Ratgeber
(Foto: imago/Revierfoto)
Dienstag, 18. Juli 2017

Immobilienpreise im Check: Kaufen oder mieten?

Die Immobilienpreise gehen mancherorts nach wie vor durch die Decke. Am stärksten steigen sie dort, wo es ohnehin schon teuer war. Ob überhaupt noch ein Kauf lohnt, zeigt eine Untersuchung von Finanztest.

Die eigene Immobilie ist beliebt - mehr denn je. Verantwortlich dafür ist auch die lang anhaltende Niedrigzinsphase, die nicht nur Sparer beutelt, sondern auch dafür gesorgt hat, dass Baugeld billig wie nie zu haben ist.

Da es fürs Ersparte ohnehin kaum Zinsen gibt, legen viele Verbraucher ihr Geld in Immobilien an. Mit dem Resultat, dass in Groß- und Universitäts­städten kaum ­freie Wohnungen zu haben sind. ­­Der Wohnungs­bau kommt zwar in Schwung, doch die Fertigstel­lungen hinken dem Bedarf weit hinterher. Und so werden Häuser und Wohnungen immer teurer. Finanztest hat in seiner neusten Ausgabe die Kaufpreise und Mieten in 115 Städten und Kreisen verglichen und zeigt, wie Käufer rechnen müssen, um keine überhöhten Preise zu zahlen.

Denn 2016 sind die Preise mancherorts sogar noch stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Für eine Eigentums­wohnung zahlten Käufer Ende 2016 im Durchschnitt 7 Prozent mehr als Ende 2015. In München und Berlin kletterten die Preise sogar um mehr als 11 Prozent. Im Gegensatz zu Städten wie Chemnitz oder Duisburg - denn hier haben sich die Preise in den letzten fünf Jahren kaum verändert.

Analog dazu haben sich die Mieten entwickelt. In Boomstädten wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, München, Nürnberg, Düsseldorf, Stuttgart, Heidelberg und Münster konnte in den letzten Jahren in sehr guten Lagen ein Anstieg zwischen 30 und 50 Prozent beobachtet werden. In weniger gefragten Teilen der Republik hingegen stiegen die Mieten nicht signifikant. 

Ist der Markt bereits überhitzt?

Und auch wenn die Preisrallye auch noch einige Jahre weitergehen kann - es mehren sich die Stimmen, die vor einer Über­hitzung des Immobilienmarktes warnen. So schätzt etwa die Bundes­bank, dass die Haus- und Wohnungs­preise in einigen Städten bereits 2016 um 15 bis 30 Prozent über­höht waren. In Berlin, Hamburg und München zahlen Käufer für eine Eigentumswohnung beispielsweise durchschnittlich ­schon mehr als 27 Jahres­mieten, teil­weise sind es sogar mehr als 30 Jahresmieten­. Das entspricht einer anfänglichen Nettomietrendite von nur 2 Prozent, wie Finanztest berichtet.

Solange die Zinsen auf einem niedrigen Niveau verharren, kann die Rechnung von Investoren noch weiter funktionieren. Doch spätestens dann,  wenn sich Baugeld deutlich verteuert, würden viele Selbstnutzer als Käufer ausfallen, da sie sich teure Kredite und die hohen Kaufpreise nicht mehr leisten können. Aber auch eine sich abschwächende Konjunktur könnte den Markt kippen lassen. So oder so, Käufer sind in jedem Fall gut beraten, nicht davon auszugehen, dass die Immobilienpreisentwicklung immer so weitergeht.

Zudem ist die eigene Immobilie als reine Altersvorsorge nur dann attraktiv, wenn auch noch anderes Vermögen vorhanden ist. Mietfrei zu wohnen ist schön, allerdings nur, wenn auch genug Reserven vorhanden sind, um nötige Reparaturen und laufende Kosten zu bezahlen.

Wer nun meint, dort zu kaufen, wo die Preise nicht gestiegen sind, sollte beachten, dass dort vermutlich niemand mehr wohnen möchte - was sich dann vermutlich auch in Zukunft nicht ändert. Wer damit kein Problem hat, die Immobilie selbst nutzen möchte und sich in der Gegend wohlfühlt, ohne auf einen höheren Verkaufspreis zu spekulieren, ist dann natürlich fein raus. 

Ungeachtet dessen sollten Käufer die Nebenkosten des Immobilienerwerbs beachten: Mehrwertsteuer, Grunderwerbssteuer, Grundbucheintrag et cetera machen schnell 13 oder 14 Prozent des Kaufpreises aus. 

Quelle: n-tv.de

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