Ratgeber

Anlageberatung in der Kritik: Keine einheitlichen Protokolle

Was Bankberater bei Wertpapier-Anlagen versprechen, muss in einem Protokoll festgehalten werden. Doch Verbraucherschützer sehen Mängel und fordern mehr Standardvorgaben - das Finanzministerium sagt nein.

Anleger sollten die Beratungsprotokolle genau anschauen. Verstehen sie in dem Papier etwas nicht, sollten sie ihren Berater darauf ansprechen.
Anleger sollten die Beratungsprotokolle genau anschauen. Verstehen sie in dem Papier etwas nicht, sollten sie ihren Berater darauf ansprechen.(Foto: Ilja C. Hendel fuer BMF)

Trotz massiver Kritik an den vorgeschriebenen Gesprächsprotokollen für Bankkunden nach einer Wertpapierberatung will das Bundesfinanzministerium keine stärkere Vereinheitlichung. "Eine Standardisierung der Dokumentation wäre nicht zielführend", heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Die Verbraucherzentralen hatten erhebliche Mängel bei den Dokumentationen beklagt und fordern gesetzliche Standardvorgaben für den Inhalt. Die Grünen kritisierten, die Vergleichbarkeit der Bankberatung bei Geldanlagen sei nach wie vor mangelhaft.

Das Finanzministerium argumentierte, letztlich könne nur der Kunde beurteilen, "ob und in welchem Umfang er bereit ist, Risiken zu tragen" und die Funktionsweise einer Anlage verstanden hat. Dies lasse sich "durch ein stark standardisiertes Protokoll weniger gut abbilden". Den bemängelten Ungenauigkeiten könne "nur durch eine konsequente Mitwirkung der Kunden" und die Nutzung der freien Textfelder der Protokolle begegnet werden, heißt es in der Antwort.

Seit 1. Januar 2010 sind Institute verpflichtet, Kunden eine schriftliche Zusammenfassung von Beratungsgesprächen auszuhändigen, wenn die Rede auf Wertpapiere kommt, also etwa Aktien oder Fonds. Nach Ansicht der Verbraucherzentralen können sich Kunden aber oft nicht auf das Protokoll verlassen, das teils gar nicht ausgehändigt werde. Laut einer im März vorgestellten Stichprobe von 50 Gesprächen in 50 Geldinstituten passierte dies achtmal. In 40 Prozent der Fälle sollten Kunden unterschreiben, obwohl dies nur der Berater muss. Auch die Risikobereitschaft von Kunden werde nicht korrekt dokumentiert.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Nicole Maisch, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "In Deutschland fehlen neben standardisierten Protokollen klare Vorgaben für Schulung und Ausbildung von Finanzberatern." Dies gelte auch für Angaben über die Höhe der kassierten Provisionen. "Verbraucher erfahren häufig nichts über die wahren Kosten eines Finanzproduktes oder werden über die Rentabilität getäuscht." Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verlasse sich lieber auf "zahnlose Selbstverpflichtungen" der Kreditwirtschaft, statt selbst für besseren Anlegerschutz zu sorgen.

Das Bundesfinanzministerium wies Kritik der Verbraucherzentralen zurück, die Protokolle schützten eher Berater vor Schadenersatz als Kunden vor Falschberatung. Die Aufzeichnungen "schaffen sowohl für Verbraucher als auch für Berater und Vermittler grundsätzlich Rechtssicherheit durch einen schriftlichen Nachweis über den Verlauf eines Beratungsgesprächs; sie führen nicht zur einseitigen Bevorzugung der Berater und Vermittler." Zum eigenen Schutz obliege es dem Verbraucher, "den Inhalt des Protokolls sorgfältig auf eine wahrheitsgetreue Wiedergabe des Beratungsgespräches zu überprüfen".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen