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NS-Verharmlosung bemängelt : Können Eltern bei Schulbüchern mitreden?

Durch Schulbücher bekommt der Unterricht einen Leitfaden, wie einen heimlichen Lehrplan. Da verwundert es nicht, dass Eltern gerne bei der Auswahl des Lesestoffes mitbestimmen möchten. Erst recht, wenn das Unterrichtsmaterial umstrittene Aussagen zum 2. Weltkrieg enthält.

Das Berliner Schulgesetz verleiht weder Eltern noch Schülern einen Anspruch auf Verwendung bestimmter Lehr- und Lernmittel.
Das Berliner Schulgesetz verleiht weder Eltern noch Schülern einen Anspruch auf Verwendung bestimmter Lehr- und Lernmittel.(Foto: imago/fotoimedia)

Eltern können nicht verlangen, dass in der Schule bestimmte Schulbücher nicht verwendet werden. Dies hat das Verwaltungsgericht (VG) Berlin entschieden (Az.: VG 3 K 84 15).

In dem verhandelten Streitfall klagte der Vater eines 17-jährigen Schülers, der eine Oberschule in Berlin besucht, gegen die Verwendung eines bestimmten Buches im Geschichtsunterricht. In diesem, so der Vorwurf, wird die Landung der alliierten Truppen in Frankreich am 6. Juni 1944 fälschlicherweise als "Invasion" bezeichnet. Diese Darstellung hält der Vater für unzutreffend, da die Alliierten nicht als "Invasoren" angesehen werden könnten. Die Darstellung verunglimpfe somit die gefallenen Soldaten. Zudem werde der Überfall der Wehrmacht auf seine westlichen Nachbarn im Jahr 1940 in dem Buch verharmlosend als "Offensive im Westen" bezeichnet.

Im Unterricht wurden die kritisierten Formulierungen daraufhin mit den Schülern diskutiert. Dem Vater reichte dies nicht. Er forderte von der Schulverwaltung die Verwendung eines anderen Geschichtsbuches. Er argumentierte, das Berliner Schulgesetz verpflichte die Schule zur Stellungnahme gegen die Gewaltherrschaft des NS-Regimes. Als diese das Anliegen ablehnte, zog er vor Gericht.

Die Klage blieb erfolglos. Nach der Auffassung des VG ist der Vater nicht klagebefugt, da er durch die Verwendung des Schulbuchs nicht in eigenen Rechten verletzt wird. Demnach verleiht das Berliner Schulgesetz weder Eltern noch Schülern einen Anspruch auf Verwendung bestimmter Lehr- und Lernmittel.

Auch verletzen die konkreten Formulierungen nicht das staatliche Neutralitätsgebot, denn sie sind in dem Buch Teil einer Schilderung militärischer Vorgehensweisen. Zudem wird auch in den Ländern der beteiligten Alliierten der Begriff "Invasion" für die Landung in der Normandie verwendet. Auf eine Verunglimpfung der alliierten Soldaten oder eine Verharmlosung der Angriffe der Wehrmacht deutet nach Meinung des VG in dem Schulbuch nichts hin.

Quelle: n-tv.de

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