Ratgeber
Lebensversicherungen werden als Geldanlage zunehmend unattraktiver.
Lebensversicherungen werden als Geldanlage zunehmend unattraktiver.(Foto: imago/Christian Ohde)
Montag, 09. Januar 2017

Weniger Überschüsse : Lebensversicherungen weiter im Sinkflug

Von Axel Witte

Es war nicht anders zu erwarten: Auch für dieses Jahr senken die Lebensversicherer die laufende Verzinsung für Kapitallebenspolicen. Das sind ganz schlechte Nachrichten für Millionen von Menschen. Schuld ist aber nicht nur die leidige Niedrigzinsphase.

Ein Trostpflaster gleich zu Anfang: Garantieversprechen aus Alt-Verträgen behalten ihre Gültigkeit. Auch dann, wenn diese über der durchschnittlich laufenden Verzinsung (Garantiezins und Überschussbeteiligung) der eigenen Versicherungsgesellschaft liegt. Sparer sind also gut beraten, an diesen deutlich steuerbegünstigten Verträgen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festhalten, und sich diese nicht von den Unternehmen abjagen zu lassen. Denn die hohen Zinsversprechen vergangener Jahre belasten die Versicherer. Da eine Kündigung derzeit nicht möglich ist, soll der eine oder andere Kunde selbst zur Kündigung verführt werden. Eine zweifelhafte Praxis.

Womit wir auch schon bei weiteren unguten Nachrichten sind: Denn die laufende Verzinsung für das Jahr 2017 sinkt auf breiter Front. Schuld ist natürlich die anhaltende Niedrigzinsphase. Aber eben auch die schlechte Anlagepolitik der Branche. Haben doch die Versicherer über Jahrzehnte die Kundengelder vor allem in festverzinsliche Papiere gesteckt. Ohne Not. Denn es wäre auch möglich gewesen, bis zu 35 Prozent der Investitionen in sogenanntes Risikokapital anzulegen. Hierzu zählen unter anderem Aktien und Immobilien. Zwei Anlageklassen, die bekanntlich nicht die schlechteste Entwicklung in den vergangenen Jahren genommen haben. Leider wurde aber eine geeignete Diversifikation bei der Anlage der Kundengelder versäumt. Ausbaden müssen dies - ja, genau - die Kunden. Und es wird wohl nicht besser.

Hinzu kommt, dass mit Inkrafttreten des Reformpakets zur Stabilisierung der Lebensversicherer nicht nur die Garantieverzinsung Stück für Stück gesenkt wird (derzeit 0,90 Prozent), sondern auch die Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert wurde. Um die Lebensversicherer in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu entlasten, müssen die Reserven aus festverzinslichen Anlagen seit Inkrafttreten der Reform – dem 7. August 2014 – nicht berücksichtigt werden. Zum Leidwesen der Sparer kann dies einige Tausend Euro pro Vertrag ausmachen.

Die Branche begegnet der Misere mit neuen Produkten. Bei diesen wird noch nicht einmal mehr der mickrige Garantiezins offeriert, sondern nur noch den Erhalt des eingezahlten Kapitals. Dafür hat der Kunde dann aber die Chance, dass mögliche erzielte Überschüsse in renditestärkere Produkte, sprich Aktien, investiert werden ­oder aber es werden höhere Überschüsse in Aussicht gestellt. Beide Varianten halten Verbraucherschützer für keine gute Idee. Zu teuer, zu intransparent, zu geringe Erfolgsaussichten, so das Credo.

Womit wir wieder bei der klassischen Kapitallebensversicherung wären. Hier liegt die durchschnittliche Verzinsung bei den größten Anbietern bei rund 2,6 Prozent. Was ja zunächst nicht so übel klingt. Nicht vergessen werden sollte aber, dass nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern auch in den Hinterbliebenenschutz. Außerdem schmälern hohe Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen die Rendite. Dadurch blieb tatsächlich bei einem garantierten Zins von 1,25 Prozent gerade einmal ein Wertzuwachs von 0,42 Prozent übrig, wie die Ratingagentur Assekurata errechnet hat. Für eine langfristige Geldanlage, die zumeist auch als Altersvorsorge dienen soll, ist dies viel zu wenig.

Laufende Verzinsung für das Jahr 2017

GesellschaftLaufende Verzinsung 2017 in ProzentVerzinsung 2016 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz2,803,10- 0,30
AachenMünchener2,803,00- 0,20
Alte Leipziger2,653,05- 040
Axa2,903,10- 0,20
Debeka2,753,10- 0,35
Ergo2,25 2,70- 0,45
HUK-Coburg2,703,00- 0,30
Nürnberger2,753,00- 0,25
Württembergische2,402,75- 0,35
R+V2,703,00 -0,30
Zurich Deutscher Herold2,102,380- 0,20

Quelle: n-tv.de

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