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Wer sich fit hält, kann das beispielsweise über das Sportabzeichen nachweisen.
Wer sich fit hält, kann das beispielsweise über das Sportabzeichen nachweisen.(Foto: imago/Westend61)

Bonusprogramme der Krankenkassen: Lohnt sich das Punktesammeln?

Von Isabell Noé

Sportkurse, Vorsorgeuntersuchungen oder Rauchentwöhnung - viele Krankenkassen belohnen gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Mitglieder. Bei manchen Kassen muss man sich für Mini-Prämien ganz schön abstrampeln. Andere sind großzügiger.

Junge zahlen weniger als Alte, Gesunde weniger als Kranke – den Beitrag in der privaten Krankenversicherung bestimmt das persönliche Risiko. Anders in der gesetzlichen Krankenkasse. Hier zählt allein das Einkommen. Wer besonders gesundheitsbewusst lebt, wird dafür bei einigen Kassen aber finanziell belohnt. Vorbei sind die Zeiten, als die Teilnahme an Bonusprogrammen mit einem Handtuch oder einer Sporttasche mit Krankenkassenaufdruck gedankt wurde. Heute locken viele Kassen mit handfesten Geldprämien. Die gibt es beispielsweise für die Teilnahme an Präventionskursen oder sportlichen Aktivitäten, für Vorsorgeuntersuchungen oder Schutzimpfungen.

Zwischen 20 und mehr als 300 Euro können sich die Versicherten zurückholen, wenn sie fleißig Bonuspunkte sammeln. "Interessenten sollten die Teilnahmebedingungen eines Bonusprogramms vorher genau unter die Lupe nehmen und für sich prüfen, ob sich die Mühe für sie auszahlt", empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW. Die Hürden sind von Kasse zu Kasse nämlich sehr unterschiedlich. Manche zahlen schon, wenn man nur eine einzige Maßnahme im Bonusheft abhakt. Andere arbeiten mit Punkten. Prämien fließen dann erst, wenn eine bestimmte Mindestpunktzahl erreicht ist. Ein direkter Vergleich ist dadurch kaum möglich. Für Familien ist die Sache noch komplizierter, weil für Kinder und manchmal auch Partner oft eigene Regeln gelten. Der Einfachheit halber soll es hier nur um die Programme für Selbstversicherte gehen.

Viel Aufwand bei der Techniker

Die Techniker ist mit weit über 9 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Deutschland. Am Bonusprogramm wird das nicht liegen, denn das ist eher Mittelmaß. Maximal 90 Euro lassen sich herausholen, dafür muss man aber auch sieben Maßnahmen vorweisen, darunter ein Gesundheitskurs. Wer nicht so umtriebig ist, kann sich 30 Euro sichern, wenn er einmal zur Früherkennung geht und zwei weitere Punkte abhakt. Angerechnet werden beispielsweise die Mitgliedschaft im Fitnessstudio, die Teilnahme an Sportveranstaltungen oder Gesundheitskurse zu gesunder Ernährung oder zum Suchtmittelkonsum.

Für die knapp 10 Millionen Mitglieder der AOKs Bayern, Bremen, Nordost, Nordwest Rheinland-Pfalz/Saarland und Rheinland-Pfalz/Hamburg gibt es ein gemeinsames Prämienprogramm, das auf Punkten basiert. Erwachsene und mitversicherte Kinder können mit verschiedenen Maßnahmen zwischen 200 und 400 Punkten sammeln. Wer mindestens 800 Punkte angehäuft hat, kann sie gegen Sachprämien eintauschen. Im Verhältnis zum Aufwand ist der Ertrag allerdings recht überschaubar. Für einen 25 Euro-Ikea-Gutschein muss man beispielsweise 1100 Punkte zusammenbekommen, also mindestens drei Aktivitäten abhaken. Einige AOKs haben auch einen Bonus-Wahltarif, der finanziell lukrativer ist. 

