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Eng und holprig: Oft ist das Fahren auf der Straße sicherer als auf dem Radweg.
Eng und holprig: Oft ist das Fahren auf der Straße sicherer als auf dem Radweg.(Foto: imago/MITO)

Unzufrieden mit der Politik: Jeder zweite Radfahrer fühlt sich unsicher

Enge Radwege, holprige Radwege, gar keine Radwege, dafür aber jede Menge Autos - viele Menschen halten Radfahren für gefährlich, manche lassen es deswegen lieber ganz bleiben. Eine Studie liefert eher ernüchternde Ergebnisse über den Radverkehr in Deutschland.

Fast jeder zweite Radfahrer fühlt sich laut einer Umfrage auf deutschen Straßen nicht richtig sicher. Als Gründe wurden vor allem zu wenig getrennte Radwege und zu viel Verkehr genannt, wie der Fahrrad-Monitor 2015 ergab, den das Bundesverkehrsministerium veröffentlicht hat.

"Sehr" oder "meistens sicher" fühlen sich demnach 52 Prozent - "überhaupt nicht" oder "eher nicht" sicher 48 Prozent. Das gefühlte Risiko kann demnach auch ein Grund sein, das Rad stehen zu lassen. Unter den Befragten, die das Rad nicht für Arbeits- oder Schulwege nutzen, gaben 13 Prozent an, das sei ihnen zu gefährlich. Gerade in der Stadt liegt das fast immer am Autoverkehr. Fast zwei Drittel derer, denen das Radfahren zu riskant ist, würden sich mehr Radwege wünschen – die sollten dann aber auch ausreichend breit und klar erkennbar sein.

Ein Drittel trägt Helm

31 Prozent der Umfrageteilnehmer tragen immer oder zumindest meistens einen Helm auf dem Rad. 50 Prozent grundsätzlich nicht. Die Angst um die Frisur spielt etwa bei jedem Dritten eine Rolle, wichtiger ist aber ein anderer Aspekt: Fast zwei Drittel halten den Fahrradhelm für unpraktisch, bei den Männern ist der Anteil noch größer als bei den Frauen. Ein weiteres populäres Argument der Helm-Verweigerer: das Schwitzen am Kopf.

Das größte Problem sehen viele Radler nicht in mangelnden Wegen, sondern im Autoverkehr.
Das größte Problem sehen viele Radler nicht in mangelnden Wegen, sondern im Autoverkehr.(Foto: imago/Jürgen Ritter)

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel nannte es einen "unhaltbaren Zustand", dass sich nach wie vor die Hälfte der Radler nicht sicher fühle. Minister Alexander Dobrindt (CSU) hätte sich längst für bessere Radwege und fahrradfreundlichere Verkehrsregeln einsetzen müssen. Radwege stehen auf jeden Fall auch bei den aktiven Radfahrern ganz oben auf dem Wunschzettel. 63 Prozent von ihnen wünschen sich mehr eigene Wege. Doch auch bei der vorhandenen Infrastruktur ließe sich offenbar einiges nachbessern. Über 40 Prozent der Befragten fordern, Radwege besser zu beleuchten, sie zu verbreitern und den Belag zu verbessern. Vielerorts machen Wurzelschäden oder ungeeignetes Material die Nutzung unattraktiv.     

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert unter anderem ein Bundesprogramm für Radschnellwege. "Hier und da ein paar Markierungen auf die Fahrbahn zu pinseln, ist Symbolpolitik, aber keine Fahrradförderung", kritisiert ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork. Der Parlamentarische Verkehrs-Staatssekretär Norbert Barthle verweist darauf, dass die Radverkehrsförderung in diesem Jahr auf mehr als 100 Millionen Euro aufgestockt worden sei, 98 Millionen Euro davon stünden für Bau und Erhalt von Wegen an Bundesstraßen bereit. Ein grundsätzliches Problem ist aber, dass nicht alle Fördermittel von den Kommunen auch tatsächlich abgerufen werden. So sind in Berlin beispielsweise in den letzten Jahren fast ein Drittel der Gelder verfallen.

Schlechte Noten für die Politik

Der Politik stellten die Befragten dann auch ein eher schlechtes Zeugnis aus. Nur zwölf Prozent stuften die Bundesregierung als fahrradfreundlich ein, der Großteil würde die Arbeit allenfalls mit den Schulnoten "drei" oder "vier" bewerten. Ein wenig besser ist die Einschätzung über das Engagement der Landesregierungen, hier vergaben fast 20 Prozent gute oder sehr gute Noten. Gut 80 Prozent waren allerdings der Meinung, die Politik in ihrem Wohnort solle sich stärker mit dem Thema Radverkehr befassen. "Radfahren macht in meiner Gemeinde Spaß", fanden nur 56 Prozent der Befragten. Im "Fahrrad-Monitor" von 2011 waren es noch 65 Prozent.

Obwohl die Infrastruktur von vielen als unzureichend empfunden wird, lassen sich nur wenige komplett vom Radfahren abschrecken. Über drei Viertel aller Befragten haben mindestens ein Rad zur Verfügung, im Schnitt sind es 2,4 Räder pro Haushalt. Und die werden dann auch genutzt - wenn auch nur gelegentlich. Fast 40 Prozent steigen mehrmals pro Woche oder täglich aufs Rad, meist für Erledigungen oder für Ausflüge. Auch für Arbeitswege wird das Rad wieder beliebter. 38 Prozent der Befragten nutzen ihr Rad allerdings "selten bis nie". 2011 waren es noch 34 Prozent. 

Für die Umfrage wurden im August vergangenen Jahres 2000 Deutsche zwischen 14 und 69 Jahren online vom Institut Sinus befragt.

Quelle: n-tv.de

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