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Nicht jede Behandlung in der Türkei wird von der Krankenkasse bezahlt.
Nicht jede Behandlung in der Türkei wird von der Krankenkasse bezahlt.
Montag, 09. Oktober 2017

Gesundheitstourismus vor Gericht: Muss die Kasse Arztbesuch in Türkei zahlen?

Grundsätzlich können gesetzlich Krankenversicherte auch jenseits der Notfallversorgung Ärzte innerhalb der Europäischen Union und andernorts in Anspruch nehmen. Doch es gibt Einschränkungen.

Ob Zahnersatz in Polen, eine Erholungskur in Tschechien oder eine Augenoperation in Ungarn: Der Gesundheitstorismus boomt, weil mit hohen Ersparnissen bei den Behandlungskosten gelockt wird. Wer den Arztbesuch jenseits der Grenzen erwägt, tut gut daran, die Vorschriften der Krankenkassen und privaten Versicherungen zu kennen.

Grundsätzlich kommen die gesetzlichen Krankenkassen für Behandlungen bei einer akuten Erkrankung oder bei einem Unfall sowohl in einem EU-Mitgliedsland als auch in Ländern auf, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Wobei die Krankenkassen in aller Regel nur die Kosten übernehmen, die auch von den Kassen im jeweiligen Land erstattet würden. Gesetzlich Krankenversicherte müssen deshalb Selbstbehalte und Zuzahlungen, die im Ausland üblich sind, aus der eigenen Tasche zahlen. Ungeachtet dessen müssen etwaige Behandlungen im Ausland , wie bei einer Behandlung in Deutschland auch, vorher von der Krankenkasse genehmigt werden.

Besonders schwierig wird es für Patienten, die sich nicht in einem EU-Mitgliedsland behandeln lassen, auch wenn mit diesem ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Diese Erfahrung musste ein türkischstämmiger Deutscher machen, der zur Behandlung seiner Borreliose-Symptomatik in die Türkei gereist war.

Nach seiner Rückkehr legte er bei seiner Krankenkasse diverse Rechnungen in Höhe von rund 860 Euro zur Erstattung vor. Diese lehnte eine Zahlung ab, da die Behandlung auch im Inland möglich gewesen wäre und kein Notfall vorgelegen habe. Außerdem habe der Kläger keine vorherige Zustimmung der Kasse zur Auslandsbehandlung beantragt. Der Patient argumentierte, dass die Ärzte in Deutschland keinen Rat mehr zu seinen Schmerzen gehabt und ihm eine psychiatrische Behandlung empfohlen hätten. Erst durch die Behandlung in der Türkei sei er halbwegs schmerzfrei geworden. Die entstandenen Kosten seien relativ gering und er mache auch keine weiteren Auslagen wie beispielsweise Fahrt- und Flugkosten geltend.

Das für den Streitfall zuständige Landessozialgericht (Az.: 16 KR 284/17) gab jedoch der Krankenkasse recht. Demnach ist eine Kostenerstattung grundsätzlich nur möglich für Behandlungen, die im Inland nicht leistbar seien oder für Notfälle. Eine Borreliose könne hingegen in Deutschland gut behandelt werden. Zudem sei der Mann keinesfalls in Deutschland erfolglos austherapiert, da er bisher nur Ärzte in seiner unmittelbaren Wohnortnähe aufgesucht und keinerlei Fachärzte konsultiert habe. Lediglich der subjektive Erfolg einer nicht näher spezifizierten Behandlung im Ausland könne keinen Anspruch auf Kostenerstattung auslösen, befand das Gericht.

Quelle: n-tv.de

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