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Ratgeber

Mittwoch, 08. Oktober 2008

Angst vor Bankenpleiten: Jetzt mein Geld zur Sparkasse?

Vertrauen ist der Anfang von allem. Das war in den 90er Jahren der Werbeslogan der Deutschen Bank. Heute ist er wieder brandaktuell. Die Sparer fragen sich, wem sie ihr Geld in diesen Tagen noch anvertrauen können. Zocken war gestern, heute zählt Sicherheit.

Einige der geächteten Investmentbanker haben kräftig umgeschichtet und ihr Geld bei Sparkassen und Volksbanken untergebracht. Die oft als klein und für weniger vermögende Kunden verspotteten Geldhäuser profitieren zurzeit von der Finanzmarktkrise. Sie freuen sich über gewaltige Geldzuflüsse. So verbucht die Sparkasse Köln-Bonn seit Mitte September eigenen Angaben zufolge zusätzliche Gelder in Höhe von 355 Millionen Euro. Sie zählt zu den größten Sparkassen in Deutschland. Bei der Sparkasse Düsseldorf ist von 200 Millionen Mittelzufluss die Rede. Die Genossenschaftsbanken sprechen von sprunghaft gestiegenen Einlagevolumen und Neukunden. Die Sparkassen nutzen die Finanzkrise sogar für ihre Werbung: "Ist Ihre Bank weg? Dann schauen Sie doch einfach mal in unserer Bank vorbei."

Doch ist das Geld bei den Sparkassen wirklich sicherer als bei den deutschen Privatbanken? Auf den ersten Blick schon. Denn der Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken ist auf 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des jeweiligen Instituts beschränkt. Bei der Deutschen Bank wären dies beispielsweise 7,5 Milliarden Euro, bei der Commerzbank 3,8 Milliarden Euro und bei der Postbank 1,2 Milliarden Euro pro Kunde. Das sind natürlich nur theoretische Werte, denn der gesamte Einlagensicherungsfonds ist nur rund 5 Milliarden Euro schwer.

Institutshaftung statt Einlagensicherungsfonds

Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken greift die so genannte Institutshaftung. Was das heißt, erklärt die Sparkassen-Finanzgruppe so: "Der Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe sichert den Bestand aller 443 Sparkassen und damit auch – zu hundert Prozent – die Einlagen der Kunden." Das ist natürlich auch nur ein theoretischer Wert. Thorsten Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW, gibt zu bedenken, dass der Institutsschutz wenig helfen dürfte, wenn tatsächlich mal ein paar größere Sparkassen in finanzielle Schieflage gerieten.

Die Sparkassen argumentieren zudem, dass seit Gründung des Haftungsverbundes der Sparkassen-Finanzgruppe in den 1970er Jahren "noch nie ein Kunde eines Mitgliedsinstituts einen Verlust seiner Einlage erlitten hat, noch nie Einleger entschädigt werden mussten und es bei keinem Mitgliedsinstitut zu einer Leistungsstörung bei der Bedienung von Verbindlichkeiten oder gar einer Insolvenz gekommen ist". Die Sparkassen-Finanzgruppe verschweigt allerdings, dass einzelne Sparkassen immer mal wieder unter finanziellen Druck geraten sind und vom Verbund gestützt werden mussten.

Wenn nichts mehr hilft, helfen Steuergelder

Ein schlagkräftigeres Argument liegt eigentlich in dem Geschäftsmodell der Sparkassen. Das Kerngeschäft besteht in der Vergabe von Krediten, die durch die Einlagen der Kunden finanziert werden. Allerdings stehen die Sparkassen auch für ihre Landesbanken ein, die in der Immobilienkrise bislang fast ausschließlich für negative Schlagzeilen und riesige Probleme gesorgt haben. Wenn die Verbundsicherung der Landesbanken untereinander und der Haftungsverbund der Sparkassen bei den Landesbanken nicht mehr hilft, steht am Ende bei den Landesbanken noch die Gewährträgerhaftung, also z.B. ein Bundesland und somit im Endeffekt der Steuerzahler.

Seit dem vergangenen Wochenende ist klar, dass der Staat auch bei den privaten Banken im Notfall einspringt, damit keine Kundengelder, die auf Giro-, Spar-, Tagesgeld- und Termingeldkonten liegen, verloren gehen. Was die Bundesregierung damit bezwecken will, ist klar. Beruhigen, keine Panik erzeugen und die Menschen in Sicherheit wiegen. Denn Vertrauen in das Bankensystem ist das einzige, was das System vorm Zusammenbruch bewahren kann. Würden heute die Bundesbürger loslaufen und alle ihre Guthaben abheben wollen, würde das Bankensystem mit großer Wahrscheinlichkeit zusammenbrechen. Da spielt es dann keine Rolle mehr, welcher einzelnen Bank Sie Ihr Vertrauen geschenkt haben.

Übrigens: Das Geld, was jetzt in Spar- und Tagesgeldanlagen bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken fließt, wird nicht bei den Privatbanken abgezogen. Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Dresdner Bank verbuchen hier ebenfalls Stabilität oder Zuwächse. Die mit dem Einlagengeschäft bekannt gewordenen Direktbank ING Diba verzeichnet im September sogar einen der stärksten Monate der Geschichte. Die Gelder werden wahrscheinlich eher aus anderen Anlageformen abgezogen.

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