Ratgeber

Nachtspeicheröfen und Wärmepumpen: Niemand muss teuer heizen

Von Isabell Noé

Rund zwei Millionen Haushalte in Deutschland heizen mit Strom und zahlen dafür eine ganze Menge Geld. Nur die wenigsten Nutzer von Nachtspeicheröfen oder Wärmepumpen wechseln ihren Versorger. Ein teurer Fehler.

Ein teures Relikt: Nachtspeicheröfen wurden vor allem in den 60er und 70er Jahren verbaut, als Stromsparen noch kein Thema war.
Ein teures Relikt: Nachtspeicheröfen wurden vor allem in den 60er und 70er Jahren verbaut, als Stromsparen noch kein Thema war.(Foto: picture alliance / dpa)

Eigentlich sollten bis zum Jahr 2020 die meisten Nachtspeicheröfen verschwunden sein. So hat es die Bundesregierung zumindest 2009 beschlossen. Doch der große Ofenabriss bleibt aus, denn vier Jahre später wurde das Gesetz durch den Bundestag gekippt. Viele der rund 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen in Deutschland werden also auch in der nächsten Dekade Strom fressen. Meist auf Kosten von Mietern, denn dort, wo die Bewohner selbst über ihre Heizung entscheiden können, haben sie die teuren Elektroheizungen oft schon längst gegen sparsamere Systeme getauscht.

Eine Wohnung mit Strom auf Temperatur zu bringen ist derzeit etwa doppelt so teuer wie mit Gasetagenheizung. Fast alle Stromnutzer zahlen aber noch deutlich mehr als sie müssten. Denn fast alle beziehen ihre Energie vom örtlichen Grundversorger. Und der ist oft noch deutlich teurer als viele Konkurrenten. Auch die Besitzer moderner Wärmepumpen können ihre Kosten mit einem Anbieterwechsel spürbar drücken.

Heizstrom ist ein Relikt aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Deutschland sollte unabhängiger vom Erdöl anderer Länder werden, Kernkraftwerke lieferten den billigen Strom, der dafür nötig war. Umweltschutz war noch kein Thema. Vor zehn Jahren zeichnete sich dann ab, dass das Nachtspeichersystem, bei dem die Heizungen mit günstigem Nachtstrom gespeist wurden, um ihn tags wieder abzugeben, nicht ewig weiterlaufen würde. Überkapazitäten zur Nachtzeit konnten die Versorger jetzt nämlich rentabler ins Ausland verkaufen. Flächendeckend wurden die alten Sondertarife gekündigt und durch neue, teurere ersetzt. Sich dagegen zu wehren, war schwierig, denn die Anbieter waren sehr darauf bedacht, ihre monopolartigen Stellungen zu verteidigen. Seit 2010 ist der Markt geöffnet und die Konkurrenz wächst. Nur schöpfen bislang noch viel zu wenige Kunden ihre Möglichkeiten aus.

Bei alten Zählern wird's kompliziert

Rund zwei Millionen Haushalte nutzen Strom für Nachtspeicher oder Wärmepumpen. Bislang haben gerade mal zwei Prozent von ihnen den Anbieter gewechselt. Dabei lohnt sich das durchaus. Bei einem Marktüberblick der Stiftung Warentest kamen die Musterkunden um bis zu 500 Euro günstiger weg. Am größten ist das Sparpotential dort, wo es kaum Vergleichsmöglichkeiten gibt: Bei älteren Anlagen, bei denen es nur einen Zähler für Heizstrom und für Haushaltsstrom gibt. Das ist bei etwa 20 Prozent der Heizstromkunden der Fall. Das Problem: Vergleichsrechner gibt es für diese sogenannten Zweitarifzähler noch nicht. Die Stiftung Warentest hat deshalb gut 1600 Anbieter angeschrieben und  nach ihren Tarifen für einen Musterhaushalt mit einer Dreizimmerwohnung befragt. Der Schwerpunkt lag dabei auf Städten in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo es noch immer viele Nachtspeicherheizungen gibt. Im Osten Deutschlands war das System nie besonders verbreitet.

Die Ergebnisse schwankten stark: Abhängig von der jeweiligen Region waren Einsparungen zwischen 120 und über 500 Euro drin. Die individuellen Konditionen muss man bei den Unternehmen selbst ermitteln. Bei vielen geht das bequem über die Internetseite, bei manchen muss man allerdings persönlich nachfragen. Das kann sich durchaus lohnen. Der bundesweit operierende Energiehandel Dresden gehörte beispielsweise bei der Preisabfrage der Stiftung Warentest regelmäßig zu den günstigsten Lieferanten – und das, obwohl man dort nur Ökostrom bekommt. Tarifangebote gibt es aber erst, nachdem man die individuellen Verbrauchsdaten angegeben hat. Oft lohnt es sich auch, sich bei den Stadtwerken oder anderen regionalen Anbietern umzuhören.

Einfach Preise vergleichen

Sehr viel einfacher ist der Wechsel, wenn es zwei Zählerkästen gibt, der Heizstrom also getrennt vom Haushaltsstrom abgerechnet wird. Hier kann man die Preise bequem online ermitteln. Das einzige Portal, das derzeit Vergleichsmöglichkeiten für Nachtspeicheröfen und Wärmepumpen anbietet, ist Verivox. Über 20 Tarife stehen den Interessenten dort im Schnitt zur Auswahl, auch hier hängt die mögliche Ersparnis natürlich vom Verbrauch und vom Wohnort ab.

Besonders attraktiv sind die Sparoptionen bei Häusern mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen. In etwa jedem fünften Neubau ist ein Heizsystem verbaut, das die Wärme aus dem Erdreich oder aus der Luft umwandelt. Dafür ist dann allerdings Strom nötig. Der ist schon per se günstiger als der Haushaltsstrom, bei einem Wechsel kann sich die Differenz zum Grundversorger durchaus im mittleren dreistelligen Bereich bewegen, wie Stichproben zeigen. Bei Nachtspeicheröfen ist das Potenzial meist nicht ganz so groß, doch auch hier kann die Entlastung bei zehn Euro oder mehr im Monat liegen.

Beim Vergleich sollte man auf möglichst lange Preisgarantien achten und das Häkchen beim Neukundenbonus deaktivieren. Die Empfangsprämie macht den Tarif zwar im ersten Jahr günstiger, Wechselfaule zahlen dann aber im nächsten Jahr womöglich sogar mehr als vorher. Das voreingestellte Häkchen bei "Nur Tarife mit direkter Wechselmöglichkeit anzeigen" klickt man ebenfalls besser weg. Dann zeigt der Rechner nämlich auch die Angebote an, für die Verivox keine Provision erhält.

Entscheidet man sich für so einen Tarif, muss man sich selbst um die Kündigung kümmern und beim neuen Anbieter anmelden. Bei den Zählern mit gemeinsamer Messung ist das ohnehin so. Wer eigentlich gar keine Lust hat auf das Wechselprozedere, kann sich auch an den bisherigen Anbieter wenden und sich nach günstigeren Tarifen erkundigen. In letzter Zeit sind die Preise an den Strombörsen gesunken, wer nachfragt, kann bisweilen einen Rabatt herausholen

Quelle: n-tv.de

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