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Erst für das Steuerjahr 2018 gibt es 2 Monate mehr Zeit.
Erst für das Steuerjahr 2018 gibt es 2 Monate mehr Zeit.(Foto: imago/Christian Ohde)

Geld vom Finanzamt : In 30 Minuten zu viel gezahlte Steuer zurück

Es ist gar nicht lange her, da warb ein Politiker für eine Steuererklärung, die auf einen Bierdeckel passt. Daraus ist nichts geworden, die lästige Pflicht ist hingegen geblieben. Finanztest kennt aber immerhin eine einfache Lösung auf zwei Seiten.

Kennen Sie noch Friedrich Merz? Der war mal Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und warb in seinen aktiven Jahren als Politiker für eine Steuererklärung, die so einfach ist, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Irgendwie ist dessen politische Karriere in der Merkel-Ära versandet. Und mit ihr seine Bierdeckel-Revolution. Geblieben ist hingegen für einige die Pflicht bis zum 31.05. eines jeden Jahres die Steuererklärung abzugegeben.

Nun springt Finanztest in die Bresche und hat zumindest für Arbeitnehmer, die ausschließlich Arbeitslohn erhalten, eine ebenfalls stark reduzierte Version parat: die vereinfachte Steuererklärung auf zwei Seiten. Die erfasst einfache Steuerfälle und ist in kürzester Zeit auszufüllen. Allerdings nur auf Papier. Online ist dieser Weg nicht möglich. Verwendet werden muss der Vordruck "ESt 1V". Hier lassen sich auch Lohnersatzleistungen wie Eltern-, Mutterschafts- und Arbeitslosengeld vermerken.

Abkürzung nicht für jedermann

Von den 16,9 Millionen Arbeitnehmern, die für das Jahr 2015 eine Steuererklärung gemacht haben, wählten allerdings nur 0,5 Prozent den vereinfachten Weg. Was bedauerlich ist, denn neben den zwingend notwendigen Angaben wie Steuernummer, Name, Anschrift, Bankverbindung und eTin (14-stelliger Code auf der Gehaltsabrechnung) sind mit der vereinfachten Erklärung ganze 141 Zeilen gegenüber der ausführlichen Steuererklärung zu sparen.

Allerdings ist die beinahe "Bierdeckellösung" nicht von jedermann verwendbar. So können Ehegatten und Lebenspartner diese nicht nutzen, wenn sie getrennt veranlagt sind. Auch für Rentner, Vermieter, Selbst­ständige, Land­wirte oder Unternehmer entfällt diese Möglichkeit. Genauso wie für Arbeitnehmer mit ausländischen Einkünften und beschränkt Steuer­pflichtige, deren Lebens­mittel­punkt nicht in Deutsch­land liegt. Auch Arbeitnehmer mit Neben­einkünften müssen die klassische Erklärung machen. Es sei denn, sie haben nur inländische Kapital­erträge, die bereits versteuert wurden. 

Apropos Kapitalerträge: wer Kapitaleinkünfte hat, die über dem Freistellungsauftrag von 801 Euro jährlich liegen, oder auf diese noch keine Abgeltungssteuer gezahlt hat, bleibt die Nutzung des ESt 1V-Vordrucks ebenfalls verwehrt.

ESt 1V-Berechtigte sollten hingegen nicht zu früh jubeln, denn der Abzug von Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen ist mit der einfachen Lösung nur im beschränkten Umfang möglich.

Dennoch hält Finanztest die vereinfachte Steuererklärung für all jene geeignet, die zum einen nicht in der Pflicht sind, sich gegenüber dem Finanzamt gerade zu machen, vielmehr aber dazu berechtigt sind und wohlmöglich ansonsten auf eine Steuererklärung und Steuererstattung verzichten würden.  

Quelle: n-tv.de

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