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Ratgeber

Donnerstag, 15. Januar 2009

Gehaltsverhandlung: Mehr Geld trotz Krise

Angesichts täglicher Horrormeldungen über die wirtschaftliche Lage erscheinen die Aussichten bei Gehaltsverhandlungen nicht gerade günstig. Also: lieber bescheiden bleiben und auf bessere Zeiten warten? Nicht unbedingt, meint Martin Wehrle. Der Gehaltscoach muss es wissen: "Zum einen betrifft die Krise betrifft nicht alle Firmen und schon gar nicht alle zum gleichen Zeitpunkt", so Wehrle gegenüber der dpa. Zum anderen sei es nicht vernünftig, einfach auf einen besseren Zeitpunkt warten zu wollen. "Nach der Krise argumentieren viele Unternehmen, sie müssten sich erst einmal erholen, bevor sie Gehälter anheben können." Bei vielen Arbeitgebern stecke hinter solche Argumenten reine Taktik.

Antizyklisch fordern

Tatsächlich reagierten Unternehmen geradezu seismografisch auf Krisenmeldungen. Viele Chefs blockten Fragen nach mehr Gehalt dann sofort prinzipiell ab. "Und auch bei vielen Arbeitnehmern sinkt der Mut rapide, bei schlechten Wirtschaftsdaten ihre dennoch gute Leistung entsprechend belohnen zu lassen." Dabei können sich durchaus Chancen bieten, gerade jetzt um ein entsprechendes Gespräch zu bitten. "Für Gehaltsverhandlungen gilt das gleiche wie an der Börse: Wenn gerade alle mehr Geld wollen, ist das der schlechteste Zeitpunkt."

Weil zurzeit eher wenige Arbeitnehmer über ihr Gehalt verhandeln möchten, sei die Gelegenheit sogar günstig: "Jetzt bekommt man mehr Aufmerksamkeit", sagte Wehrle. "Und möglicherweise hat das Unternehmen sogar mehr Spielräume für eine Gehaltserhöhung, weil bereits Stellen abgebaut wurden." Unternehmen, die auf langfristige Personalplanung setzen, haben nach Wehrles Erfahrung kein Interesse daran, qualifizierte Arbeitskräfte zu verlieren. "Die Leistungsträger lässt jeder Arbeitgeber ungern ziehen."

Headhunter ist teuer

Hinzu komme, dass durch die Lücke, die dadurch gerissen wird, auch Kosten entstehen. "Ein Headhunter kostet in der Regel deutlich mehr als eine Gehaltserhöhung." Wehrle rät ohnehin, sich nicht auf eine dauerhafte Anhebung des Monatsgehalts zu versteifen: "Man kann auch über eine Prämie reden." Durchaus vernünftig sei es, nicht einfache eine fixe Summe zu fordern, sondern anzubieten, die Prämie vom Erreichen bestimmter Ziele abhängig zu machen - so dass damit tatsächlich Leistung honoriert wird.

Bei der Höhe der Prämie sollten Arbeitnehmer nicht über das Ziel hinausschießen: "Ein Monatsgehalt wäre schon sehr viel." Anders sieht es im Management aus: "Führungskräfte bekommen schon sehr oft drei oder mehr Monatsgehälter." Beim Verhandeln sollten Arbeitnehmer mit drei Zielen ins Gespräch gehen: ein Maximalziel, ein Minimalziel und ein Alternativziel. "Das kann zum Beispiel sein, dass der Arbeitgeber kein Geld zahlt, aber die privaten Handykosten übernimmt - oder den Dienstwagen stellt."

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