Montag, 09. August 2010
Lebensmittelkauf bei Amazon: Konkurrenzlos teuer
Seit rund einem Monat gibt es auf Amazon.de auch Lebensmittel. Die Startbilanz ist allerdings ernüchternd. Verbrauchern ist die Lebensmittelbestellung über Amazon bislang nicht zu empfehlen.Bei Amazon kann man fast alles kaufen. Was einmal als Online-Buchhändler begann, entwickelte sich zum Online-Warenhaus. Immer weitere Bereiche hat sich Amazon einverleibt – nur an verderbliche Ware hat man sich bislang nicht herangetraut. Anfang Juli fiel dann der Startschuss für die Lebensmittelplattform. Amazon folgt auch hier der Philosophie, sowohl selbst Lebensmittel zu verkaufen, als auch anderen Anbietern die Plattform als Vertriebsinstrument zur Verfügung zu stellen.
Was in den anderen Bereichen gut funktioniert, funktioniert bei den Lebensmitteln überhaupt nicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einer Testbestellung von 20 Produkten. Es fehlt an vollständigen Produktinformationen und das Sammelsurium aus verschiedenen Händlern erweist sich als Kostentreiber, denn jeder der Händler berechnet Versandkosten. Nur bei Produkten, die Amazon direkt aus seinen Vertriebszentren liefert und wenn der Warenkorbwert 20 Euro übersteigt, werden kostenlos geliefert.
Fast keine Frischwaren
Doch aus Frischwaren hält sich Amazon weitgehend heraus, so dass diese von zahlreichen anderen Händlern geliefert werden. So bestellten die Tester beispielsweise für einen Singlehaushalt frische Ravioli, Milch, Cherrytomaten, Bio-Eier, Bio-Butter, Toastbrot und frischen Serrano-Schinken. Der Preis der Lebensmittel lag zusammen bei rund 20 Euro. Erst am Ende des Bestellvorgangs war klar, dass nochmals 25 Euro an Versandkosten hinzukommen würden. Die wenigen Produkte wurden von fünf unterschiedlichen Online-Lebensmittelhändlern geliefert, die alle eigene Versandkosten berechnet haben.
Viele Versender führen zwangsläufig zu vielen Einzellieferungen an unterschiedlichen Tagen. Wer da nicht täglich zuhause ist, muss entweder auf großzügige Nachbarn hoffen oder mit verdorbener Ware rechnen, wenn diese noch ein paar Tage beim Paketzusteller lagert.
Handel vor Ort ist günstiger
Bereits im Juli ist die Verbraucherzentrale Hamburg zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Neben hohen Versandkosten seien die Lebensmittel auch oftmals teurer als im Handel vor Ort. Ein Lebensmitteleinkauf über Amazon ist daher bislang nicht empfehlenswert.
Bis jetzt befindet sich der Lebensmittelversand bei Amazon noch in einer Testphase. Amazon selbst hat bereits angekündigt, nachbessern zu wollen. Um die Versandkosten zu senken, müssten mehr Waren in den Amazon-eigenen Versandzentren vorrätig sein. Bei verderblicher, frischer Ware ist dies allerdings kaum vorstellbar.
akl
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