Ratgeber
Nur wenn ein Anwalt seine Pflichten vernachlässigt, muss er auf sein Honorar verzichten.
Nur wenn ein Anwalt seine Pflichten vernachlässigt, muss er auf sein Honorar verzichten.
Dienstag, 14. März 2017

Honorar für den Anwalt: Mandat entzogen, Geld zurück?

Ein Anwalt trödelt oder macht seine Arbeit nicht richtig? Oder er will die Zusammenarbeit selbst beenden? Dann kann man ihm problemlos das Mandat entziehen. Ob man das Honorar zurückbekommt, steht aber auf einem anderen Blatt.

Mit der Beziehung zum Rechtsanwalt ist es wie mit anderen Beziehungen auch: Manchmal funktioniert sie und manchmal eben nicht. Nun wird man den Anwalt meist schneller los als einen Partner, der mit dem Ende womöglich nicht einverstanden ist. Dem Anwalt kann man einfach das Mandat entziehen. Die Krux: Bezahlen muss man ihn womöglich trotzdem. Das zeigt ein Fall, den jetzt das Oberlandesgericht Oldenburg verhandelt hat (Az.: 2 U 85/16).

Wenn der Mandant den Anwaltsvertrag gekündigt hat, bleibe der Vergütungsanspruch bestehen, stellte das Gericht klar. Und das selbst dann, wenn der Anwalt vorher selbst angedroht habe, das Mandat aus nachvollziehbaren Gründen niederzulegen.

Im konkreten Fall hatte sich der Mandant mit seinem Fall zunächst an eine Kanzlei gewandt, dann aber in der gleichen Sache noch einen weiteren Anwalt beauftragt. Und dieser telefonierte dann auch gleich mit dem zuständigen Richter – freilich ohne die beiden Anwälte der anderen Kanzlei darüber zu informieren. Die bekamen davon Wind und kündigten an, das Mandat niederzulegen, wenn der Dritte mit im Boot bleibe. Der Mandant erklärte daraufhin, er nehme das Angebot zur Mandatsniederlegung an.

Keine Pflichtverletzung

Gleichzeitig forderte er das bereits überwiesene Honorar zurück. Das wollte die Kanzlei allerdings nicht mehr herausrücken. Der Fall landete vorm Landgericht und dann in zweiter Instanz vorm Oberlandesgericht. Beide Male scheiterte der Ex-Mandant. Solange sich die Anwälte nicht vertragswidrig verhalten hätten, behielten sie ihren Vergütungsanspruch, erklärte das OLG. Die Drohung, das Mandat niederzulegen, wenn der Dritte an dem Fall beteiligt würde, sei nicht vertragswidrig, sondern gerechtfertigt gewesen. Schließlich hätte das Verhalten des Klägers womöglich dem Ruf der Kanzlei geschadet.

Fazit: Man kann einem Anwalt zwar jederzeit das Mandat entziehen. Davor sollte man aber einen Blick in die Vertragsbedingungen werfen. Nur wenn sich der Anwalt nicht an die Vereinbarungen hält, kommt man ohne finanziellen Schaden aus der Sache heraus. Ansonsten bleibt man auf dem Honorar sitzen.    

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Quelle: n-tv.de

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