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Tonnenschwere Last: Liebesschlösser.
Tonnenschwere Last: Liebesschlösser.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 14. Februar 2017

Mit Sicherheit verliebt: Liebesschlösser: Illegaler Romantik-Zauber?

Von Axel Witte

Es gibt Menschen, die können ihre Liebe gar nicht genug beschwören und fallen damit auf die Schnauze - öffentlich. Andere erhoffen sich durch das diskrete Anbringen von Vorhängeschlössern, ihre Gefühle füreinander zu sichern. Ob es hilft ist fraglich. Aber ist es erlaubt?

"Lucchetti dell’amore" - allein die Bezeichnung sorgt für weiche Knie. Hierzulande muss man hingegen mit einem spröden Liebesschloss vorlieb nehmen. Glückliches Italien. Und genau von dort, genauer aus Florenz, stammt wohl auch der Brauch von Verliebten, mit Hilfe von Vorhängeschlössern, die an Brückengeländern festgemacht werden, symbolisch ihre ewige Liebe zu besiegeln. Wahlweise werden zuvor in die Schlösser noch die Namen der hormonell beschwingten Protagonisten eingekratzt oder eingraviert - amore per siempre.

Tatsächlich gibt es keinerlei Zahlen darüber, ob derart geschützte Verbindungen den Widerständen des Lebens besser trotzen als Beziehungen, die mit weniger Symbolik auskommen müssen. Fest steht hingegen, dass sich weltweit immer mehr Pärchen derart ihrer Gefühle füreinander versichern.

Das gefällt nicht jedem. Allen voran den Bürgermeistern von Städten, auf deren Bauwerken allzuviel Liebeszauber lastet. So ist in Rom sogar eine Laterne umgeknickt, derart überfrachtet war sie mit den "Lucchetti dell’amore". In Paris stürzte das Brückengeländer der Pont des Arts aus demselben Grund in die Tiefe.  

Tonnenschwere Last

Anderorts wird weniger um die Statik gebangt, als dass man sich an der Optik des wuchernden Behangs stört. Aber auch durch die Schlösser verursachte Rostschäden werden von den Verantwortlichen gefürchtet. Damit einhergehend sorgen die hohen Kosten für die Beseitigung der Liebesschlösser für Verdruss.

Da stellt sich die Frage, ob es eigentlich erlaubt ist, seine Umwelt derart mit den eigenen Hormonwallungen zu beschweren. Die Antwort fällt leider ernüchternd aus. Denn nach dem Strafgesetzbuch steht es nicht nur unter Strafe, eine fremde Sache zu zerstören oder zu beschädigen, sondern es ist auch verboten, deren Erscheinungsbild nicht nur vorübergehend und nicht nur unerheblich zu verändern. Im Falle von kaum mehr zu erkennenden Brückengeländern ist damit der Tatbestand einer Straftat erfüllt. Theoretisch. Denn viele Städte tolerieren den Romantik-Zirkus. Des Tourismus wegen.

Anders in Venedig und Berlin. Hier ist das Anbringen von Liebesschlössern strikt untersagt. Während ein Verstoß gegen das Verbot in der sonst für so große Gefühle stehenden Lagunenstadt mit bis zu 3000 Euro geahndet wird, ist in Berlin lediglich ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro fällig. Maßloses Italien.

Wer dennoch nicht auf öffentliche Liebesbekundungen verzichten möchte, sollte sich in der entsprechenden Stadt darüber schlau machen, was erlaubt beziehungsweise geduldet wird. Oder einfach noch einmal seine Gefühle überprüfen. Wer dann doch nicht an die große Liebe glaubt, für den gibt es noch einen kleinen Trost: "Formaggio" heißt im Italienischen Käse. Auch das klingt toll, hält aber auch nicht ewig.                

Quelle: n-tv.de

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