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Massenweise neue Mitglieder : Krankenkassen: Wer gewinnt, wer verliert?

Zu Beginn dieses Jahres hat die gesetzliche Krankenversicherung so viele Mitglieder wie nie zuvor. Die Techniker zieht weiter Hunderttausende an, doch auch andere Kassen legen kräftig zu. Dabei gibt es die eine oder andere Überraschung.

750.000 Mitglieder kamen allein zwischen Oktober und Dezember neu in die gesetzlichen Kassen.
750.000 Mitglieder kamen allein zwischen Oktober und Dezember neu in die gesetzlichen Kassen.(Foto: imago stock&people)

Gute Zeiten für die gesetzliche Krankenversicherung: Zum 1. Januar hatten die Krankenkassen rund 54,7 Millionen Mitglieder, so viele wie noch nie. Doch nicht alle Anbieter profitieren vom Boom. Während der erfolgsverwöhnten Techniker Krankenkasse weiter neue Kunden zulaufen, musste die BKK Pfalz die größten Einbußen hinnehmen, berichtet der Branchendienst "Versicherungsjournal".

Im Laufe des letzten Jahres hätten die Kassen demnach fast 1,5 Millionen Mitglieder dazugewonnen. Dazu kommen noch die beitragsfrei versicherten Familienangehörigen. Inwieweit das zu Lasten der privaten Krankenversicherung geht, ist noch unklar, der Verband der Privaten Krankenversicherung hat noch keine entsprechenden Zahlen für 2015 vorgelegt. Ein wichtigerer Faktor dürfte aber die gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate sein.

Ein weiterer Grund: Seit Anfang 2016 müssen sich Hartz-IV-Bezieher grundsätzlich eigenständig versichern, die Familienversicherung fällt für sie weg. Die Kassen haben dadurch zwar mehr Mitglieder, aber keine höheren Beitragseinnahmen. Die Neuregelung ist so gestaltet, dass die Jobcenter keine Extrakosten tragen müssen.

Auch für die ALG II-Empfänger ändert sich nichts. Ihre Versicherungsbeiträge übernimmt weiterhin das Jobcenter. Nur wer sich für eine Kasse entscheidet, die mehr als die durchschnittlichen 1,1 Prozent Zusatzbeitrag verlangt, muss die Mehrkosten aus dem Regelbedarf bezahlen. Bei einem Beitragssatz von beispielsweise 16 Prozent, müsste der Versicherte also 0,3 Prozent selbst tragen.

Mehr Beitrag, weniger Mitglieder

Wie sehr sich der Zusatzbeitrag auswirken kann, bekam die BKK Pfalz am deutlichsten zu spüren. Auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent schlug die Kasse 2015 zunächst 1,2 Prozent auf. Dieses Jahr gab es eine Erhöhung um 0,2 Prozent, so dass der Beitragssatz für 2016 bei insgesamt 16 Prozent liegt. Fast 16.000 Versicherte haben der BKK Pfalz im Jahresverlauf den Rücken gekehrt, das dürfte wohl auch an den hohen Extrakosten liegen. Auf denen bleiben die Arbeitnehmer nämlich allein sitzen, der Arbeitgeber trägt lediglich die Hälfte des normalen Beitragssatzes.

Knapp 11.000 Versicherte hat die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) verloren, wobei das hier nicht am Beitrag liegen dürfte, sondern vielmehr am Strukturwandel. Landwirte und ihre Familienangehörigen haben kein Wahlrecht bei der Versicherung, sondern müssen sich über die Landwirtschaftliche Krankenkasse pflichtversichern. Wenn hier Mitglieder schwinden, dann also eher, weil sie ihren Beruf aufgeben.

Die Deutsche BKK ist mit ihren 1,15 Millionen Versicherten die größte Betriebskrankenkasse Deutschlands. Da dürften knapp 10.000 Mitglieder weniger nicht ins Gewicht fallen, zumal im kommenden Jahr die Fusion mit der Barmer GEK ansteht. Durch die Fusion entsteht ein Gigant mit rund 9,6 Millionen Versicherten – rund 200.000 mehr als die Techniker derzeit hat. Bis 2017 könnten sich die Zahlen allerdings nochmal verschieben. Denn auch die Barmer GEK hat zuletzt verloren, wenn auch im überschaubaren Rahmen. Knapp 4000 Versicherte haben der Ersatzkasse im letzten Jahr den Rücken gekehrt.

Ebenfalls auf der Verliererseite: die Knappschaft und die IKK Südwest. Beide büßten deutlich über 6000 Mitglieder ein und zumindest bei der Knappschaft dürfte der Grund klar sein: Zum Jahreswechsel hat die Kasse ihren Zusatzbeitrag um satte 0,5 Prozent angehoben. Mit 15,9 Prozent gehört sie zwar noch nicht zu den teuersten Anbietern, doch vielen Mitgliedern dürfte dieser Sprung zu groß gewesen sein. Die IKK Südwest blieb konstant bei 15,8 Prozent. Insgesamt haben 13 Kassen im Jahresverlauf Mitglieder verloren.

AOKs legen zu

Deutlicher als die Einbußen auf der Verliererseite fallen die Zuwächse bei den Gewinnern aus. An der Spitze steht mal wieder die Techniker, die im Laufe des Jahres fast 323.000 neue Mitglieder gewinnen konnte. Die größte Kasse Deutschlands hat ihren Beitragssatz zwar um 0,2 Prozentpunkte nach oben geschraubt, bleibt mit 15,6 Prozent aber dennoch preislich attraktiv. Überraschend ist hingegen der Zulauf zur AOK Rheinland/Hamburg. Obwohl sie zum 1. Januar 2016 um 0,5 Prozentpunkte teurer geworden ist, kommt sie auf rund 121.000 neue Kunden. Womöglich liegt es daran, dass die Kasse im Dezember als eine der letzten ihren neuen Beitragssatz von 16,0 Prozent veröffentlicht hat, so dass die Kunden noch nicht viel Zeit hatten, darauf zu reagieren.

Der Zuwachs der AOK Plus um rund 118.000 Mitglieder lässt sich hingegen leicht erklären: Mit 14,9 Prozent gehört sie nach wie vor zu den günstigsten Kassen überhaupt. Zugänglich ist sie nur in Sachsen und Thüringen, sonst wäre der Andrang wahrscheinlich noch deutlich größer.

Auch viele der anderen AOKs verbuchen deutliche Zuwächse, obwohl sie nicht bundesweit geöffnet sind. Die AOK Baden-Württemberg gewann ebenfalls rund 118.000 Neu-Mitglieder, fast 105.000 waren es bei der AOK Nordwest, 90.000 bei der AOK Niedersachsen und 74.000 bei der AOK Bayern. Unter den Top Ten mit den größten Zuwächsen ist neben der Techniker nur eine Nicht-AOK: die BKK VBU. Sie verzeichnete rund 48.000 neue Mitglieder und kommt nun auf rund 410.000 Beitragszahler. Hier erklärt sich das Wachstum aber auch durch Fusion: Zum 1. Januar hat sich die BKK VBU mit drei kleineren Kassen zusammengeschlossen. Der Beitragssatz blieb dabei konstant bei 15,5 Prozent.         

Quelle: n-tv.de

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