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Stromversorger schlafen: Keiner bietet smarte Tarife

So hat sich das der Gesetzgeber sicher nicht vorgestellt: Seit Anfang des Jahres müssen Stromanbieter sogenannte intelligente Tarife anbieten, die den Strompreis abhängig von der Verfügbarkeit regeln. Doch die Versorger starten allenfalls halbherzige Versuche, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

Seit Januar müssen "intelligente Stromzähler" bei Neubauten und Vollrenovierungen eingebaut werden.
Seit Januar müssen "intelligente Stromzähler" bei Neubauten und Vollrenovierungen eingebaut werden.

Mindestens 22 Stromversorger erhöhen zum Beginn des kommenden Jahres wieder die Preise, im Schnitt dürfte Strom im Laufe von 2012 nach Schätzung von Experten rund vier Prozent teurer werden. Um ihre Stromrechnung trotzdem zu senken, sollten Verbraucher eigentlich auf intelligente Tarife zurückgreifen können - doch diese sind auch knapp ein Jahr nach ihrem Pflichtstart noch immer keine attraktive Alternative geworden: Die Zukunft des smarten Stromverbrauchs lässt weiter auf sich warten.

Die Idee hinter intelligenten Stromtarifen ist recht einfach: Immer wenn wenig Strom verbraucht oder viel davon angeboten wird, ist er billig. Das soll die Nachfrage zu diesen Zeiten stärken und Strom insgesamt günstiger machen. Also müsste Strom etwa nachts billiger werden, vor allem aber, wenn viel Wind weht oder die Sonne strahlt und deshalb viel Ökostrom in die Netze eingespeist wird. Erkennen können das intelligente Stromzähler, die dann beispielsweise der Waschmaschine das Signal zum Anschalten geben.

Die Technik ist vorhanden

Die Voraussetzungen dafür sind an sich weitgehend gegeben: Seit 2010 schon müssen Neubauten mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden, und auch andere Verbraucher können sich auf Wunsch ein solches sogenanntes Smartmeter einbauen lassen. Und passende Haushaltsgeräte werden entwickelt: Miele etwa stellte eine Waschmaschine vor, die mit dem Computer verbunden werden kann. Passende variable Stromtarife müssen die Versorger seit Anfang dieses Jahres anbieten.

Die meisten dieser Angebote sind für Verbraucher aber gänzlich uninteressant, sagen Branchenkenner. "Die derzeit bereits existierenden zeitvariablen Tarife haben lediglich eine Alibifunktion", sagt Jürgen Scheurer vom Verbraucherportal Verivox. Auch die Verbraucherzentrale Sachsen klagt, in den meisten Fällen hätten die Anbieter nur ihre alten Tarife mit teurem Strom am Tag und günstiger Energie in der Nacht wieder aus der Schublade geholt.

Änderung im Stundentakt

Einige Stromanbieter experimentierten derzeit auch mit weitergehenden Tarifen, ergab eine Untersuchung von Verivox. "So gibt es etwa Tarife mit sechs unterschiedlichen Zeitzonen, oder ein Teil des Strompreises wird an den stundengenauen Spotmarkt der Strombörse gekoppelt", sagte der Leiter Energiewirtschaft bei Verivox, Peter Reese. Diese komplizierten Konstruktionen seien aber nur attraktiv, wenn die Mühe der Verbraucher mit entsprechend günstigen Preisen belohnt werde. "Das ist bisher noch nicht der Fall."

Was bislang vor allem fehlt, sind sogenannte lastabhängige Tarife: Dann richtet sich der Strompreis nicht einfach nach der Tageszeit, sondern nach der Verfügbarkeit von Strom - was beim Ausbau erneuerbarer Energien angesichts ihrer schwankenden Verfügbarkeit besonders wichtig ist.

Die Voraussetzungen für solche Tarife schafft derzeit die Bundesnetzagentur. In einem komplizierten Verfahren muss sie sogenannte Lastprofile entwickeln, die dann die Grundlage für entsprechende Angebote bilden. Bis dahin bringen die intelligenten Stromzähler und die passenden Tarife wenig: Um mit den bislang angebotenen variablen Tarifen nennenswert Geld zu sparen, "muss das tägliche Leben dem Diktat des Stromzählers unterworfen werden", sagt Verivox-Experte Reese. Mit klassischen Stromspar-Maßnahmen und dem Wechsel zu einem günstigeren Anbieter sei das Sparen viel einfacher.

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Quelle: n-tv.de

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