals war die Inflation nahe null und wenn man da für sein Tagesgeldkonto noch gerade so um die 1 Prozent bekommen hat, dann war dies oberhalb der Inflation. Aktuell bekomme ich eher ein bisschen weniger Zinsen für mein Geld, nur dass die Inflation mittlerweile bei etwas über 1 Prozent angelangt ist. Das heißt, ich verliere tatsächlich Kaufkraft. Denn wenn der nominale Zinssatz unter der Inflationsrate liegt, frisst die Inflation die Rendite auf. Der Realzins wird negativ, der Sparer macht einen Verlust.

Geht das noch lange so weiter?

Die Glaskugel habe ich ja leider auch nicht. Aber was zu sehen ist, ist, dass die Differenzierung bei den Zinsangeboten zunimmt. Es gibt mehr Angebote für Neukunden, wo man dann einen Schnaps mehr bekommt, während bei Bestandskunden in der Tendenz die Zinsen eher gesenkt werden. Letztens hat Consors die Zinsen für Neukunden wieder auf ein Prozent erhöht, gleichzeitig bekommen Bestandskunden aber nur 0,05 Prozent Zinsen – und auch die nur noch für die ersten 100.000 Euro. Wer mehr Geld auf dem Tagesgeldkonto hat, bekommt ab 100.001 Euro gar nichts mehr. Bis vor kurzem gab es noch für bis zu 250.000 Euro die 0,05 Prozent.

Die Botschaft der Banken ist klar: Wir möchten euch gerne als Kunden haben, um euch vielleicht auch noch was anderes zu verkaufen, aber größere Summen, die wir dann auch noch verzinsen und irgendwo lagern müssen, wollen wir gar nicht. 

Abgesehen davon sollten auf einem Tagesgeldkonto ohnehin nicht mehr als zwei bis drei Monatsgehälter für unvorhergesehene Ausgaben geparkt werden. Der Rest, wenn denn in absehbarer Zeit keine höheren Ausgaben anliegen, gehört angelegt.  

Wo gibt es denn die besten Angebote fürs Tagesgeld?

Wenn man das auf Zeit macht -  das Geld also nur für ein paar Monate entsprechend gut verzinst wird - dann sind das Consors (1 Prozent für Neukunden bis 6 Monate - begrenzt auf 50.000 Euro) und die IngDiba (0,75 Prozent für Neukunden bis 4 Monate - begrenzt auf 50.000 Euro) die erste Wahl. Zeitlich unbegrenzt und auch für Bestandskunden zu haben ist das Angebot der PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz: Hier gibt es 0,6 Prozent Zinsen für bis zu 10.000 Euro. Dauerhaft akzeptable Angebote bieten auch Moneyou, eine Tochter der niederländischen Großbank ABN Amro (0,5 Prozent), und Rabodirect (0,4), eine Tochter der niederländischen Volksbanken.

Und fürs Festgeld?

Hier bieten Crédit Agricole Consumer Finance und die Close Brothers am meisten. Erstere bietet 1,01 Zinsen für 2 Jahre und maximal 500.000 Euro. Die zweitgenannten Briten zahlen 1,06 Zinsen für den selben Zeitraum und für bis zu 85.000 Euro.

Und wenn die Zinsen zwischenzeitlich steigen?

Sollte der entgangene Gewinn zu verschmerzen sein. Zum einen rechne ich nicht mit sprunghaft steigenden Zinsen, zum anderen würde es ohnehin etwas dauern, bis die Banken diese an ihre Kunden weitergeben würden. Insofern ist ein Anlagehorizont von 2 Jahren überschaubar. Alternativ können Sparer natürlich auch versuchen, via Zinshopping immer die besten Zinsen zu kassieren. Allerdings ist dies auch mit einigem Aufwand verbunden.

Und wie sicher ist mein Geld bei den genannten Offerten?

Bei Finanztip schauen wir, ob die Bank solide finanziert ist, ein ordentliches Rating hat - also die Bonität der Bank gut ist - und ob die Einlagensicherung in dem Land funktioniert. Dies gilt auch für britische Banken. In EU-Ländern sind 100.000 Euro durch die entsprechende Einlagensicherung geschützt. In Großbritannien sind 85.000 Pfund sicher.

Wer noch mehr Geld derart anlegen möchte, sollte dies auf verschiedenen, solventen Geldinstituten, zu hoffentlich guten Konditionen und in sicheren Herkunftsländern anlegen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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