Oft gibt's nur Sachprämien

Kurse zur Raucherentwöhnung bringen bei vielen Kassen Punkte.
Kurse zur Raucherentwöhnung bringen bei vielen Kassen Punkte.(Foto: imago/McPHOTO)

Weiter geht es mit den großen Kassen. Die Barmer GEK ist mit rund 8.5 Millionen Mitgliedern die Nummer zwei nach der Techniker. Auch sie setzt bei der Vorsorge auf ein Punktesystem mit Sachprämien. Mit drei Maßnahmen kommt man auf die 500 Punkte, die man mindestens zur Prämienverrechnung erreichen muss. Dafür bekommt man beispielsweise ein Leatherman-Universalwerkzeug oder ein Blutdruckmessgerät. Wer damit nichts anfangen kann, der kann sich auch 50 Euro Zuschuss für Gesundheitsleistungen wie Zahnreinigung oder Sehhilfen sichern.

Die DAK Gesundheit hat für ihre über 6,2 Millionen Mitglieder zum Jahreswechsel ein neues Bonusprogramm aufgelegt. Zwischen fünf und 20 Punkte sammelt man unter anderem mit Vorsorgeuntersuchungen, sportlichen Aktivitäten oder verschiedenen kasseneigenen Kursen. Die Punkte werden eins zu eins in Euro umgetauscht. Alternativ kann man den Gegenwert um 20 Prozent steigern und sich dafür besondere Gesundheitsleistungen bezuschussen lassen, etwa beispielsweise Osteopathie, professionelle Zahnreinigung oder Impfungen, die man sonst selbst zahlen müsste.

Hier stimmt der Ertrag

Auf Platz fünf der größten Kassen liegt hinter der AOK Bayern mit gut 3,5 Millionen Mitgliedern die IKK classic. Mit vier bonusfähigen Aktivitäten sichert man sich hier eine Auszahlung von 100 Euro. Mitversicherte Kinder kommen schon mit drei Maßnahmen auf eine Prämie von 60 Euro, wenn sie drei Punkte abhaken. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Prämie ist hier also schon ganz gut.

Wer mit minimalem Aufwand das Maximum herausholen möchte, könnte bei der Vereinigten BKK auf seine Kosten kommen. Nur drei Aktivitäten sind nötig, um den Bonus von 150 Euro auszuschöpfen. Anrechnen lassen kann man sich beispielsweise die Fitnessstudiomitgliedschaft, Zahnvorsorge, Krebsvorsorge und auch den Body-Mass-Index, wenn dieser im Normbereich liegt. Der Beitragssatz der Vereinigten BKK liegt mit 15,80 Prozent knapp überm Durchschnitt.

Meistens hat man ein Jahr Zeit

Egal bei welcher Kasse, der erste Schritt zum Bonusprogramm ist die Anmeldung. Danach bekommt man normalerweise ein Bonusheft zugeschickt. In der Regel hat man gut ein Jahr Zeit, die Anforderungen zu erfüllen, bei manchen Kassen lassen sich die gesammelten Punkte auch aufs Folgejahr übertragen. Das macht gerade bei Programmen mit Sachprämien Sinn, weil sich die nötigen Punktzahlen für größere Prämien oft kaum innerhalb eines Jahres erreichen lassen.

Für die Krankenkassen zahlen sich Bonusprogramme gleich mehrfach aus. Zum einen, weil gesundheitsbewusstes Verhalten der Mitglieder langfristig Kosten spart. Zum anderen dienen die Programme auch der Kundenbindung. Viele Kassen knüpfen ihre Prämienzahlung nämlich an eine ungekündigte Mitgliedschaft. Wer bei einem geplanten Kassenwechsel nicht auf den Bonus verzichten will, sollte vor der Kündigung klären, bis wann er bei der alten Kasse bleiben muss, um an seine Prämie zu kommen.

Quelle: n-tv.de

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