Ratgeber

Bausparverträge mit Tücken: Kombikredite sind oft Mogelpackungen

Finanzierungsmodelle für Immobilien mit Hilfe von Bausparverträgen sind weit verbreitet. Nichtsdestotrotz wird bei der Angabe der tatsächlichen Darlehenskosten für die Gesamtlaufzeit oft geschummelt. Eine für den Verbraucher teure Gesetzeslücke macht dies möglich.

Wieso der Gesetzgeber bisher auf den Etikettenschwindel der Branche nicht reagiert hat, bleibt schleierhaft.
Wieso der Gesetzgeber bisher auf den Etikettenschwindel der Branche nicht reagiert hat, bleibt schleierhaft.

Die Immobilienfinanzierung mit einer Kombination aus einem Darlehen und einem Bausparvertrag gilt als sicher, flexibel und günstig - und viele Verbraucher greifen zu. Idealerweise haben diese Kombikredite tatsächlich die vermuteten Eigenschaften. In der Vergangenheit waren Kredite von Bausparkassen oft wirklich günstiger als vergleichbare Bankangebote.

Doch wie "Finanztest" herausgefunden hat, ist bei den Angeboten Vorsicht geboten, viele derartige Finanzierungen sind Mogelpackungen. Denn eine Gesetzeslücke erlaubt es den Bausparkassen, für Kombikredite mit irreführenden Effektivzinsen zu werben. Oft fallen durch die zu niedrig deklarierten Belastungen zusätzliche Kreditkosten von vielen tausend Euro an. Den wirk­lichen Effektivzins müssen Bausparkassen bislang nur für ihre Kombikredite mit staatlicher Riester-Förderung nennen.

Zunächst werden keine Schulden getilgt

Grundsätzlich unterscheiden sich Kombikredite von gewöhnlichen Bank­krediten vor allem durch die Art, wie der Kunde seine Schulden tilgt. Der Kreditnehmer zahlt für sein Darlehen zunächst nur Zinsen. Gleich­zeitig über­weist er jeden Monat Beiträge in einen Bauspar­vertrag - statt Schulden zu tilgen. Dabei entspricht die Bausparsumme des Vertrags dem Kredit­betrag. Ist beim Bauspar­vertrag das Mindest­guthaben erreicht und er damit zuteilungsreif, löst der Kunde sein Darlehen mit der Bausparsumme auf einen Schlag ab. Danach muss er die Raten aus Zins und Tilgung für das Bauspardarlehen abzahlen.

Für Immobilienkäufer, die kein Zins­risiko eingehen wollen, können Kombikredite eine gute Alternative zu Bank­darlehen sein. Denn das Darlehen und der Bauspar­vertrag sind meist so aufeinander abge­stimmt, dass die Zinsen für die gesamte Lauf­zeit der Finanzierung fest­stehen. Doch sie dürfen sich von der Bank oder Bausparkasse nicht über den Preis täuschen lassen.

Ein laut "Finanztest" branchentypisches Angebot kommt von der Deutschen Bank: Hier wird ein Kombikredit in Höhe von 100.000 Euro mit einer Laufzeit von fast 25 Jahren offeriert. Für das 15-jährige Vorausdarlehen bis zur Zuteilung des Bausparvertrages wurde von der Bank ein Effektivzins von 3,25 Prozent genannt. Das anschließende Bauspardarlehen mit neuneinhalb Jahren Laufzeit gab sie mit 2,98 Prozent an. Dabei sind beide Zinsangaben für sich genommen korrekt - und führen dennoch in die Irre. Denn über die Gesamtlaufzeit von 25 Jahren liegt der (Gesamt-) Effektivzins bei 4,05 Prozent.

Darlehenskosten oft deutlich höher

Tatsächlich liegt der Effektivzins der Kombikredite beinahe immer deutlich über den Effektivzins der einzelnen Kreditbausteine - denn für das Geld das die Kunden in den Bausparvertrag einzahlen, bekommen sie viel weniger Zinsen, als sie gleichzeitig für das Vorausdarlehen zahlen müssen. Die Anbieter rechnen keinen Cent davon in die Effektivzinsen ein. Abschluss- und Kontogebühren sorgen für eine zusätzliche Belastung. Im Falle des Deutsche-Bank-Beispiels erleidet der Sparer einen Zinsverlust von mehr als 10.000 Euro und steht damit sinnbildlich für die Praxis in der Branche. Denn ob BHW, Schwäbisch Hall oder Landesbausparkassen, die wirklichen Kosten der Kombikredite werden auf breiter Front verschleiert. In den von "Finanztest" untersuchten Angeboten, lag der tatsächliche Gesamteffektivzins im Durchschnitt mehr als 20 Prozent höher, als die Bausparkassen und Banken angaben.    

Auf Nachfrage von "Finanztest", wieso die Anbieter dieses besonderen Finanzierungsmodells nicht den Gesamteffektivzins nennen, argumentiert die Branche zumeist mit den gleichen Ausflüchten. Demnach wollen die Kassen nicht, dass ihre Kombikredite über den Effektivzins direkt mit den Kreditangeboten der Banken verglichen werden, weil der Effektivzins nicht die Besonderheiten des Kombimodells berücksichtigt.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Anbieter von solchen Bausparmodellen ihre Verschleierungspraxis von selber aufgeben. Und so liegen die Hoffnungen von Verbraucherschützern denn auch einmal mehr beim Gesetzgeber. Wieso dieser bisher auf den Etikettenschwindel der Branche nicht reagiert hat, bleibt allerdings schleierhaft.     

Denn nur, wenn die tatsächlichen Darlehenskosten benannt werden, können Verbraucher die Angebote von Kombikrediten und klassischen Bankdarlehen miteinander vergleichen. Interessenten sollten sich denn auch schriftlich den Gesamteffektivzins vom Anbieter des Kombikredits nennen lassen. 

Quelle: n-tv.de

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