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Auch Prepaid-Karten werden für Betrügereien genutzt.
Auch Prepaid-Karten werden für Betrügereien genutzt.(Foto: dpa)
Freitag, 13. Oktober 2017

Von Betrügern gelinkt: Kassiererin muss Schaden nicht zahlen

Betrüger sind clever. Das musste auch eine Tankstellen-Mitarbeiterin erfahren. Sie fiel auf deren Masche herein, was erheblichen Schaden verursachte. Den zahlte zwar die Versicherung, verklagte aber daraufhin die Frau.

Wer im Job auf Betrüger hereinfällt, muss für den Schaden nur bei grober Fahrlässigkeit aufkommen. Die Fahrlässigkeit tritt eventuell auch dann nicht ein, wenn jemand gegen ausdrückliche Betriebsanweisungen verstößt - etwa dann, wenn die Betrüger sehr geschickt vorgehen oder technische Schutzmaßnahmen gegen Betrug versagen. Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts (LSG) Düsseldorf (Az.: 14 Sa 334/17) hervor, auf das der Bund-Verlag hinweist.

In dem verhandelten Fall ging es um eine Kassiererin, die an einer Tankstelle arbeitete und unter anderem Prepaid-Karten für Handys verkaufte. An einem Abend rief bei ihr jemand an, der sich als Mitarbeiter einer Telefongesellschaft ausgab. Der Anrufer gab vor, dass wegen einer Systemumstellung alle Prepaid-Karten ausgetauscht würden. Dafür werde in Kürze ein Kollege anrufen und die Codes aller Karten in der Tankstelle erfragen. Minuten später rief tatsächlich ein zweiter Mann an. Der Coup gelang - die Kassiererin scannte daraufhin alle Karten ins System und gab die Codes telefonisch durch - insgesamt 124 Stück mit einem Gesamtwert von 3720 Euro.

Zwar erstattete die Versicherung der Tankstellen-Inhaberin den Schaden, diese zog dann aber trotzdem gegen die Kassiererin vor Gericht - ohne Erfolg, wie das Gericht entschied. Die Kassiererin sei zwar während ihrer Einarbeitung angewiesen worden, Prepaid-Codes nicht am Telefon herauszugeben. Die Betrüger hätten jedoch professionell gehandelt, unter anderem durch den doppelten Anruf und mit dem Vortäuschen einer falschen Telefonnummer. Außerdem hätte das System die Kassiererin beim Scannen der Codes eigentlich vor der telefonischen Herausgabe warnen müssen. Das sei aber nicht passiert. Insofern treffe die Mitarbeiterin keine Schuld, so das LSG.

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Quelle: n-tv.de

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