Ratgeber

Überschüsse sinken erneut: Lebensversicherung? Weiter abwärts!

Von Axel Witte

Auch wenn es nicht anders zu erwarten war: Die Nachricht, dass auch in diesem Jahr die Kapitallebensversicherungen weniger Rendite abwerfen, bedeutet einen Schlag ins Kontor für die Altersvorsorge von Millionen Menschen. Und es wird wohl nicht besser.

Wenigstens der Garantiezins bleibt nun doch bis auf Weiteres erhalten.
Wenigstens der Garantiezins bleibt nun doch bis auf Weiteres erhalten.(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)

Natürlich, eine durchschnittliche Verzinsung von 2,9 Prozent im aktuellen Niedrigzinsumfeld klingt gut. Aber nur auf den ersten Blick. Was daran liegt, dass nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern auch in den Hinterbliebenenschutz. Und vor allem auch deshalb, weil hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen die Rendite schmälern.

So kommt eine durchschnittliche Lebensversicherung auf geradeeinmal auf 0,92 Prozent garantierte Rendite. Bei jedem sechsten Versicherer sind es sogar nur 0,47 Prozent. Etwaige erwirtschaftete Überschüsse, die zu einer deutlich höheren Gesamtverzinsung der Policen führen können, sind natürlich weiterhin möglich, aber eben nicht garantiert. Noch dazu fallen diese von Jahr zu Jahr stetig. Was zum einen an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank liegt, aber auch an der Anlagepolitik der Versicherer.

Denn die Konzerne haben über Jahrzehnte die Kundengelder vor allem in festverzinsliche Papiere angelegt. Dabei hätten sie bis zu 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anlegen können. Dazu gehören Aktien und Immobilien. Nach aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wurde insbesondere in den letzten Jahren eine geeignete Diversifikation bei der Anlage der Kundengelder versäumt. 

Noch dazu wurde mit Inkrafttreten des Reformpakets zur Stabilisierung der Lebensversicherer nicht nur die Garantieverzinsung Stück für Stück gesenkt (derzeit 1,25 Prozent), sondern auch die Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform – dem 7. August 2014 – nicht berücksichtigt werden. Dies kann leicht einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen.

Von Jahr zu Jahr weniger

Wenigstens der Garantiezins bleibt nun doch bis auf Weiteres erhalten, nachdem er eigentlich für neu abgeschlossene Verträge zeitnah abgeschafft werden sollte. Das freut die Branche, ist er doch -  selbst auf niedrigem Niveau - ein wichtiges Verkaufsargument. Verbraucherschützer halten das allerdings für Augenwischerei. Wichtiger ist sind ihrer Meinung nach die erwirtschafteten Überschussbeteiligungen. Und da sieht es von Jahr zu Jahr trüber aus.

Denn auch dieses Jahr werfen Kapitallebensversicherungen weniger Rendite ab. Aus den genannten Gründen sinken die Überschussbeteiligungen, welche die Versicherer neben der Garantieverzinsung an ihre Versicherten ausschütten. Die laufende Verzinsung für 2016 beträgt im Schnitt nur noch 2,9 Prozent.

Was mit Blick auf das aktuelle Zinsniveau als gute Rendite erscheint, ist für eine langfristige Geldanlage viel zu wenig - insbesondere unter Berücksichtigung der hohen Kosten. Ein Trostpflaster zum Schluss: Höhere Garantieversprechen aus Alt-Verträgen behalten ihre Gültigkeit. Sparer sollten also an diesen deutlich steuerbegünstigten Verträgen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festhalten.

Laufende Verzinsung für das Jahr 2016

GesellschaftLaufende Verzinsung 2015 in ProzentVerzinsung 2014 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz3,103,40- 0,30
AachenMünchener3,003,25- 0,25
Alte Leipziger3,053,05   0,00
Axa3,103,40 - 0,30
Debeka3,103,40- 0,30
Ergo2,70 2,70  0,00
HUK-Coburg3,003,25- 0,25
Nürnberger3,003,25- 0,25
Württembergische2,753,00- 0,25
R+V3,003,20 -0,20
Zurich Deutscher Herold2,302,80- 0,50

Quelle: n-tv.de

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