Montag, 12. Juli 2010
Bachelor-Studiengänge: Nicht gut für Hochbegabte
Seit der Einführung des Bachelors steigt der Druck auf Studenten: Mehr Prüfungen, weniger Freiräume. Es sind ausgerechnet die hochbegabten und oft auch die kreativen Studenten, die damit nicht zurechtkommen.
Wer sich gern intensiver mit Studieninhalten auseinandersetzt, wird mit dem Bachelor nicht unbedingt glücklich.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Der Bachelor ist vor allem für hochbegabte Studenten eine große Belastung. Seit der Einführung der neuen Studiengänge gehen immer mehr kreative und sehr gute Studenten zur psychosozialen Beratung, hat Uwe Köppe vom Studentenwerk Thüringen beobachtet. "Es gibt keine Freiräume mehr. Das ist gut für den Durchschnitt, aber schwierig für Hochbegabte, die sich gerne über einen längeren Zeitraum intensiv mit einem Thema beschäftigen." Das sei angesichts der vielen Prüfungen im Bachelor-Studium aber eigentlich nicht mehr möglich.
Die Zeit ist knapp
"Unser Klientel hat sich in den vergangenen Jahren deutlich
verändert", so Köppe, der mit sechs Kollegen psychosoziale Beratung für die
rund 50.000 Thüringer Studenten anbietet. Seit der Einführung des Bachelor ist es
für Köppe keine Seltenheit mehr, dass Studenten mit einem Abitur-Notenschnitt von
1,0 zur Beratung kommen. "Vor allem Studenten, die sich gerne intensiv mit
einem Thema beschäftigen und sich nicht nur oberflächlich berieseln lassen wollen,
haben Probleme." Der Grund: Für solche Extra-Leistungen gibt es im Bachelor-Studium
keine Zeit mehr. "Die Studenten müssen ständig für Prüfungen lernen."
Auch an anderer Stelle macht sich der Zeitdruck bemerkbar: Die
Studenten kommen immer früher zur Beratung, hat Köppe festgestellt. "Früher
konnte man die ersten wirklich wichtigen Prüfungen lange schieben, oft bis zum sechsten
Semester." Mittlerweile stünden an vielen Universitäten schon im ersten Semester
wichtige Prüfungen an. "Da fallen die Probleme auch viel früher auf."
Zwar würde mit diesen Maßnahmen verhindert, dass Studenten jahrelang erfolglos in
die falsche Richtung studieren. "Gleichzeitig fehlt vielen Studenten aber auch
die Zeit, sich an der Hochschule einzuleben."
Lernen zu lernen
Die Berater des Studentenwerks helfen den Studenten sowohl bei
Schwierigkeiten an der Universität als auch im Privatleben. Neben Problemen mit
dem permanenten Leistungsdruck und Prüfungsängsten seien die Berater des Studentenwerks
vor allem gefragt, den Studenten effektives Lernen beizubringen, sagt Köppe. "Studenten
kommen an den Hochschulen an und es heißt: Du bist Student, du musst wissen, wie
das hier funktioniert."
Die Schulen würden die Studenten oft nur unzureichend auf die
Anforderungen des selbstständigen Lernens im Studium vorbereiten - und die Hochschulen
gingen einfach davon aus, dass Abiturienten effektiv lernen können. "Das ist
aber nicht immer so. Das lernen die Hochschulen allerdings erst sehr langsam."
Inzwischen gebe es aber in ersten Studiengängen Kurse, die den Studenten "richtiges
Lernen" beibringen.
dpa
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