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Tenhagens Tipps : Ist das Vermögen in Gefahr?

Weltweit stürzen die Aktienkurse ab, der Ölpreis verfällt rapide und China schwächelt als Wirtschaftsmotor gewaltig. Wie Anleger auf die Entwicklungen reagieren sollen und ob womöglich eine größere Krise lauert, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

Breit streuen und abwarten - dann sollte es klappen mit der Geldanlage.
Breit streuen und abwarten - dann sollte es klappen mit der Geldanlage.(Foto: imago/Westend61)

Weltweit stürzen die Aktienkurse ab, der Ölpreis verfällt innerhalb von Monaten rapide und China schwächelt als Wirtschaftsmotor gewaltig. Ob und wie Anleger auf die Entwicklungen reagieren sollen und ob womöglich sogar eine größere Krise lauert, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: An den Börsen knallt's. Ist die Aktie doch nicht alternativlos?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Aktie ist ja nicht etwas, für das ich für fünf Tage oder fünf Monate investiere. Aktien sind als Teil einer Geldanlagestrategie ein Langzeitprojekt. Damit meine ich, dass eine Anlage auf Sicht von 15 Jahren getätigt werden sollte. Und dann sollte man auch nicht nur einen Wert besitzen, sondern ein halbes Dutzend bis Dutzend verschiedener Werte. Wenn die Börsen wie derzeit weltweit runtergehen, hilft in aller Regel auch eine Streuung zunächst wenig. Dies ist dann tatsächlich eine Frage der Zeit, bis sich etwaige Verluste wieder ausgeglichen beziehungsweise Gewinne eingestellt haben. Für den Kleinanleger ist ein preisgünstiger, breit streuender Indexfonds die erste Wahl. Finanztip listet besonders Günstige. Hier muss man sich weder um die einzelnen Titel kümmern noch darum, ob der Fondsmanager sein Geld wert ist.

Also kein Grund zur Panik?

Nein, kein Grund zur Panik. Grund zur Sorge hat hingegen derjenige, der sich von seinen bisher erzielten Buchgewinnen - noch nicht realisierte Aktiengewinne - ein Auto kaufen oder das Studium seiner Kinder finanzieren wollte und es verpasst hat, frühzeitig einen Teil seiner Aktien gewinnbringend zu verkaufen. Wichtig ist also auch immer, wenn die Aktienanlage mit bestimmten Zielen verbunden ist und diese erreicht sind, rechtzeitig auszusteigen. Das Auf und Ab der Börsen lässt sich eben nicht sicher vorhersagen.

Sind sichere Anleihen vor diesem Hintergrund vielleicht doch nicht so schlecht?

Die Frage ist hier doch: Woher soll denn die zukünftige Rendite kommen? Entweder sie kommt von den Zinsen oder den Kursgewinnen. Bei den Zinsen lässt sich keine große Rendite erkennen, im Gegenteil, diese sinkt ja schon wieder. Und wenn die Zinsen so niedrig sind, können damit ja auch keine Kursgewinne realisiert werden. Wenn überhaupt, sind diese Staatsanleihen als sicherer Hafen zum Parken geeignet, aber nicht, um damit Rendite zu erwirtschaften. Besser wäre es, eine langfristige Aktienanlage mit einem zwei bis drei Jahre laufenden Festgeld zu kombinieren.

Sehen Sie denn eine große Wirtschaftskrise?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Die eine Frage, die sich stellt, ist: Was passiert in Ostasien, was passiert vor allem in China? Und was hat das für Auswirkungen auf die internationalen Märkte? Hier sind natürlich deutsche Firmen besonders stark betroffen. Denn Deutschland ist das einzige Land, was mehr nach China exportiert als importiert. Der andere Aspekt, der eine Rolle spielt, sind die Verwerfungen, die sich aus den stark gefallenen Rohölpreisen ergeben. Wie immer, wenn irgendein wesentlicher Preis sich am Markt schnell radikal verändert, gibt es eine Reihe von Markteilnehmern, die damit große Schwierigkeiten haben. Es wird sich noch herausstellen, ob einige Protagonisten dadurch in größere Schwierigkeiten geraten. In der Dimension sehe ich aber noch keine größere Wirtschaftskrise durch die genannten Punkte heraufziehen.

Ist denn die "Flüchtlingslawine" eine Chance für Deutschland oder der Untergang des Abendlandes?

Ökonomisch ist das eigentlich eine Chance – wenn wir sie denn wahrhaben wollen. Wir können nicht 20 Jahre lang über die Entwicklung der Demografie klagen und darüber, wer in Zukunft unsere Rente bezahlt und jetzt kommen eine Million Leute zu Fuß von Damaskus nach Berlin gelatscht und könnten das übernehmen und jetzt sagen wir plötzlich, das finden wir aber doof. Die sprechen ja noch nicht hinreichend deutsch. Und wir wissen noch nicht genau, wie wir deren Qualifikation nutzen können. Das Problem ist dieses Europa, welches diese Chance noch nicht als Chance begreifen will. Kanzlerin Merkel wurde jüngst damit konfrontiert, dass es vor Schengen gar nicht so schlimm gewesen sei, worauf sie antwortete, vor Schengen war auch irgendwann, bevor die Mauer fiel. Ich schließe mich dem an und finde, diesen zivilisatorischen Fortschritt sollte man nicht leichtfertig aufgeben.

Was halten Sie von der Bargeldbegrenzung?

Ich bin ja dafür, dass Geldwäsche und Schwarzgeld stärker bekämpft werden sollen. Aber Bargeld ist in der Tat Datenschutz und Freiheit. Immer dann, wenn man den Eindruck bekommt, dass diese Bargeldlimitierungen mit einem größeren Kontrollbedürfnis des Staates einhergehen und wenn dann auch noch parallel Diskussionen vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und EX-US-Finanzminister Larry Summers geführt werden, dass mit der Abschaffung des Bargeldes auch negative Zinsen durchsetzbar wären, dann kann man nicht dafür sein.

Dann ist Gold also zu Recht wieder en vogue?

Ich bin ja immer für einen Schrebergarten. Dessen Produkte können gegessen werden. Im Gegenansatz zu Gold. Noch dazu produziert Letzteres auch keine Zinsen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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