Ratgeber

Woher kommt der Preisunterschied?: Ökostrom im Osten teurer

Wer im Osten zum Ökostrom wechseln möchte, muss unter Umständen tief in de Tasche greifen. In den neuen Bundesländern ist grüner Strom vergleichsweise teuer. Das liegt unter anderem an höheren Durchleitungskosten - aber nicht nur.

Nicht alles, was sich "Ökostrom" nennt, ist durch und durch grün. Im ZWeifel helfen Siegel weiter.
Nicht alles, was sich "Ökostrom" nennt, ist durch und durch grün. Im ZWeifel helfen Siegel weiter.(Foto: dpa)

Ökostrom bleibt gefragt – wenn auch lange nicht mehr so stark wie unmittelbar nach der Atomkatastrophe von Fukushima. Vor vier Monaten interessierten sich 80 Prozent der Nutzer ausdrücklich für Ökostrom, wie das Verbraucherportal Verivox damals feststellte. Dieser Hype ist vorbei, doch darüber hinaus scheint genereller, langfristiger Trend hin zu umweltfreundlicher Energieversorgung erkennbar. Einer Umfrage des Verlags "Energie & Management" zufolge ist die Zahl der Ökostromkunden im vergangenen Jahr um mehr als 28 Prozent gestiegen, auf rund 3,2 Millionen.

Wie viel sie für ihren Strom bezahlen müssen, hängt stark vom Wohnort ab. Das zeigt eine Studie des Vergleichsportals toptarif.de. Untersucht wurde das Preisniveau von Ökostomtarifen in den 200 größten deutschen Städten. Für jede Stadt ermittelten die Tester den Durchschnittswert der 20 günstigsten Ökostromangebote für einen vierköpfigen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden. Im Ergebnis zeigen sich Preisunterschiede von bis zu 18 Prozent zwischen den untersuchten Städten.

Im Bundesdurchschnitt kostet Ökostrom rund 792 Euro pro Jahr, also rund 23 Cent pro Kilowattstunde. Deutlich günstiger kommen die Ökostromkunden in Aschaffenburg weg, wo der vierköpfige Musterhaushalt gerade mal 722 Euro jährlich zahlt. Nirgends ist grüner Strom preiswerter zu haben. In ostdeutschen Städten wird den Kunden der Wechsel schwerer gemacht. Hier sind die Tarife mit durchschnittlich 827 Euro am teuersten. Am tiefsten in die Tasche greifen müssen dabei Verbraucher in Görlitz. In der einkommensschwachen Region werden für Ökostrom etwa 878 Euro in Rechnung gestellt. In den Millionenstädten Berlin, Hamburg und Köln bewegt sich der Preis mit durchschnittlich 800 Euro im Mittelfeld. Im sonst so teuren München bekommen Verbraucher wenigstens Ökostrom zu günstigeren Konditionen – sie zahlen mit rund 764 Euro knapp 4,5 Prozent weniger.

Gebühren für den Netzbetreiber

"Viele Anbieter von Ökostromprodukten setzen keine deutschlandweit einheitlichen Preise, sondern operieren mit regional unterschiedlichen Konditionen", erklärt Rainer Brosch von Toptarif den Preisunterschied. Bei der Preisfindung orientieren sich die Anbieter oft an den Konditionen der örtlichen Grundversorger und bieten Ökostrom ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde günstiger an als diese. Eine entscheidende Rolle spielen außerdem die Durchleitungs- und Transportkosten, die der Stromanbieter an den jeweiligen Netzbetreiber zahlen muss. Diese Kosten können regional unterschiedlich ausfallen. "Darüber hinaus agiert nicht jeder Anbieter von Ökostrom bundesweit. Das zieht regionale Unterschiede hinsichtlich Wettbewerbsdichte und Preisniveau nach sich", so Brosch.

Raus aus der Grundversorgung

Unabhängig vom Preisniveau vor Ort lohnt ein Vergleich der Konditionen zwischen den verfügbaren Anbietern. Denn auch in ein und derselben Region gibt es zum Teil große Differenzen. Am meisten sparen kann, wer noch nie einen Wechsel vollzogen hat und in den zumeist teuren Tarifen grundversorgt wird – laut Bundesnetzagentur gilt das immerhin noch für 45 Prozent der deutschen Haushalte. Diese Kunden können bei einem Wechsel zu Ökostromprodukten noch einmal etwa einhundert Euro mehr sparen als Verbraucher, die aus einem alternativen Tarif des Grundversorgers zu Ökostrom wechseln.

Verbraucherschützer empfehlen bei einem Wechsel zu Ökostromanbietern, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch darauf zu achten, dass der gewählte Anbieter mindestens eines der Qualitätssiegel TÜV, Grüner Strom Label oder ok-Power Label trägt. "Nur bei Produkten mit entsprechenden Qualitätssiegeln können Verbraucher sicher sein, dass durch den Bau von neuen Ökostromanlagen auch wirklich ein Zusatznutzen für die Umwelt entsteht", betont Brosch. Die genannten Label bieten Kunden hierfür eine erste Orientierung.

Stromrechner: Wechseln lohnt fast immer

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen