Ratgeber
(Foto: imago stock&people)
Donnerstag, 02. April 2015

Mit Forward-Darlehen Zinsen sichern: Jetzt abschließen – oder pokern?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Bauherren, die sich vorschnell für eine Anschlussfinanzierung per Forward-Darlehen entschieden haben, erlitten in den vergangenen Jahren herbe Verluste. Inzwischen allerdings sind die Risiken überschaubar.

Die Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 hat die Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Weltweit fluteten Notenbanken die Märkte mit Geld. Die zu erwartenden Effekte – Inflation und steigende Hypothekenzinsen – bleiben jedoch aus. Denn die Liquidität floss nicht in den Wirtschaftskreislauf, sondern in die Rettung von klammen Banken und Staaten. Die Folge: Staatsanleihen - und im Schlepptau auch die Hypothekenzinsen – wurden immer billiger.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

In Erwartung der kommenden Inflation zu Beginn der Krise wollten selbst Bauherren, die schon eine Finanzierung laufen hatten, davon profitieren. Etliche schlossen noch schnell ein sogenanntes Forward-Darlehen ab: Mit diesem Produkt schreiben Kunden, die noch einen laufenden Kredit zu bedienen haben, das aktuelle Zinsniveau auch für die Zukunft fest. Sie sichern sich also gegen potenzielle Zinssprünge in der Zukunft ab. Bezahlt wird dies mit einem Aufschlag auf die Zinsen des Forward-Darlehens.

Wie die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre zeigt, war der Abschluss seit Krisenbeginn aber die falsche Entscheidung. Die Zinsen sanken immer weiter, die späteren tagesaktuellen Konditionen waren deutlich günstiger als die teuer erkauften Forward-Darlehen. Doch einmal unterschriebene Verträge sind bindend, eine vorzeitige Kündigung aufgrund der zu zahlenden Vorfälligkeitsentschädigung ein Verlustgeschäft.

Wie sieht es in den kommenden Jahren aus?

Gerade hat die EZB damit begonnen, monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt zu pumpen. Bis September 2016 soll das so gehen. Mindestens. Doch was bedeutet das für den deutschen Zinsmarkt? Lohnt es sich, weiter auf sinkende Zinsen zu spekulieren? Oder empfiehlt sich inzwischen doch der Abschluss eines Forward-Darlehens?

Zinsentwicklung: Hypothekenzinsen und Bundesanleihen.
Zinsentwicklung: Hypothekenzinsen und Bundesanleihen.

Mit absoluter Verbindlichkeit kann diese Fragen natürlich niemand beantworten. Wir von der FMH Finanzberatung erwarten allerdings nicht, dass das jüngste EZB-Programm den deutschen Zinsmarkt über längere Zeit besonders stark beeinflussen wird.

Wichtigere Impulse könnten vielmehr aus Übersee kommen. Wir rechnen damit, dass die US-amerikanische Notenbank im Sommer damit beginnen wird, die Leitzinsen langsam wieder anzuheben. Das hätte auch bei uns leicht steigende Hypothekenzinsen zur Folge. Zudem könnten sich das Ansteigen des Ölpreises, auch wegen des Euroverfalls und die damit möglicherweise verbundene Inflationssteigerung negativ auf unser Zinsniveau auswirken. Es ist daher durchaus überlegenswert, in den kommenden sechs Monaten eine Anschlussfinanzierung für die Zeit in zwei bis fünf Jahren per Forward-Darlehen zinsfest zu machen. Dies gilt umso mehr, als die Produkte derzeit relativ günstig zu haben sind.

Günstige Angebote

Bis vor Kurzem betrug der Forward-Aufschlag pro Jahr Vorlaufzeit etwa 0,25 Prozentpunkte. Aktuell liegt der Zinsaufschlag selbst für 60 Monate nur bei durchschnittlich 0,85 Prozentpunkten. Für die Vorlaufzeit von 12 Monaten gibt es zudem viele Anbieter, die ohne Zinsaufschlag sehr attraktive Konditionen auch für Kurzentschlossene bieten.

Das Risiko, ein Forward-Darlehen womöglich trotzdem noch ein paar Zehntel Prozent zu teuer abgeschlossen zu haben, gibt es natürlich immer. Der Schaden wäre in diesem Fall aber überschaubar – und die sofortige Sicherheit den kleinen Verlust allemal wert.

In den Forward-Berechnungen der FMH, die auch auf bei n-tv.de verwendet werden, sind alle Aufschläge bereits eingearbeitet. Wer sich für ein Forward-Darlehen entscheidet, könnte auch gleich eine passende Zinsbindung wählen, innerhalb der er sein Restdarlehen auch tilgen kann. Damit wäre das Thema Zinsänderungsrisiko erledigt.

Quelle: n-tv.de

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