Dienstag, 27. Juli 2010
Keiner darf raus: Kfz-Versicherte in Geiselhaft
Eine Autoversicherung schließt man ab, damit diese im Schadensfall einspringt. Das können zwei von der Pleite bedrohten Gesellschaften nicht gewährleisten. Trotzdem wollen sie die Kunden nicht aus den Verträgen lassen.
Ob der Versicherungsschein das Papier wert ist, auf dem es gedruckt ist, bleibt für Kunden unklar.
(Foto: Claudia Hautumm, pixelio.de)
Zwei von der Pleite bedrohte Kfz-Versicherer wollen ihre Kunden nicht kündigen lassen. Ein außerordentliches Kündigungsrecht bestehe nicht, erklären die Versicherer Ineas und Lady Car Online auf ihrer Internetseite, wie der Bund der Versicherten (BdV) mitteilt. Die beiden Versicherer, die selbst womöglich nicht mehr für Schäden ihrer Mitglieder aufkommen können, raten dazu, eine zweite Kasko-Versicherung abzuschließen und damit dann die Kfz-Versicherung teils doppelt zu bezahlen.
Der Bund der Versicherten kritisierte die Erklärungen der Versicherer scharf. "Mehr Kunden-Verhöhnung geht nicht", erklärte Lilo Blunck. Der BdV fügte hinzu, kaum ein Experte zweifle noch daran, dass Kunden einer Versicherung in Geldnot ein Recht auf Sonderkündigung hätten. Auch Versicherungsombudsmann Günter Hirsch, der für die Vermittlung in Streitfällen von Versicherungen und Kunden zuständig ist, sei dieser Ansicht, teilte der BdV mit.
Versicherungsschutz sicherstellen
Kunden der beiden Kfz-Versicherungen sollten deshalb kündigen und parallel bei einem anderen Versicherer abschließen, um nicht ohne Versicherungsschutz zu sein. Mehrere Anbieter böten dafür bereits verbraucherfreundliche Lösungen an.
Die Versicherungen Ineas und Lady Car Online gehören zur niederländischen International Insurance Corporation (IIC). Sie hatten mit günstigen Tarifen und mit Rabatten speziell für Frauen geworben und so in den vergangenen Jahren mehr als 50.000 Kunden in Deutschland an sich gebunden. Ende Juni hatte die niederländische Justiz den Versicherer unter Insolvenzverwaltung gestellt.
Bei Haftpflichtschäden, also anderen Verkehrsteilnehmern zugefügten Schäden, müssen Kunden der beiden Versicherungen wegen der drohenden Pleite mit einem Selbstbehalt von 2500 Euro rechnen. Den Rest zahlt die Verkehrsopferhilfe, der Garantiefonds der deutschen Kfz-Versicherer. Kaskoschäden müssen weiter bei Ineas und Lady Car Online eingereicht werden. Ob die Versicherungen aber noch genug Geld haben, die Schäden zu begleichen, ist unklar.
Vergleichsrechner - Kfz-Versicherung
AFP
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