Ratgeber

Bloß nicht unterschreiben: Persilschein für die Bank

Isabell Noé

Gut ausgedacht, schlecht umgesetzt: Das Beratungsprotokoll soll Bankkunden eigentlich besser schützen. Im Moment sieht es aber eher danach aus, als würden sich die Banken damit vor späteren Kundenansprüchen absichern wollen.

Der Berater muss bestätigen, was er dem Kunden empfiehlt. Der Kunde muss aber nicht bestätigen, dass er das verstanden hat.
Der Berater muss bestätigen, was er dem Kunden empfiehlt. Der Kunde muss aber nicht bestätigen, dass er das verstanden hat.(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Aktien, die als todsicheres Investment verkauft werden, Auszahlungsgarantien, die sich im Nachhinein als unwirksam erweisen – immer wieder müssen sich Gerichte mit offensichtlichen Fällen von Falschberatung beschäftigen. Damit soll nun Schluss sein: Seit Anfang des Jahres müssen Banken ihren Kunden nach Beratungsgesprächen ein Protokoll aushändigen. Die potentiellen Anleger sollen dann schwarz auf weiß nachlesen können, was der Bankmitarbeiter empfohlen hat und warum.  

Manche drücken sich

Eine gute Sache in der Theorie. Allerdings scheinen sich die Banken mit der Umsetzung noch schwer zu tun. Das lässt jedenfalls eine Stichprobe der Stiftung Warentest erahnen. 16 Mal besuchten Testkunden für die Zeitschrift "Finanztest" Beratungsgespräche bei acht verschiedenen Kreditinstituten. Neunmal ließen sich die Tester als Neukunden beraten, in sieben Fällen waren sie schon Kunde der jeweiligen Bank.  Obwohl das Protokoll nach jedem Beratungsgespräch, in dem es um Wertpapiere geht, Pflicht ist, gingen die Kunden in sechs Fällen ohne das Schriftstück nach Hause. So wollte der Berater in einer Commerzbank-Filiale keinen unnötigen Aufwand für einen Neukunden betreiben, der vielleicht gar nicht wiederkommt. Auch bei der BBBank hieß es: Erst Vertrag, dann Protokoll. Ein klarer Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz, in dem festgelegt ist, dass das Protokoll spätestens vor Geschäftabschluss ausgehändigt werden muss. Offenbar tun sich viele Berater schwer, den Sinn dessen zu erkennen, was für sie nur bürokratischen Aufwand bedeutet.

 

Das Protokoll könnte auch dazu beitragen, die Beratung zu verbessern. Denn dort müssen auch Daten zu den finanziellen Verhältnissen des Anlegers vermerkt werden – eine Information, die in Beratungsgesprächen regelmäßig "vergessen" wird. Auch nach den Vorkenntnissen in Sachen Geldanlage und nach der Risikobereitschaft muss sich der Berater erkundigen. Das war schon vorher Pflicht, soll nun aber besser für den Kunden nachvollziehbar sein. Schlussendlich muss der Berater ausführlich darlegen, welche Produkte er für geeignet hält.

Informationsflut und Phrasen

Wie die Banken das Protokoll ausgestalten, bleibt ihnen allerdings weitgehend selbst überlassen. Das scheint viele zu überfordern. Einige versuchen ihrer Informationspflicht  nachzukommen, indem sie auf beiliegende Broschüren verweisen. Damit machen sie es sich ziemlich einfach – welcher Kunde kämpft sich schon durch Berge von Infomaterial? Andere halten die Angaben so nichtssagend wie möglich. So empfahl die Hypovereinsbank dem Testkunden unterschiedliche Fonds jeweils mit der Begründung "entspricht Risikoprofil und Anlagezielen". Bei der Entscheidungsfindung dürften solche standardisierten Phrasen kaum helfen. Wohl aber vor Gericht – allerdings nicht dem Kunden, sondern der Bank. Entwickelt sich das Investment anders als erhofft, kann diese nun auf das Protokoll verweisen, fürchten die Finanztester. Sie empfehlen, Protokolle möglichst nicht zu unterschreiben, um der Bank keinen Persilschein auszustellen.

Bilderserie

 

Per Gesetz ist ohnehin nur einer der Gesprächsbeteiligten zur Unterschrift verpflichtet: der Berater. Dennoch forderten einige Banken im Test auch vom Kunden eine Unterschrift, wenn auch nur zur Empfangsbestätigung. Weil vor Gericht aber jede Unterschrift als Zustimmung gedeutet werden kann, sollte man mit Autogrammen äußerst vorsichtig sein. Und wer aus dem Protokoll nicht schlau wird, sollte sich auch die Unterschrift unter den Vertrag sparen.

  

Quelle: n-tv.de

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