Ratgeber

Betrug mit Zusatzleistungen: Manche Ärzte kassieren doppelt

Wenn der Arzt für bestimmte Leistungen Gebühren aufruft, fragen viele Patienten nicht genauer nach. Das sollten sie aber. Denn offenbar kommt es gar nicht so selten vor, dass Mediziner sowohl beim Patienten als auch bei der Krankenkasse abkassieren.

Die Brille müssen Kassenpatienten zwar selbst bezahlen. Doch die Sehstärkenbestimmung beim Augenarzt ist für sie kostenlos.
Die Brille müssen Kassenpatienten zwar selbst bezahlen. Doch die Sehstärkenbestimmung beim Augenarzt ist für sie kostenlos.(Foto: imago/Westend61)

Verbraucherschützer warnen vor betrügerischen Praktiken mancher Ärzte. Die "Welt am Sonntag" berichtet von Fällen, in denen Mediziner ihren Patienten vermeintliche Selbstzahler-Leistungen verkaufen, die sie zugleich aber bei den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. In Frankfurt am Main ermittle die Generalstaatsanwaltschaft derzeit im Fall einer großen Praxis für Gastroenterologie, die von tausenden Patienten über Jahre hinweg bei Magen- und Darmspiegelungen jeweils 40 Euro Zusatzgebühr für eine Vollnarkose verlangt habe. Dabei sei diese Leistung bereits von den Krankenkassen bezahlt worden.

Solche Doppelabrechnungen seien auch in anderen medizinischen Fachrichtungen verbreitet, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Experten der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit ihren Kollegen in Berlin und Rheinland-Pfalz hätten die Verbraucherschützer im vergangenen Herbst rund 200 Augenärzte unter die Lupe genoammen. Etwa die Hälfte aller Praxen verlangte zwischen zehn und 18 Euro für eine Sehstärkenbestimmung oder die Aushändigung der ermittelten Werte an die Patienten. Beides sei aber bereits durch die Kassen abgedeckt gewesen.

Bedenkzeiten für Zusatzleistungen?

Weil Patienten oft nicht wissen, welche Leistungen die Kassen übernehmen, fordert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Klaus Müller, gesetzlich vorgeschriebene Bedenkzeiten für Selbstzahler-Leistungen. "Ad-hoc-Entscheidungen im Behandlungszimmer sind nicht zumutbar." Der Patient müsse ausreichend Bedenkzeit für eine Zusatzleistung haben, sagte Müller. Nur so ließen sich Geschäft und medizinische Versorgung klar voneinander trennen.

Auch der Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, Gerd Billen, sagte: "Individuelle Gesundheitsleistungen sind grundsätzlich nicht dringend. Patienten sollten sich gründlich informieren, bevor sie eine Entscheidung für oder gegen eine solche Leistung treffen." Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), erteilte dem Vorschlag einer Bedenkzeit allerdings eine Absage. Patienten müssten dann zweimal statt einmal zum Arzt gehen.

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen Patienten aus eigener Tasche bezahlen. Die Verbraucherzentralen greifen auf der Seite IGeL-Ärger typische Beschwerden von Patienten auf und fordern Betroffene auf, über ihre Erfahrungen zu berichten.

Quelle: n-tv.de

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